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Kurspflege und Dividende Was aggressive Investoren den Aktionären bringen

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Auf lange Sicht wird alles besser

Immerhin ist die Thyssenkrupp-Aktie seit dem Einstieg von Cevian um etwa 50 Prozent geklettert. Cevian selbst hat dazu beigetragen, indem sie immer mehr Aktien kauften (siehe Chart unten). Solange die Schweden drin bleiben, muss dies Anleger nicht stören.

Thyssenkrupp hat in etwa so viel zugelegt wie der Dax. Im Schnitt performen von Aktivisten attackierte Unternehmen sogar besser als die Masse der Aktien. Das zeigt etwa eine Studie des Finanzdienstes Bloomberg über 81 US-Unternehmen, die zwischen 2009 und 2014 massiv von Aktivisten angegriffen wurden. Vor Beginn der Börsenschlachten waren deren Aktien rund acht Prozentpunkte schlechter gelaufen als der US-Börsenindex S&P 500. Nach Einstieg der Aktivisten bis Ende 2013 legten die Papiere im Schnitt um 48 Prozent zu. US-Aktien generell waren in vergleichbaren Zeiträumen 17 Prozentpunkte schlechter.

Ein Team der Uni Harvard kam bei der Analyse von 2000 Kampagnen aus den Jahren 1994 bis 2007 zu ähnlichen Ergebnissen. Die Forscher untersuchten die Entwicklung des Unternehmenswerts. Fazit: „Nach den Interventionen der Investoren kommt es über fünf Jahre eher zu langfristigen Verbesserungen.“ Dass, wie bei Thyssenkrupp, der Kurs sofort steigt, wenn Aktivisten sich über eine Aktie hermachen, sei gerechtfertigt: „Das spiegelt die langfristigen Verbesserungen nach einer Intervention korrekt wider“, so die Forscher. Selbst wenn Aktivisten schon drei Jahre wieder raus sind, profitierten andere Aktionäre noch von Kursgewinnen und Dividenden.

Carl Icahn gegen Apple: Twitter-Kampagne

So wie etwa bei Apple. Als Carl Icahn, der legendäre US-Investor, nach einer Kampagne gegen Apple seine 53 Millionen Aktien verkaufte, strich er zwar 5,5 Milliarden Dollar ein. Doch Apple stieg weiter und schüttete Dividenden aus. Icahns Paket wäre heute 8,8 Milliarden Dollar wert. Der nunmehr 81-jährige Investor wird es verschmerzen. Aktuell wird sein Vermögen auf rund 17 Milliarden Dollar geschätzt.

Icahn schert sich nicht um sein Image, geht keinem Streit aus dem Weg. Seine Taktik: In unterbewertete Unternehmen investieren, das weithin publizieren und die attackierten Konzernchefs mit ätzender Kritik verunsichern. Er schreibt Brandbriefe – abwechselnd mit Lob, Drohungen und Schmähungen gespickt – und veröffentlicht sie auf seiner Webseite. Seit Kurzem verschärft er seine Attacken gern mit Tweets. Schließlich hat sich das gleich beim ersten Test mit Apple bewährt.

Carl Icahn, der legendäre US-Investor, teilt über Twitter mit, er habe eine Position in Apple aufgebaut. Apples Börsenwert steigt sofort – um 17 Milliarden Dollar. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

August 2013: Apple-Chef Tim Cook willigt endlich in ein Telefongespräch mit Icahn ein. Der Firmenjäger lässt seinen ganzen Charme spielen, lobt den Apple-Chef überschwänglich für dessen grandiose Arbeit. Allerdings sei der Konzern „extrem“ unterbewertet. Das müsse man gemeinsam ändern, drängt Icahn, am besten über einen „großen Aktienrückkauf“. Den mag er. Denn wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien kaufen, steigt der Kurs. Darüber könne man doch beim Dinner in seinem New Yorker Apartment diskutieren. Sprach Icahn – und verbreitet die Kunde über sein Telefonat mit Cook flugs über Twitter. Apples Börsenwert steigt sofort – um 17 Milliarden Dollar. Zwei Wochen später meldet Icahn, das „Dinner mit Tim“ sei gut gelaufen. Apple-Aktionären brachte das eine zusätzliche Milliarde Dollar Börsenwert. Die Atmosphäre sei aber „etwas gespannt“ gewesen. Besonders, nachdem Apple-Finanzvorstand Peter Oppenheimer meinte, dass er es für keine gute Idee halte, dem Aufsichtsrat einen noch größeren Aktienrückkauf vorzuschlagen. Icahn machte klar, dass dann eben der Aufsichtsrat verändert werde: „Aufsichtsräte sind nicht von Gott bestellt.“

Profite steigern, Manager austauschen: Aktivistische Investoren heizen deutschen Unternehmen ein

Fast zwei Milliarden reicher

Icahn verdiente an Apple 1,9 Milliarden Dollar. Ob er tatsächlich Aktienrückkauf und höhere Dividenden erreicht hat, ist umstritten. Apple hätte dies ohnehin getan, sagt US-Ökonomieprofessor William Lazonick. „Icahn hat nichts beigetragen, außer sich zu bereichern“, so der international bekannte Wettbewerbsexperte. Cook hätte sich in dieser Zeit lieber Apple-Produkten widmen sollen als einzelnen Aktionären, die nur Geld aus dem Unternehmen ziehen wollen. Icahns Empfehlungen an Apples Management seien lächerlich gewesen und ohne Fundament: „Das hätte ich meinen Studenten nie durchgehen lassen.“

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