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Marseille Kliniken Der Börsenabgang wäre für Aktionäre eine Katastrophe

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Schritt 3: Weg von der Börse

Am Freitag vor Pfingsten verkündet Wopen, dass die Marseille Kliniken von der Börse genommen wird. Anteilseigner warfen ihre Aktien aus Sorge, sie künftig nur schwer verkaufen zu können, auf den Markt. Der Kurs fällt unter 2,40 Euro. Für Wopen offenbar nicht weiter dramatisch. „Wenn wir den Verlauf der Aktie in den vergangenen Jahren betrachten, so unterliegen wir einer normalen Entwicklung mit Höhen und Tiefen“, schreibt er. Der Wert der Aktie habe auch schon mal bei 1,50 Euro gelegen. Und Schuld hat er an der Entwicklung sowieso nicht. Es spräche vieles dafür, dass der Kurs auch durch Presseberichte negativ beeinflusst wurde, schreibt Wopen.

„Die Delisting-Aktion dient einzig und allein Ulrich Marseille“, hält ein Anteilseigner dagegen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche prüft eine Gruppe von Aktionären, ob sie Vorstand oder Aufsichtsrat für die Nachteile, die ihr hierdurch entstehen, zur Verantwortung ziehen kann. Die Marseille Kliniken AG wollte dies nicht kommentieren.

Einen konkreten Schaden geltend zu machen dürfte für die Aktionäre schwierig werden, vor allem, seit der Bundesgerichtshof das Delisting ohne Entschädigung abgesegnet hat. „Der Vorstand darf zwar einem einzelnen Aktionär keinen Gefallen tun“, sagt Aktienrechtler Stephanblome. „Doch allein zu erwartende Kursverluste verbieten das Delisting nicht, wenn es insgesamt im Interesse der Gesellschaft liegt.“ Wo das Interesse der Marseille Kliniken an einem Delisting liegt, geht aus deren wirrer Ankündigung, in der vor allem über politische Fehler bei der Pflegereform fabuliert wird, nicht hervor.

Schritt 4: Verkauf der Heime

Im Umfeld von Ulrich Marseille heißt es, dass dieser schon vor einem Jahr den Plan geäußert habe, durch den Verkauf von Altenheimen Kasse zu machen. Ein ehemaliger Mitarbeiter bestätigt dies. Marseille gab hierzu keine Stellungnahme ab. Wopen bezeichnet die Gerüchte über Verkaufspläne als „haltlos“.

Ein Verkauf könnte lukrativ sein. Andere Heimbetreiber halten die Altenpflege für lohnend und blicken, wie etwa der Vorstand der Curanum AG, „mit Zuversicht auf das kommende Geschäftsjahr“. Laut Branchenkennern dürfte der Preis beim Sechs- bis Siebenfachen des Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) liegen. Sämtliche Heime könnten bis zu 88 Millionen Euro einspielen, mehr als doppelt so viel wie die 34 Millionen, mit denen die Börse die Marseille Kliniken aktuell bewertet.

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Unabhängig von einem Verkauf ist der Substanzwert des Unternehmens doppelt so hoch wie der Börsenwert. Das Eigenkapital beträgt 44 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Besonderheit: Wenn die Marseille Kliniken für den Bau eines Pflegeheims Zuschüsse bekommt, parkt sie das Geld zunächst. Ende 2013 lagen 38 Millionen Euro auf dem Konto. Die werden nun häppchenweise als Einnahmen verbucht – sichere Erträge. Selbst Wopen räumt ein, dass der aktuelle Kurs den inneren Wert des Unternehmens nicht widerspiegelt.

Anleger, die damit leben können, ihre Aktien eine Zeit lang nicht versilbern zu können, sollten deshalb Ulrich Marseille nicht auf den Leim gehen, indem sie unter Wert verkaufen.

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