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Maik Käbisch "Jetzt kommt die Gier"

Die Anleger sind zu sorglos, sagt Maik Käbisch, Vorstand des Vermögensverwalters Döttinger/Straubinger. Warum er für die nächsten Monate an der Börse mehr Risiken als Chancen sieht.

Kleine Börsenchronik - Dax auf Rekordjagd
Dax-Höchststand Quelle: dpa
Foto vom roten Platz in Moskow Quelle: AP
Foto der US-Notenbank Quelle: dapd
Foto von Verona Pooth Quelle: dpa/dpaweb
Foto des Anschlages auf das World-Trade-Center am 11. September 2001 Quelle: REUTERS
Foto des Irakkrieges Quelle: dpa
Schriftzug IKB Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Käbisch, der Dax müht sich mit der 10.000er Marke ab. Vor einem Jahr, als er bei 8.350 Punkten stand, hatten Sie geraten, Kursrückschläge zu Käufen zu nutzen und lagen damit richtig. Was raten Sie jetzt?

Maik Käbisch: Damals war das kein besonderes Kunststück, die Börse ist wegen der massiven Einflussnahme der Notenbanken ziemlich vorhersehbar geworden. Und die globale Liquiditätsschwemme wird uns noch lange begleiten. Aktuell werden wir unsere Aktienpositionen absichern und eher verkaufen als zukaufen.

Warum?

Wir hatten bis Mai tolle Monate an der Börse, die meisten Vermögensmanager, aber auch Versicherungen und Pensionskassen, haben ihr Jahresziel schon erreicht. Diese Gewinne werden viele jetzt absichern wollen. Selbst konservative Depots liegen um die vier Prozent im Plus, aufs Jahr hochgerechnet wären das zehn Prozent - das ist oberhalb von allem, was Kunden im Niedrigzinsumfeld erwartet haben. Das Chance-Risiko-Profil hat sich verschlechtert. Über den Sommer drohen Rückschläge nach klassischem zyklischen Muster, womöglich wegen Themen, die wir überhaupt noch nicht kennen.

Also "sell in may and go away"?

Eher ja. Wir können die 10.000 schon noch erreichen, im Überschwang auch darüber hinausschießen, aber grundsätzlich sehe ich deutliches Rückschlagpotenzial. Eine Menge Vermögensmanager dürften das ähnlich sehen wie wir. Wer seine Jahresperformance jetzt schon eingefahren hat, fragt sich dann schon, was er noch zu verlieren hat, wenn er den Anteil von Aktien in seinem Portfolio deutlich reduziert. Viele Probleme werden an der Börse zur Zeit einfach ignoriert: In der Ukraine wird gekämpft, in der EU bahnt sich um das Thema Kommissionspräsident ein Konflikt an...

"Es herrscht zu viel Sorglosigkeit"

Dax in Rekordlaune

Herrscht zu viel Sorglosigkeit?

Ja. Die Märkte schwanken nur wenig, die Volatilität ist ziemlich weit unten. Vermögensverwaltung ist auch das Managen von Angst und Gier, und ich habe den Eindruck, bei einigen kommt die Gier jetzt auf. Zum Jahresanfang sagte jeder noch, er sei froh, wenn er sein Vermögen erhalte. Jetzt sehen wir in vielen Portfolien wieder Strukturen, wie sie vor der Finanzkrise beliebt waren - angeblich sichere zehn Prozent Zins etwa, aber dafür 50 Prozent Verlustrisiko, wenn die Kurse fallen. Bei Aktien selbst sind die Umsätze übrigens extrem niedrig.

Das bedeutet?

Nur wenige sehen einen Grund, jetzt noch zuzukaufen. Und wenn die Börse einbricht, dürfte es rasant schnell nach unten gehen.

Sind Aktien teuer?

In Arbeit
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Historisch schon. Bei der Bewertung würde ich aber nicht nur auf vergangene Kurs-Gewinn-Verhältnisse schauen, sondern auch einen aktuellen Vergleich zu anderen Vermögensklassen ziehen. Und verglichen mit Anleihen und Immobilien aber auch mit exotischen Anlagen wie Oldtimern oder Wein, sind Aktien nach wie vor billig. Bundesanleihen haben ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 50, und dass sich Spanien oder Italien auf Dauer über Staatsanleihen so günstig refinanzieren können wie beispielsweise die USA, glaube ich auch nicht. Jedenfalls hätte das nichts mit dem realen Umfeld zu tun. Am Rentenmarkt stehen uns sicher noch sehr schwierige Zeiten bevor.

Also brauchen Anleger auf längere Sicht Aktien?

Absolut. Das Idealszenario wäre ein Kursrückschlag über den Sommer und der Wiedereinstieg zu günstigeren Kursen im Herbst. In den nächsten zwei, drei Jahren sind dann durchaus noch zweistellige Kurszuwächse drin.

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