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Kurspflege und Dividende Was aggressive Investoren den Aktionären bringen

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Cevian gegen Bilfinger: Wer zuletzt lacht

Nicht immer erwies sich das Engagement von Aktivisten für Aktionäre als so ertragreich wie das von White Tale bei Clariant. Ein Negativbeispiel ist der Umbau des Baukonzerns Bilfinger zum Industriedienstleister für die Chemie-, Pharma-, Gas- und Ölindustrie. Gewinnwarnungen reihenweise, Chefwechsel wie im Taubenschlag, immer neue Strategieprogramme für die Tonne, eine Umsatzhalbierung auf jetzt noch vier Milliarden Euro – und vor einem halben Jahr dann auch noch der Abstieg aus dem Mittelwerte-Aktienindex MDax in den SDax: Bilfinger hat unter Cevian-Regie einen fulminanten Abstieg erlebt.

Zunächst hatten es die Finanzinvestoren mit gewaltigen Beharrungskräften zu tun. Cevians Deutschland-Statthalter Jens Tischendorf, obwohl schon Großaktionär, durfte 2013 dem Aufsichtsrat nicht mal seine Analysen zu Bilfinger präsentieren. Aufsichtsratschef Bernhard Walter, berichtet ein Augenzeuge, habe das schlicht nicht gestattet. „Herr Tischendorf ging fehl, als er glaubte, man könne Bilfinger über betriebswirtschaftliche Kennzahlen optimieren, ohne das eigentliche Geschäft richtig zu verstehen“ – die Rückschau von Ex-Bilfinger-Vorstand Klaus Raps macht die Haltung des damaligen Managements ziemlich klar. Misere und Chaos lasten Exmanager auch Cevian an. Seit inzwischen vier Jahren muss Bilfinger zudem wegen früherer Korruptionsfälle unter Aufsicht des US-Justizministeriums sein Compliance-System reformieren.

Als Retter entsandte Cevian Eckhard Cordes. Der wurde Aufsichtsratsvorsitzender bei Bilfinger. Doch der frühere Daimler- und Haniel-Top-Manager vermasselte erst mal seine Hauptaufgabe, nämlich die Besetzung des Chefpostens. Als Nachfolger des bei dem Krisenkonzern überforderten Expolitikers Roland Koch inthronisierte Cordes den Norweger Per Utnegaard – und musste ihn nach nur zehn Monaten Amtszeit wieder vom Hof jagen.

Anleger, die dem schwedischen Investor Cevian folgten, büßten seit 2011 ein Drittel ihres Geldes ein. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Stabilisierung eingeleitet

Im zweiten Anlauf dann hat es offenbar geklappt. Seit Juni 2016 führt der frühere Linde-Vorstand Tom Blades Bilfinger. Der Brite musste zwar 2017 auch eine Gewinnwarnung herausgeben, hat aber den von drei auf eine Sparte reduzierten Industriedienstleister einigermaßen stabilisiert.

Mehr aber auch nicht. „Blades macht einen guten Job“, meint Lampe-Bank-Analyst Marc Gabriel. Aber Bilfinger, so Gabriel, „ist noch nicht aus dem Gröbsten raus“. Das BB+-Rating von Standard & Poor’s für die Bilfinger-Schulden ist nah am Junk-Status. Der Börsenkurs wird durch Aktienrückkäufe gestützt. Ansonsten ist er zuletzt parallel zu den Öl- und Gaspreisen gestiegen. Anleger hoffen darauf, dass Bilfinger als Dienstleister der Ölförderung und Petrochemie vom Anziehen des Geschäfts profitiert. Nach Umsatz- und Auftragsrückgängen 2017 wird nach Gabriels Einschätzung „aber auch 2018 für Bilfinger kein tolles Jahr“. Zwar habe Bilfinger Aufträge verlängert, aber mit schlechteren Margen als früher.

Mitten im Übernahmepoker um den hessischen Arzneimittelhersteller versilberte der Stada-Großaktionär AOC seine Anteile. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Anleger, die Cevian folgten, büßten seit 2011 ein Drittel ihres Geldes ein. Der Wert des knapp 30-prozentigen Cevian-Anteils an Bilfinger entspricht derzeit 500 Millionen Euro. Rund 740 Millionen Euro hat Cevian in mehreren Schritten in den Mannheimer Konzern investiert.

Ein Ausstieg ohne Happy End ist deshalb angeblich keine Option für Cevian-Gründer Förberg. So wie auch bei Thyssen. In Cevian-Kreisen heißt es: „Wir machen, was gemacht werden muss, bis Bilfinger ein starkes Unternehmen geworden ist.“ Das kann dauern. Erst 2020 will Tom Blades die Marge von Bilfinger wieder auf fünf Prozent Gewinn vom Umsatz getrimmt haben.

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