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Libra Klare Mehrheit der Deutschen sieht Facebook-Geld laut Umfrage kritisch

Nicht nur Politiker und Notenbanker sehen Facebooks neue Kryptowährung Libra kritisch. Auch die Mehrheit der Deutschen ist skeptisch, wie ein Umfrage zeigt.

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Die Kryptowährung von Facebook würde zur Konkurrenz von Leitwährungen wie dem Dollar und Euro werden. Quelle: dpa

Berlin Die geplante Digitalwährung von Facebook stößt auch in der deutschen Bevölkerung auf starke Vorbehalte. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sehen 71 Prozent der Bürger das Projekt Libra skeptisch und nur zwölf Prozent positiv.

YouGov hat Anfang Juli im Auftrag des Vereins „Finanzwende“ 2093 Erwachsene befragt. Das weltgrößte Internet-Netzwerk mit rund 2,4 Milliarden Nutzern will nächstes Jahr mit Libra starten. Experten trauen dem Konzern aus dem Silicon Valley durchaus zu, das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen - weil Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern schneller und günstiger werden dürften.

Libra würde zur Konkurrenz von Leitwährungen wie dem Dollar und Euro werden. Deswegen haben viele Politiker und Notenbanken bereits Bedenken angemeldet. Deutschland, Frankreich und die USA machten zuletzt beim G7-Finanzministertreffen deutlich, dass Facebook in der jetzigen Form nicht auf grünes Licht der Aufsichtsbehörden hoffen kann. Viele Fragen seien offen und müssten dringend geklärt werden.

Am deutlichsten wurde Bundesfinanzminister Olaf Scholz: „Die Herausgabe einer Währung gehört nicht in die Hände eines Privatunternehmens, denn sie ist ein Kernelement staatlicher Souveränität. Der Euro ist und bleibt das einzige gesetzliche Zahlungsmittel im Euro-Raum.“

Der YouGov-Umfrage zufolge haben 64 Prozent der Deutschen Vertrauen in Zentralbanken als Herausgeber von Währungen, aber nur vier Prozent in private Großunternehmen. Zehn Prozent haben in beide gleichermaßen Vertrauen und 22 Prozent machten dazu keine Angaben.

Facebook wolle mit Libra seinen Einfluss ausbauen und auch an die Finanzdaten der Nutzer kommen, sagte Gerhard Schick aus dem Vorstand des Vereins „Finanzwende“. Dies sei brandgefährlich. „Libra könnte zunächst einige Jahre sehr nützlich für viele scheinen, aber dann käme das böse Erwachen für die Nutzer und die Gesellschaft insgesamt“, so Schick, der früher für die Grünen im Bundestag saß. „Warnungen und ein bisschen Regulierung reichen nicht, es muss nun schnell und konsequent gehandelt werden.“

In einer Petition an die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank forderte der Verein ein Verbot. „Einmal eingeführt, ließe sich Libra kaum mehr stoppen.“

Mehr: In ihrer jetzigen Form hat die geplante Cyberwährung Libra keine Chance. Facebook-Chef Mark Zuckerberg braucht nun einen sehr guten Plan B.

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