Mark Mobius "Investieren ist besser als Entwicklungshilfe"

Der berühmte Fondsmanager Mark Mobius über Schwellenländer der nächsten Generation, störende staatliche Einflussnahme und Korruption als Wachstumshemmnis.

Mark Mobius, 76, fliegt 330 Tage im Jahr für seinen Arbeitgeber, den US-Fondsriesen Franklin Templeton, durch die Welt - um Fonds zu vermarkten und in Schwellenländern Investmentchancen aufzuspüren. Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Mr. Mobius, Sie reisen ins brandgefährliche Liberia, wollen auf deutschen Autobahnen aber nur mit Tempo 120 gefahren werden. Haben Sie ein anderes Risikoverständnis als Normalbürger?

Mobius: Ich fühle mich wohler, wenn ich Risiken selbst beeinflussen kann. In Afrika kennt mich niemand, da bleibe ich unauffällig, ohne Bodyguards, halte die Augen offen und beherzige Regeln, die jeder Tourist kennt.

Wo war es brenzlig, und welchen Ort würden Sie für Ihren Ruhestand wählen?

Ich mag alle Länder, in die ich reise. Auch Liberia hat wunderschöne Landschaften. In Manila wurde ich 1989 während eines Militärputsches per Hubschrauber aus dem Hotel evakuiert. Zwischenfälle dieser Art gab es aber nie wieder. Über den Ruhestand denke ich nicht nach, weil ich es nicht lange an einem Ort aushalte. Jahore in Malaysia ist eine angenehme Region. Es liegt gegenüber von Singapur, ist aber nicht so teuer und für Immobilieninvestments interessant.

Diese Volkswirtschaften geben 2050 den Ton an
Skyline Berlin schön Quelle: dpa
Eine Frau verkauft Hülsenfrüchte Quelle: REUTERS
Platz 9: Russland und der IranDank erneut hoher Ölpreise und einer stark steigenden Konsumnachfrage ist das russische BIP im Jahr 2011 laut amtlicher Statistik um 4,3 Prozent gewachsen. Für die kommenden drei Jahre sagen die HSBC-Experten Wachstumsraten in ähnlicher Größenordnung voraus. Sie gehen davon aus, dass Russland bis 2050 durchschnittlich um 3,875 Prozent wächst. Damit würde das Riesenreich in der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt von Rang 17 (2010) auf Rang 15 steigen. Ebenfalls eine durchschnittliche Wachstumsrate von 3,875 Prozent bis 2050 prophezeit die britische Großbank dem Iran. Im Jahr 2011/2012 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 480 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird von offizieller Seite mit 22,5 Prozent angegeben, tatsächlich liegt sie bei über 30 Prozent. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 11,8 Prozent. Quelle: dpa-tmn
Ginza-Viertel in Tokio Quelle: dpa
Mexikanische Flagge Quelle: dapd
Copacabana Quelle: AP
Baustelle in Jakarta Quelle: AP
New York Quelle: AP
Platz 1: Indien Quelle: dapd
Rang 1: ChinaChina hat bereits 2014 die USA als wirtschaftsstärkste Nation der Welt abgelöst. Bis 2050 wird sich der Abstand noch vergrößern. Ganze 61,079 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität wird China bis dahin erwirtschaften und damit rund 50 Prozent mehr als die USA. China wird seine Produktivität weiter ausbauen können und von seiner riesigen Bevölkerung profitieren. Allerdings könnten die Konflikte im Mittleren Osten und die Spannungen mit Japan die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten durchaus einschränken. Sollten diese Konflikte gelöst werden, gehen die Forscher davon aus, dass Chinas Wirtschaftsleistung bis 2050 jährlich um 3,4 Prozent zulegt. Quelle: dpa

Welche Märkte sind aussichtsreich?

In Nigeria wachsen einige Unternehmen profitabel. Auch Kenia und Ghana sind vielversprechende Schwellenländer der nächsten Generation, ebenso Vietnam, Bangladesh und Sri Lanka. Wir finden gute Unternehmen für unsere Investments aber nahezu überall, auch in Osteuropa und Lateinamerika.

Dort wächst der Staatseinfluss. Belastet die Politik die Aktienkurse?

Verstaatlichungen gibt es in Venezuela, dort investieren wir nicht. In Brasilien will die Regierung die Inflation niedrig halten und senkt die Strompreise. Die Aktie des Versorgers Elektrobras hatte deshalb stark verloren. Argentinien hat die Tochter der spanischen Repsol teilverstaatlicht. Natürlich hemmt politische Einflussnahme das Wachstum.

Am meisten dürfte Korruption bremsen.

Nehmen Sie Nigeria, dessen Ölgeschäft durch und durch davon geprägt ist. Nigeria ist Rohölexporteur, aber Importeur von Erdölprodukten. Die Regierung fixiert einen niedrigen Preis für Öl, es wird aufgekauft und über die Grenze gebracht, wo die Preise höher sind, und dort verarbeitet. Die korrupte Regierungselite profitiert und wird daran nichts ändern, aber niemand baut eine Raffinerie in Nigeria.

Braucht Nigeria mehr Demokratie?

Das ist nicht unbedingt hilfreich, weil die Korruption dann steigen kann. Politiker wollen populär sein, deshalb geben sie der Bevölkerung, was sie will, und das möglichst billig. Demokratie ist gut, wenn die Führung dem Volk dient, aber die Versuchung ist groß, dass sie sich dafür bezahlen lässt.

Welche Rolle spielen Investoren?

In Arbeit
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Wenn sich Kapitalmärkte entwickeln, ist das besser als Entwicklungshilfe, die nur auf Geldtransfers von einem Schweizer Bankkonto auf das andere beruhen kann. Ein funktionierender Kapitalmarkt ist die echte Revolution, weil nicht mehr ein Diktator die Gelder verteilt, sondern Marktkräfte Ressourcen steuern. Wir Investoren wollen nicht nur Kursgewinne, sondern legen auch Wert auf ein verantwortungsvolles Management, mehr Bewusstsein für den Umweltschutz, Transparenz und sozialen Fortschritt. Das kommt den Investments auf längere Sicht zugute.

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