Leben mit Aktien: Dividenden von Tech-Aktien: Das Wachstumswunder
Es ist der immer gleiche Fehler. Bei einer Dividendenstrategie setzen Anleger auf hohe Ausschüttungen, lassen sich von der saftigen kurzfristigen Rendite einlullen. Dabei deuten üppige Dividendenrenditen oft auf stagnierende Geschäftsmodelle und eine strapazierte Bilanz hin. Langfristig ist das Wachstum der Dividende viel entscheidender. Einige Technologieunternehmen veranschaulichen auf geradezu dramatische Weise.
Dividenden der Silicon-Valley-Elite waren erst kürzlich in den Schlagzeilen. Vergangene Woche hat der Meta-Konzern (früher Facebook) die Anlegerwelt überrascht: 50 Milliarden Dollar werden für Aktienrückkäufe lockergemacht und das Unternehmen zahlt seine erste Dividende. 50 Cent je Aktie werden quartalsweise ausgezahlt.
Dividendenstars Apple und Microsoft
Viel längere Historien lassen sich bei Apple und Microsoft finden. Und die zeigen, was möglich ist. Während der Finanzkrise gab es die Apple-Aktien zeitweise für drei Dollar zu haben. Heute ist nicht nur die Aktie viel teurer, das Unternehmen zahlt auch eine Dividende. Bei 24 Cent pro Quartal kommen 0,96 Cent im Jahr zustande. Wer bei drei Dollar eingestiegen ist, kommt heute auf eine unglaubliche Dividendenrendite von 32 Prozent.
Diese Rendite gibt es jedes Jahr auf das eingesetzte Kapital, und sie wächst bisher stetig. Dabei ist der iPhone-Konzern noch knausrig: Würde Apple seinen gesamten Gewinn ausschütten, läge diese Ausschüttungsrendite bei über 200 Prozent im Jahr. Für Microsoft kommt eine ähnlich beachtliche Zahl heraus: In 2009 gab es die Aktie für 15 Dollar zu kaufen, was eine heutige Dividendenrendite von 20 Prozent ergibt.
Natürlich hilft der extrem niedrige Einstiegskurs, um auf diese fantastischen Zahlen zu kommen. Relevant ist aber auch das kräftige Wachstum der Ausschüttungen. Microsofts seit 2003 gezahlte Dividende wuchs im Schnitt um zwölf Prozent pro Jahr, hat sich mittlerweile fast verzehnfacht. Apple zahlt seit 2012 wieder Dividende. Die ist mittlerweile zweieinhalbmal höher, im Schnitt ein Wachstum von acht Prozent pro Jahr.
Wie stark sich die Geschäfte der großen amerikanischen Technologieunternehmen auch weiterhin entwickeln und welche Unmengen an Gewinnen sie generieren, ist diese Woche auch Thema unseres Podcasts „Leben mit Aktien“. Der Investor Christian W. Röhl und WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar haben sich die letzte Woche veröffentlichten Quartalsergebnisse näher angesehen.
Hohe Ausschüttung als Ablenkung
Eifrige Dividendensammler hätten 2009 wohl eher auf die Aktie des amerikanischen Telekommunikationsanbieters AT&T gegiert, denn bei Apple gab es gar keine Ausschüttung und Microsofts Dividendenrendite war mit drei Prozent unterdurchschnittlich. Bei AT&T war kurzzeitig eine Ausschüttungsrendite von zehn Prozent möglich. Die Höchste im Dow-Jones-Index. Was daraus geworden ist? Die großzügigen Ausschüttungen waren nicht nachhaltig, wurden mittlerweile um ein Drittel gekürzt. Die Aktie von AT&T ist heute so viel wert wie während der Finanzkrise.
Diese Anekdoten untermauert auch die allgemeine Marktentwicklung: In den letzten 20 Jahren war mit dem marktbreiten S&P-500-Index doppelt so viel drin wie mit einem Index, der auf Dividendenaristokraten mit besonders hoher Ausschüttung setzte. Dabei haben die adeligen Dividendentitel bereits einen hohen Qualitätsfilter. Sie müssen ihre Dividenden seit mindestens 25 Jahren angehoben haben. Auch das hat nicht davor geschützt, dass eine hohe Dividendenrendite keine Garantie für Anlegerglück bedeutet.
Mehr zum Thema Weltmarktführer, Technologieaktien und den Problemen bei ThyssenKrupp hören Sie in der neuen Ausgabe unseres Podcasts „Leben mit Aktien“.