Max Otte „Wie die DDR im Endstadium“

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"Gold sollte man aufstocken"

Was lief denn besonders gut?

Ich habe mich wieder auf meinen Anlagestil konzentriert und das trägt inzwischen Früchte. Wir haben sehr gute Sachen gemacht, zum Beispiel Aktien von Lufthansa oder K+S gekauft. Anfang Oktober haben wir Lufthansa um zehn Euro gekauft, weil sie für mich deutlich unterbewertet waren. Die Aktie ist sicher kein Qualitätstitel nach Warren Buffett. Buffett hat auch immer vor Airline-Aktien als potenziellen Kapitalvernichtern gewarnt. Wir haben Lufthansa dennoch gekauft und auch Kritik dafür geerntet. Und dann stieg die Aktie - und Warren Buffett kauft gut einen Monat später auch Aktien aller großen vier US-Airlines. Das hat gut getan und war eine schöne Bestätigung. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, dass Sie sich Ihre eigenen Gedanken machen - egal was irgendjemand sagt, und sei es Warren Buffett. Das sollten alle Anleger beherzigen. 

Welche Papiere empfehlen Sie Privatanlegern mit Blick auf die Aktienmärkte, welche sollten sie meiden?

Unter die Räder sollte eigentlich wenig kommen, es gibt ja kaum Übertreibungen. Mit einem breiten Portfolio sollten Anleger ganz gut fahren. Die ganzen Risiken, die in der Weltwirtschaft lauern, werden das Geschäft der Nestlés, Coca Colas, Procter & Gambles oder Microsofts dieser Welt nicht groß ändern. Mit Qualitätstiteln können Sie also immer noch ein gutes Fundament bauen. 

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Und was bringt die Würze ins Depot?

Langfristig sollte sich ein Korb aus den großen Tech-Werten, wie Apple, Alphabet, Microsoft, Facebook und Amazon sehr gut entwickeln. Zykliker wie Industrie- und Ölwerte, sowie auch Goldminenaktien können als Beimischung betrachtet werden. Hier ist aber der Ein- und Ausstieg schwierig. Zudem sind sie sehr volatil und für Laien - und leider auch für Profis - gelegentlich eine Zitterpartie. Da müssen Sie schon ein gewisses Grundvertrauen haben. Wir haben zum Beispiel auch einige europäische Banken im Depot, aber jeweils nur mit einem Gewicht von einem Prozent. Die Gesamtposition beträgt vier Prozent. 

Also trotz „America First“-Präsidentschaft, den guten Wahlchancen für Rechtspopulisten in Frankreich und den Niederlanden, Schuldenkrise, Flüchtlingswelle und Kriegen in der Welt keine Anpassung der Anlagestrategie? 

Im Prinzip ist es mit leichten Nuancierungen seit Jahren dasselbe. Wir befinden uns schon in einer finalen Phase. Das ist so eine Art Endspiel um die Verteilung der Vermögenswerte, das war schon in unserem Gespräch vor einem Jahr das Thema. Man sieht die Stresssymptome im System, die verzweifelten Versuche, das Schiff auf Kurs zu halten. Die Welt ist wahnsinnig in Bewegung, und wir wissen nicht, was da rauskommt – etwa ob die kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmen, ob es eine weitere Renationalisierung gibt. Egal was da kommt, es hat gar nicht so viel Einfluss auf meine Strategie. Ich habe meine Real Assets, diversifiziere, und gehe raus aus den Financial Assets für den Fall, dass es zum großen Schuldenerlass kommen sollte.

 

Vor dem Hintergrund gibt es viele gute Gründe, Gold zu kaufen. Warum machen das so wenige, der Goldpreis ist ja gefallen?

Gold sollte man aufstocken. Gold und Silber sind für mich Sicherheitsanker. Nicht unbegrenzt, ich bin kein Goldfanatiker. Es können auch immer die Besitzbestimmungen für Gold verschärft werden. In Indien werden jetzt schon die Finanzbeamten herumgeschickt, um Gold zu konfiszieren. Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber als Anlageklasse ist Gold attraktiv, unabhängig davon, in welche Richtung der Goldpreis läuft. Deshalb habe ich nachgekauft.

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