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Kursentwicklung Börsen taumeln zwischen Sommerloch und Bärenmarkt

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Technische Sorgen, geldpolitische Hoffnung

Schon seit ein paar Wochen sind insbesondere amerikanische Anleger bei deutschen Aktien skeptisch, insbesondere die hohen Bewertungen sind für die Investoren ein Warnsignal. "Wenn Rekordhochs erreicht werden, wie beim DAX, dann wird man von den Anlegern abgestraft, wenn man die hohen Erwartungen nicht erfüllt", sagt Todd Lowenstein, Portfoliomanger beim Vermögensverwalter Highmark Capital Management Inc. in Los Angeles.

Einige fürchten, auch die US-Konzerne könnten in Kürze über ihre hohen Bewertungen stolpern. "Denn so wie die Investoren in Europa die Luft aus den Aktienbewertungen lassen wollen, könnten sie dies in den USA auch tun", sagt Sarah Brylewski, Finanzmarkt-Expertin des Brokerhauses Ayondo. "Ein Blick auf die Bewertungen bei Facebook, Twitter oder dem Biotech-Sektor zeigt, wie hoch das Korrekturpotenzial ist."

EZB als Retter in der Not

Gegen einen dramatischen Kurseinbruch spricht zumindest in Europa weiterhin die expansive Geldpolitik der Notenbank. Wenn der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt zusammenkommt, dürfte sich nichts an der Politik der Zentralbank ändern. Erst im Juni hatten die Notenbanker ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Der Leitzins ist mit 0,15 Prozent auf einem Rekordtief, der Einlagezins sogar erstmals im negativen Bereich. Zudem können sich Europas Banken ab September erneut günstige Langfristkredite bei der EZB beschaffen. Diese Signale geben Anleger die notwendige Gewissheit, dass das expansive Zeitalter zumindest in der Euro-Zone noch nicht vorbei ist. Etwas anders sieht es in den USA aus, Anleger rätseln immer wieder, die Fed könnte früher die Zinsen erhöhen, als das bisher erwartet wurde.

Zumindest kurzfristig müssen Anleger mit weiteren Schwankungen und Rückschlägen an den Börsen rechnen. Es bleibe abzuwarten, ob die Schnäppchenjäger bereits in den Startlöchern für einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt stünden, oder ob mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden müsse, betont Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Vieles dürfte davon abhängen, wie sich die Krise zwischen Russland und dem Westen entwickelt. Beruhigt sie sich, sind auch die Kursbewegungen lediglich ein leichtes Sommergewitter. Kommt es aber tatsächlich zu Russlands Rache hinsichtlich der angekündigten Sanktionen, werden weitere Kursverluste wahrscheinlich. "Im Gegensatz zu den meisten Märchen mit Happy End hat das Sommermärchen an den Börsen ein ungewisses Ende", warnt Portfolio-Manager Daniel Zindstein vom Vermögensverwalter Gecam.

Anreiz zum Durchhalten für Anleger könnten die langfristigen Aussichten sein. Die BayernLB hat gerade einen durchaus optimistischen Ausblick gegeben. "Wir sehen den Dax Ende 2018 bei rund 12.500 Punkten", sagte Chefvolkswirt Jürgen Michels am Montag. Das wäre ein Anstieg um rund 36 Prozent. Schon in den nächsten zwölf Monaten rechnen die Experten mit 10.400 Zählern, dies wäre ein Plus von 13 Prozent. Als Stützpfeiler sieht die BayernLB vor allem die expansive Geldpolitik der Notenbanken, zudem werde sich der Aufschwung der Weltwirtschaft fortsetzen, so die Landesbank.

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