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Kurseinbrüche Chinas Börsen halten uns noch lange in Atem

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Der Weg ist noch weit

Die internationalen Rohstoffmärkte leiden allerdings nicht nur unter Chinas aktuellem Börsencrash. Insgesamt wandelt sich das chinesische System gerade hinzu einer stärker nachfrageorientierten Konsumwirtschaft. Andere Bereiche, wie die Bauindustrie oder der Elektronikbereich mit billigen Massenproduktionen, welche zum rasanten Wachstum der letzten Jahre beigetragen haben, leiden unter dem Wandel - das wiederum beeinflusst die Rohstoffmärkte nachhaltig. Das macht unter anderem der Stahlindustrie zu schaffen.

Das Problem: eigentlich ist es genau die aufstrebende Mittelschicht Chinas, auf die die Regierung in Sachen Aufschwung und Öffnung des Systems gesetzt hatte. Mehr private anstatt staatlicher Nachfrage, so lautete das Ziel. Weg von dem Stigma der Werkbank der Welt. Statt die großen Staatskonzerne und ihre Beschäftigung zu fördern wollte Peking Chinas Märkte schrittweise öffnen. Selbst die umstrittene Ein-Kind-Politik soll künftig gelockert werden. Im Zuge der Marktöffnung trommelte die Regierung kräftig und warb bei der Bevölkerung für Aktieninvestments. Die umschwärmte Mittelschicht investierte denn auch kräftig in Aktien, zusammen mit Taxifahrern, Studenten und anderen Börsen-Laien.

Viele verschuldeten sich für die Aktienkäufe und stehen jetzt mit leeren Händen da - vor allem die Mittelschicht, von der ein Konsumrausch erhofft wurde, könnte sich nun mit Investitionen zurückhalten. Allerdings ist der Anteil der Aktienbesitzer in China weiterhin gering, die Konsequenzen des Kurseinbruchs sollten also in Sachen Privatanleger nicht überschätzt werden.

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Wandel braucht Zeit

Insgesamt zeigt sich im Moment, dass der Wandel der chinesischen Wirtschaft von einem staatlich geprägten System hin zur Marktöffnung zumindest in einem so großen und wirtschaftlich bedeutenden Land wie China nicht so reibungslos funktioniert, wie erhofft. Überdeutlich macht das der aktuelle Crash. Zuvor hatten sich die Kurse an den chinesischen Börsen leicht stabilisiert - allerdings nur, weil die Regierung intervenierte und rund 1400 Titel vom Börsenhandel aussetzte. Nun, als trotz Stützung seitens Regierung und Zentralbank die Kurse am Montag wieder einstürzten, ließ Peking einige Staatsfonds massenweise Aktien von Staatskonzernen und Banken aufkaufen. Nur deshalb fiel der Tagesverlust am Dienstag im Vergleich zum Vortag vergleichsweise gering aus.

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    Das Manöver zeigt, wie weit der Weg Chinas hinzu einer offenen Volkswirtschaft noch ist. Dramatisch könnte es werden, wenn die Chinesen trotz der Interventionen der Regierung nicht mehr an die Börsen glauben und ihr Geld langfristig abziehen. Auch für große institutionelle Investoren sind die Interventionen eher ein abschreckendes Zeichen. David Park, Fondsmanager bei Carmignac hofft, dass die Zeit der Eingriffe bald wieder vorbei sein werde. Die Regierung müsse sich damit abfinden, dass die aktuelle Korrektur nicht vermeidbar ist auf dem Weg zu fundamental gerechtfertigten Bewertungen.

    Börse



    Deshalb raten Analysten, eher auf die Bewertung als auf das Börsensegment zu achten, in dem die jeweilige Aktie gelistet ist. Auch A-Aktien seien nicht per se gut, so Park. Der Analyst setzt dagegen auf Papiere global attraktiver Firmen wie Shanghai Airport.

    Bis die chinesischen Märkte erwachsen geworden sind, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern, bis dahin geht das Wirtschafts-Seminar zum Mitmachen weiter.

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