Londoner Börse LSE profitiert vom boomenden Euro-Clearing

Die LSE profitiert von Derivate-Geschäften und zahlreichen Börsengängen. Quelle: dpa

Die Kassen der Londoner Börse LSE sind prall gefüllt. Der Gewinn stieg im vergangenen Jahr um 47 Prozent.

Die Abwicklung von Derivate-Geschäften und zahlreiche Börsengänge lassen die Kassen der Londoner Börse LSE klingeln. Der Betriebsgewinn schoss 2017 um 47 Prozent auf 626 Millionen Pfund (703 Millionen Euro) in die Höhe, wie die London Stock Exchange am Freitag mitteilte. Die Erträge legten um 18 Prozent auf 1,96 Milliarden Pfund (2,2 Milliarden Euro) zu. Insbesondere das Geschäft der Clearing-Tochte LCH florierte. Angesichts des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens machen sich Konkurrenten wie die Deutsche Börse jedoch Hoffnungen, einen bedeutenden Teil des Geschäfts mit der Abrechnung und Abwicklung von Handelsgeschäften an sich zu ziehen.

Insgesamt werden pro Tag Derivate-Transaktionen in einem Volumen von einer Billion Euro verrechnet, ein Großteil davon in London. Die Konkurrenten in der EU-27 setzen darauf, dass nach dem Brexit zumindest ein Teil des Clearings nach Kontinentaleuropa abwandern wird. Die Deutsche Börse, die in dem Geschäft bislang nur eine Nebenrolle spielt, will ihren Marktanteil bis Ende kommenden Jahres auf 25 Prozent steigern. Doch noch profitiert die LSE von ihrer dominanten Rolle beim Euro-Clearing, der Betriebsgewinn der Tochter LCH stieg 2017 um 58 Prozent auf 194 Millionen Pfund.

Auch das Geschäft mit Börsengängen boomte im vergangenen Jahr. 106 Unternehmen feierten 2017 ihr Debüt an der LSE - ein Anstieg von 63 Prozent und der höchste Wert seit drei Jahren. Die Börsengänge brachten insgesamt 15 Milliarden Pfund ein.

Die Suche nach einem neuen LSE-Chef dauert unterdessen an. Man habe dabei "gute Fortschritte" gemacht, sagte Finanzchef David Warren, der auch Interimschef ist. Der langjährige Chef Xavier Rolet ging im Herbst ein Jahr früher als geplant von Bord, nachdem ein Streit um die Zukunft der Führungsmannschaft eskaliert. Der aktivistische Hedgefonds TCI hatte den Verbleib von Rolet gefordert und verlangt, dass Aufsichtsratschef Donald Brydon geht. Stattdessen nahm Rolet im November sofort seinen Hut, Brydon soll noch bis zur Hauptversammlung 2019 bleiben. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember konnte sich TCI mit seiner Forderung nach der sofortigen Entlassung von Brydon nicht durchsetzen.

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