Kursverluste beim Börsengang Crash für Börsenneuling Rocket Internet

Beim Börsengang von Rocket Internet kommt die Aktie zum Handelsstart nicht über den Ausgabepreis hinaus - und rutscht wenig später um 13 Prozent ins Minus. Statt Traumstart gab es eine Bruchlandung.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
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Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
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Schon beim Börsenstart des Online-Modehändlers Zalando am Mittwoch fiel die Party verhalten aus, die Aktie schloss den ersten Handelstag an der Frankfurter Börse ohne Kursplus ab, obwohl das Papier kurz nach Erstnotiz um zwölf Prozent über dem Ausgabepreis notierte. Die Erwartungen an den Börsenstart von Rocket Internet waren nochmal höher. Aber die Aktie kam zur Handelsaufnahme an der Frankfurter Börse nicht über den Ausgabepreis hinaus. Schlimmer noch: in den ersten Handelsminute rauschte der Kurs um rund 13 Prozent in die Tiefe.

Anders als Zalando hatte Rocket Internet die Preisspanne voll ausgereizt - und sammelt mit 42.50 Euro pro Aktie insgesamt 1,6 Milliarden Euro bei Investoren ein. Genau bei 42,50 lag auch der erste Kurs um 9:22 Uhr. Im Xetra-Handel fiel das Papier jedoch in nur wenigen Minuten unter 37 Euro. Im späteren Handel erholte sich die Rocket-Aktie wieder, blieb aber unter Druck. Am Nachmittag notierte sie mit Kursen unter 40 Euro rund sieben Prozent im Minus. Am außerbörslichen grauen Markt war die Aktie vor dem Börsengang für mehr als 60 Euro gehandelt worden. Kurz vor Börsenstart wurden dort noch Kurse von bis zu 48 Euro gezahlt.

Die Hauptinvestoren bei Rocket Internet sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Nach dem Börsengang halten sie noch knapp 40 Prozent, Oliver Samwer ist der Firmenchef. Die Samwers sind auch Großaktionäre bei Zalando mit knapp 15 Prozent.

Oliver Samwer zeigte sich unbeirrt. „Unser Unternehmen ist nicht fokussiert auf den ersten Kurs, auch nicht auf den der ersten Woche oder der ersten Monate“, erklärte er auf dem Börsenparkett während die Aktie abtauchte. „Wir haben einen langfristigen Horizont - das hat uns in der Vergangenheit Erfolg gebracht und das wird uns auch in der Zukunft Erfolg bringen.“ Unter dem Rocket-Dach sind Startups mit Schwerpunkt auf Online-Handel und Dienstleistungen gebündelt. In vielen Ländern, in denen sie tätig seien, sei das Internet noch kaum verbreitet. „Das heißt, das Wachstum kommt noch in der Zukunft.“

Die drei Samwer-Brüder

Auch Zalando - ebenfalls mit den Samwer-Brüdern als Großaktionäre - fiel am Tag nach dem Börsengang mit Kursen unter 20 Euro deutlich unter ihren Ausgabepreis.

Beide Börsendebütanten erwischten eine schwache Börsenwoche. Ebola-Panik, Konjunktursorgen und die EZB-Sitzung belasteten die Börsen. Man müsse die Großwetterlage auch berücksichtigen, sagte Aktienmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. „Die Stimmung am Markt ist einfach schlechter geworden.“ Jetzt müsse sich erst einmal zeigen, wie das Geschäftsmodell entwickele. „Man sollte das Geld, das man jetzt eingenommen hat, ganz massiv dafür einsetzen, weitere Unternehmen an die Börse zu bringen“, sagte Halver.

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Die Ernüchterung an der Börse ist aber auch als Zeichen dafür zu werten, dass Anleger trotz aller Begeisterung für große Internetfirmen, die den Sprung an die Börse wagen, nicht bereit sind, jeden Preis zu zahlen. Es sei „ein positives Zeichen für die Börse, dass nicht jede Kursübertreibung mitgemacht wird“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Er verwies zudem darauf, dass der Start im Börsensegment „Entry Standard“ mit seinen niedrigen Transparenzvorgaben einige Investoren von einem langfristigen Engagement in Rocket-Aktien abhalte.
Angaben von Rocket Internet zufolge war das Angebot mehr als zehnfach überzeichnet. Zum Börsendebüt in Frankfurt wird das Unternehmen nun mit 6,7 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die Lufthansa kommt auf einen Börsenwert von 5,6 Milliarden Euro.

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