Kursmanipulation Razzien wegen Insiderhandels

"Gier ist gut", sagte Manager Gordon Gekko im Film Wallstreet. Sie ruft mitunter aber auch die Behörden auf den Plan: Die mache derzeit deutschlandweit Jagd auf Börsenbetrüger.

Ein Polizist befestigt Handschellen an den Handgelenken einer festgenommenen Person Quelle: dpa/dpaweb

Wer auf Kurse setzt, deren Entwicklung er beeinflussen kann, der wird kurzfristig reich. Langfristig landet er höchstwahrscheinlich auf der Anklagebank. Wie beispielsweise Markus Straub, der zu allem Überfluss auch noch der ehemalige Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gewesen ist. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2006 auf fallende Kurse bei dem Motorenhersteller Thielert gesetzt zu haben. Anschließend habe er in seiner Funktion als Anlegerschützer Kleininvestoren dazu geraten haben, Aktien des Unternehmens abzustoßen, da ein Totalverlust drohe. Die Anleger verkauften, die Kurse fielen und Straubs Optionen auf genau dieses Ereignis stiegen im Wert von sechs auf 6,5 Millionen Euro. Seit dem 23. Januar 2012 steht der 47-jährige deshalb in München vor Gericht, seit einer Razzia im Herbst 2010 sitzt Straub in Untersuchungshaft.

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Durchsuchungen in Deutschland

Nun sind die Behörden - auch in Deutschland - erneut mehreren Fällen von Börsenbetrug internationalen Ausmaßes auf der Spur. Am Mittwoch habe es in mehreren Orten Deutschlands, Europas und auch außerhalb Europas groß angelegte Durchsuchungen gegeben, sagte der Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft, Thomas Steinkraus-Koch. Der Schwerpunkt habe aber in Deutschland gelegen. Es werde gegen mehrere Personen ermittelt, sagte der Sprecher. Angaben zu Tatverdächtigen oder Betroffenen wollte er nicht machen. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht auf Insiderhandel bei Börsengeschäften. Kurse seien - zum Teil mittels Publikationen, also Börsenbriefen - beeinflusst worden. Das bei den Durchsuchungen sichergestellte Beweismaterial müsse nun ausgewertet werden.

Auch in den USA stürzen sich die Behörden im großen Stil auf Manager a lá Gordon Gekko: In enger Zusammenarbeit wollen das FBI, die Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium von New York 120 Händler und Tippgeber wegen Insiderhandel vor Gericht stellen. „Wir haben sie im Visier und sammeln noch Beweise“, sagt der leitende FBI-Agent David Chaves. Damit rollt die größte Insider-Klage der modernen Börsengeschichte. Sie basiert auf Ermittlungen, die seit 2009 laufen, und in deren Rahmen bereits 66 Personen angeklagt und davon 57 schuldig befunden wurden. Als einer der bekanntesten Übeltäter wanderte Hedge-Fonds-Manager Raj Rajaratnam elf Jahre ins Gefängnis.

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