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Marc Faber im Interview Welt auf dem Weg in den finanziellen Untergang

Investor Marc Faber kritisiert die Gelddruckmanie der Notenbanken und plädiert für europäische Telekom-Aktien. Unserem US-Partnermagazin „Barron’s“ erklärt er, warum er deshalb ein Viertel seines Vermögens in Gold hält und monatlich zukauft.

Crahs-Prophet und Börsenguru Marc Faber: Er kritisiert vor allem Notenbanken und Regierungen. Durch die lockere Geldpolitik von FED und EZB seien gefährliche Gleichgewichte entstanden. Im Krisenfall hält der Börsenguru grundsätzlich ein

Herr Faber, sowohl die US-Notenbank als auch die Bank of Japan, die den Yen abschwächen will, kaufen Unmengen von Staatsanleihen und geben so faktisch Geld in Umlauf. Der Dow Jones Industrials hat in diesem Jahr deshalb schon 15 Prozent zugelegt, der japanische Nikkei steht knapp 30 Prozent höher als zu Jahresbeginn, selbst nach dem letzten heftigen Einbruch. Erklären Sie uns jetzt doch mal, warum Sie die Politik des Gelddruckens so negativ sehen. Sollten die Anleger den Chef der US-Zentralbank Fed, Ben Bernanke, nicht sogar hochleben lassen?

Faber: Ich besitze Aktien und sollte Herrn Bernanke deshalb tatsächlich dankbar sein. Die Fed hat das Finanzsystem mit Geld überflutet. Das Problem dabei ist, dass dieses Geld ungleichmäßig in das System fließt. Die Geldflut führt keineswegs dazu, dass die ökonomische Aktivität und die Preise der Vermögenswerte in etwa gleich zunehmen. Stattdessen lässt sie gefährliche Schieflagen zwischen den Volkswirtschaften und den unterschiedlichen Vermögenswerten entstehen. Die Politik des Gelddruckens führte zur Entwicklung der kolossalen Aktienmarktblase der Jahre 1999 bis 2000, als sich der Nasdaq-Index mehr als verdoppelte und damit von der wirtschaftlichen Realität abkoppelte. Sie nährte die Blase am US-Häusermarkt, die 2008 platzte, und die nachfolgende Rohstoffblase. Derzeit fließt das Geld in den Luxusgütermarkt – in Dinge wie Aktien, Anleihen, Kunst, Wein, Schmuck und Luxusimmobilien. Die Kunstauktionshäuser freuen sich über Rekordumsätze. In den Hamptons, wo die Sommerresidenzen der reichen New Yorker liegen, gingen die Immobilienpreise im letzten Jahr um satte 35 Prozent nach oben. Der ehemalige Chef der Citigroup, Sandy Weill, verkaufte 2012 eine Luxuswohnung in Manhattan für stolze 88 Millionen Dollar. 2007 hatte er sie für 43,7 Millionen Dollar erworben.

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Von der Politik des leichten Geldes profitieren vorwiegend jene, die in der Nähe des Geldstroms tätig sind. Die Arbeiter in Detroit oder auch die große Mehrheit der Mittelklasse haben rein gar nichts davon. Die Woge leichten Geldes lässt lediglich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgehen. Die Mehrheit verliert, eine Minderheit profitiert. Ich habe von dieser Politik profitiert, aber als Ökonom und Beobachter mit sozialem Gewissen kann ich sie nicht gutheißen.

Wechselwirkung zwischen Leitzins und Aktienmarkt in den USA Quelle: Thomson Reuters

Aber hätten wir nicht alle verloren, wenn die Fed nach der Finanzkrise von 2008 diesem Drehbuch nicht gefolgt wäre?

Warum fangen Sie erst 2008 an? Schon in der US-Sparkassenkrise Ende der Achtzigerjahre griff die US-Regierung rettend ein. Mitte der Neunziger stemmten das US-Finanzministerium und die Fed dann gemeinsam ein riesiges Rettungspaket für Mexiko. Aber der fatalste Fehler wurde 1998 gemacht. Damals hatte sich der US-Hedgefonds Long Term Capital Management verspekuliert. Milliarden standen im Feuer, man befürchtete den Zusammenbruch des Finanzsystems, also gab die Regierung der Fed grünes Licht für die Rettungsaktion – für die Wall Street das Signal, dass man ungehemmt Schulden anhäufen kann und die Fed den Karren notfalls aus dem Dreck zieht.

Der nächste politische Kardinalfehler war die Reaktion der Fed auf den Zusammenbruch der Nasdaq im Jahr 2000. Damals hätte die US-Wirtschaft eine Rezession vermutlich verkraftet, aber die Fed wollte die Krise verhindern und drückte die Zinsen auf letztlich ein Prozent. Damit gab sie den Anstoß für die Blase am Häusermarkt. Nach deren Platzen im September 2008 senkte Fed-Chef Bernanke die kurzfristigen Zinsen fast auf null. Da sind sie heute noch. Gestiegen ist hingegen der US-Aktienmarkt, der seit dem Tief im Jahr 2009 satte 150 Prozent zugelegt hat.

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Heißt das, Sie sehen eine Blase am Aktienmarkt?

Ich will damit sagen, dass Zinssätze von nahezu null im vierten Jahr eines Bullenmarktes notgedrungen zu weiteren Fehlallokationen von Kapital führen werden. Ich hatte für den US-Markt im vergangenen Herbst eine Korrektur in der Größenordnung von rund 20 Prozent erwartet. Die ist vorläufig nicht eingetreten, aber ich sagte damals auch, dass der Markt vorher noch einmal so richtig nach oben schießen könnte. Möglicherweise sind wir jetzt in der finalen Beschleunigungsphase. Der Standard-&-Poor’s-500-Index steht knapp unter 1650 Punkten. Einen weiteren Anstieg auf 1750, vielleicht sogar auf 2000 Punkte, traue ich ihm vor dem Kollaps noch zu. Aber am Ende wird es Leute mit Vermögen unweigerlich erwischen, denn die Preise von Vermögenswerten aller Art – Aktien, Anleihen und Sammlerobjekte – sind global stark aufgebläht.

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