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Marc Faber "Junge Leute tun mir ehrlich leid"

Investorenlegende Marc Faber sieht den freien Kapitalismus am Ende und sorgt sich über die zunehmende Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Mit welchen Aktien er sich gegen die von ihm erwartete Geldentwertung stemmt.

Marc Faber im Interview mit der WirtschaftsWoche Quelle: Egill Bjarki für WirtschaftsWoche

Herr Faber, in der Ukraine herrscht Krieg, im Irak und in Syrien ist die Terrorgruppe Islamischer Staat auf dem Vormarsch. Beunruhigt Sie das als Investor?

Die wirtschaftliche Bedeutung des Nahen Ostens ist nicht besonders groß. Insofern lässt mich das als Investor eher kalt. Vielleicht geht der Ölpreis nochmals nach oben, vielleicht auch nicht. Anders sieht die Sache schon in Russland aus. Diese unsäglichen Sanktionen gegen Wladimir Putin haben einen negativen Effekt auf die Wirtschaft Europas, insbesondere die deutsche. Das wird viele Großkonzerne und damit auch ihre Aktionäre etwas kosten. Natürlich leidet darunter am allermeisten die russische Wirtschaft.

Zur Person

Sie halten nichts von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland?

Geopolitisch sind sie ein Desaster. Sie führen dazu, dass sich Russland von Europa entfernt und sich China annähert. Damit fließt mehr russisches Kapital nach Fernost.

Sind die europäischen Politiker kurzsichtig?

Ich glaube, die Politiker und viele Journalisten hassen Putin einfach, weil er einer der wenigen intelligenten Politiker ist. Die Geschichte um den Abschuss der malaysischen Maschine MH17 über der Ukraine war doch eine Farce. Das Flugzeug kann von mehreren Parteien abgeschossen worden sein. Niemand weiß genau, was da passierte, und trotzdem hat man sofort den Russen die Schuld gegeben. Und dass eine Maschine einfach über dem Indischen Ozean verschwindet, kann mir auch niemand erzählen. Da ist doch etwas faul an dieser Geschichte!

Was denn?

Ich weiß es nicht. Aber keiner in Asien hat Interesse, ein solches Flugzeug abzuschießen. Das können nur westliche Mächte gewesen sein. Manche sagen, es hätte sensibles Gerät an Bord, das nicht nach China gelangen sollte.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Das klingt, als hätten Sie nicht mehr viel Vertrauen in den Westen...

Dass die Europäische Zentralbank seit Jahren Geld druckt und dass die Regierungen viel zu viel davon ausgeben, kritisiere ich seit Langem. Die Gelddruckerei erlaubt Regierungen, den Staat zu extrem günstigen Konditionen zu vergrößern. Das ist das eigentliche Problem – die Staatsquote ist zu hoch. Die aktuelle Politik der Europäischen Zentralbank ist nicht wachstumsorientiert. Die europäische Wirtschaft ist moribund. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Europa noch mal drei oder vier Prozent wachsen soll. Es gibt viel zu viele Regularien – und die schaden vor allem den kleinen Unternehmen. Große Unternehmen jubeln.

Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt Quelle: EU-Kommission

Warum?

Weil Großkonzerne sich ein Heer von Anwälten leisten können! Deswegen haben internationale Konzerne indirekt ein Interesse an mehr Gesetzen. Dadurch zementiert sich ihre marktbeherrschende Stellung. Für kleine und mittelständische Unternehmen wird es dagegen schwieriger.

Die US-Wirtschaft konnte in letzter Zeit dagegen wieder zulegen. Können die USA nicht wieder zur Wachstumslokomotive werden?

Die demografischen Faktoren sind in den USA besser. Aber die Gesundheitsreform Obamacare ist eine Katastrophe – auch hier steigt die Staatsquote und Großkonzerne wirken in Form von Lobbyismus auf die Regierung ein. Letztlich unterscheiden sich die Probleme nur gering von denen Europas. Wir haben keinen freien Kapitalismus mehr. Heute bestimmen Großkonzerne und Politik alles.

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