Märkte: Israelische Börse bricht ein – Nvidia sagt KI-Gipfel in Tel Aviv ab
Die Hamas-Terrorattacken attackieren auch die Wirtschaft Israels.
Foto: IMAGO/XinhuaDer Großangriff der radikal-islamischen Terrorgruppe Hamas setzt den israelischen Aktien- und Anleihemarkt unter Druck. Die wichtigsten Aktienindizes an der Börse in Tel Aviv schlossen am Sonntag fast sieben Prozent tiefer. Angeführt wurden die Verluste von Bankaktien, die um neun Prozent einbrachen.
Die Kurse von israelischen Staatsanleihen fielen um bis zu drei Prozent in einer ersten Marktreaktion auf den blutigsten Angriff auf das Land seit Jahrzehnten. Der Devisenmarkt ist sonntags geschlossen, doch hatte die Landeswährung Schekel schon zuvor wegen des heftig umstrittenen Plans der Regierung zur Justizreform ein Jahrestief erreicht.
„Es wird erwartet, dass diese Runde der Gewalt länger und heftiger sein wird als frühere, was sich eindeutig negativer auf die Wirtschaft und den Staatshaushalt auswirken wird“, sagte der Chefökonom des Finanzhauses Leader Capital Markets, Jonathan Katz. „Der Schekel wird morgen höchstwahrscheinlich stark nachgeben.“ Möglicherweise werde die Zentralbank Devisen verkaufen müssen, um den Kurs zu stabilisieren.
Diese erklärte, es sei noch zu früh, um den wirtschaftlichen Schaden des Konflikts beurteilen zu können. Sie verwies aber auf den 50-tägigen Krieg mit der Hamas im Gazastreifen im Jahr 2014, der einen Schaden von 3,5 Milliarden Schekel (rund 860 Millionen Euro) oder 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursacht habe. Die Zentralbank rechnet bislang mit einem Wachstum von drei Prozent für 2023 und auch 2024.
Die Hamas-Angriffe haben bereits wirtschaftliche Folgen. Die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines teilte mit, dass die Flüge von und nach Israel nach New York und Atlanta bis Montag gestrichen wurden. United Airlines will die Verbindungen so lange aussetzen, „bis die Bedingungen es erlauben, sie wieder aufzunehmen“. Air India strich die Flüge von und nach Tel Aviv bis zum 14. Oktober.
Nvidia, der weltweit größte Hersteller von Chips für künstliche Intelligenz (KI) und Computergrafik, sagte einen für nächste Woche in Tel Aviv geplanten KI-Gipfel ab. Dort sollte auch Konzernchef Jensen Huang sprechen. Viele Unternehmen gaben ihren Mitarbeitern den Tag frei, und die meisten Geschäfte, mit Ausnahme von Supermärkten und Apotheken, blieben geschlossen.
Israelische Industrieunabhängigkeit gewährleistet
Der israelische Industrieverband erklärte, dass die Fabriken weiterhin in Betrieb seien. Damit soll die Sorge vor einer Verknappung von Lebensmitteln und anderen wichtigen Produkten verringert werden. „Alle Unternehmen werden trotz der schwierigen Notlage, des Raketenbeschusses und des daraus resultierenden Arbeitskräftemangels ihren Betrieb so weit wie möglich aufrechterhalten“, sagte Verbandspräsident Ron Tomer. „Dank der Unabhängigkeit der israelischen Produktion (...) wird es den Einwohnern Israels auch in Zeiten des Notstands an nichts fehlen.“