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Max Otte "Ich bin kein Börsenpromi, sondern Fondsmanager"

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Digitalisierungs-Vorreiter und Frankiermaschinen im Depot

Als Begründung für die schlechte Entwicklung Ihrer Fonds haben Sie gesagt, die Entwicklung von Konsensprozessen für die Anlageentscheidungen der Fonds sei gescheitert. Entscheiden Sie jetzt ganz allein?

Ich habe zwei Top-Analysten mit denen ich mich berate. Aber die letzte Verantwortung für die Anlageentscheidung trage ich.

Können Sie denn mit Ihrer Aufstellung, Ihren Anlageentscheidungen und der Fondsentwicklung seit Jahresbeginn zufrieden sein?

Einigermaßen. Das kann man verbessern, aber zumindest lagen wir im vergangenen Quartal wieder über der Entwicklung des MSCI, nachdem die Börse in den ersten Monaten des Jahres einen historisch besonders schlechten Start hatte. Die Umstellung zahlt sich also langsam aus. Insofern ärgere ich mich über die Häme.

Das sind die wichtigsten Akteure auf dem Börsenparkett
Fondsmanager Quelle: Getty Images
Der Daytrader Quelle: Getty Images
Der Händler Quelle: dpa
Der Spezialist Quelle: dpa
Der Analyst Quelle: dpa
Der Hobby-Börsianer Quelle: Getty Images
Quelle Quelle: Getty Images

Worauf setzen Sie denn Ihre Hoffnungen?

Ich habe keine Hoffnungen, sondern Rendite-Risiko-Profile. Ich kaufe gerne Qualitätstitel aus der zweiten Reihe. Wir haben zum Beispiel Aktien von United Internet gekauft, nachdem die um ein Drittel gefallen waren - ein gutes Unternehmen mit einem Top-Management. Solche inhabergeführten Mittelständler haben wir gerne. Dann haben wir Alphabet ziemlich hoch gewichtet. Die sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 20 nicht billig, wachsen aber auch mit 20 Prozent. Technologieaktien halten wir generell für interessant und weitgehend wertstabil. Es gibt Beimischungen im eher zyklischen Bereich, etwa Neopost in Frankreich. Die machen Postfrankiermaschinen und Bürosysteme. Der Markt ist unsexy und wächst auch nicht, aber die Aktien sind sehr günstig und bieten sieben Prozent Dividendenrendite. Also sehr langweilig, aber auch sehr billig und vom Markt unterschätzt. So etwas kaufen wir Value-Investoren dann schon mal.

Über Goldminenaktien haben wir schon im vorigen Jahr gesprochen, als die noch richtig billig waren und Sie in einige investiert waren. Nun werfen Ihnen Kritiker vor, Ihr Timing sei nicht gut gewesen. Sie hätten verkauft, kurz bevor die Aktien durch die Decke gingen.

Richtig. Dafür muss ich Verantwortung übernehmen, ganz gleich, welche Gründe dahinter stehen. Ich mache das Geschäft seit achteinhalb Jahren. Davon habe ich in sechs Jahren outperformt. Trotzdem war der frühe Verkauf schlichtweg falsch. Deshalb von einem Absturz meiner Fonds zu sprechen, halte ich aber für billigen Sensationalismus, der einem Qualitätsmedium nicht würdig ist. Dass ich in den vergangenen beiden Jahren eher etwas glücklos agiert habe, wie nun auch geschrieben wurde, beschreibt es viel passender. Diese Kritik muss ich aushalten. Und ich werde sie aushalten und auch noch in 20 Jahren für meine Anleger da sein.

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