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Kurspflege und Dividende Was aggressive Investoren den Aktionären bringen

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AOC gegen Stada: Showdown in "Harmonie"

Aktivismus, das zeigt der Fall Bilfinger, kann verdammt lange dauern. Dass es schneller gehen kann, beweist der Fall Stada.

Erster Akt: Die Kontrahenten treffen sich im Mai 2016 im zweiten Stock der Zentrale des Pharmaanbieters in Bad Vilbel. Auf der einen Seite Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig von Active Ownership Capital (AOC), ihnen gegenüber der dreiköpfige Stada-Vorstand unter Hartmut Retzlaff. Viele Investoren stören sich an der Amtsführung und den Bezügen des langjährigen Vorstandschefs. An der Wand: Pop-Art-Porträts des Retzlaff-Bekannten Mike Kuhlmann. AOC drängt auf Veränderungen. Fünf Mitglieder des Aufsichtsrats, besetzt vorwiegend mit älteren Apothekern, die Retzlaff treu ergeben sind, sollen weg. Das ist der Auftakt zu einem monatelangen und zermürbenden Streit.

Zweiter Akt: Im Juni 2016 wird Retzlaff aus dem Amt gedrängt; mit fürstlicher Abfindung. Der Höhepunkt des Dramas läuft in einer der denkwürdigsten Hauptversammlungen, die es in Deutschland je gegeben hat. Im Saal Harmonie der Frankfurter Festhalle schafft es zwar nur einer der letztlich vier AOC-Kandidaten in den Aufsichtsrat. Dafür können die Aktivisten aber den bisherigen Aufsichtsratschef Martin Abend stürzen.

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Ein Eklat. Die eigentliche Revolution aber findet im Kleingedruckten statt. Unter Tagesordnungspunkt sieben wird vorgeschlagen, die Vinkulierung der Stada-Aktien aufzuheben. Das bedeutet, dass das Unternehmen in Zukunft Investoren nicht mehr vom Kauf der Aktien ausschließen kann. Der Schritt erfolgt ebenfalls auf Druck von AOC – und ebnet den Weg zur späteren Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven. Sie sorgt wesentlich dafür, dass sich das Engagement der Aktivisten auch für andere Aktionäre lohnt.

Als AOC im März 2016 meldete, mehr als fünf Prozent der Stada-Aktien zu kontrollieren, kostet eine Aktie knapp 34 Euro. Ein Jahr später bieten Bain und Cinven Aktionären knapp das Doppelte. AOC nutzt das und steigt im Sommer 2017 aus. Vorhang.

Mittlerweile steht die Aktie bei 90 Euro – fast verdreifacht. Peter Barth von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht das Wirken der Aktivisten trotzdem kritisch. Zwar hätten sie die verkrusteten Strukturen bei Stada aufgebrochen und für den personellen Neuanfang gesorgt. Aber: „AOC hatte aus meiner Sicht nie ein strategisches Interesse am Unternehmen, sondern verfolgte nur finanzielle Ziele.“ Unternehmen solchen Investoren zu überlassen könne auch schiefgehen.

Schuhbauer widerspricht: „Wir sind geduldige Investoren, die operative Verbesserungen anstreben“, sagt er. So sei es auch bei Stada gewesen. Heute stehe das Unternehmen besser da als vor seinem Einstieg. „Durch die neuen Investoren hat Stada viel mehr Geld, um organisches Wachstum und Zukäufe zu finanzieren.“ An diesem Freitag, 2. Februar, schaut der Aktivist noch mal bei der Stada-Hauptversammlung vorbei. 20 Aktien hat er behalten, seine Eintrittskarte. Krach schlagen aber will er nicht mehr, nur still genießen. Der Job ist getan, für seine Investoren und die anderen Aktionäre.

Autoren: Georg Buschmann, Frank Doll, Angela Hennersdorf, Matthias Hohensee (Silicon Valley), Hauke Reimer, Jürgen Salz, Christof Schürmann, Harald Schumacher

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