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MDax, SDax & Co. Dividendenperlen aus der zweiten Reihe

Dax-Aktionäre freuen sich in der laufenden Dividenden-Saison über Ausschüttungen in Rekordhöhe. Doch viele kleine und mittlere Aktien aus MDax und SDax sind deutlich besser – in mehrerlei Hinsicht.

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Ein Börsenhändler in Frankfurt Quelle: dapd

Nachdem der Dax im August vorigen Jahres beinahe sein Allzeit-Hoch erreicht hatte, fraß die anschließende Kurskorrektur die Kursgewinne schnell wieder auf. Seitdem bewegt sich der wichtigste deutsche Aktienindex unter starken Schwankungen seitwärts. Enttäuschten Aktionären bietet die Dividende Trost: 27,8 Milliarden Euro schütten die Dax-Unternehmen in diesem Jahr aus. Das ist fast soviel wie im Rekordjahr 2008 und 5,1 Prozent mehr als 2011, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit der FOM Hochschule errechnet hat.

Angesichts des Ausschüttungsvolumens sind mehr als fünf Prozent Steigerung sicher beachtlich. Aber im Vergleich zu MDax- und SDax-Aktien sind das kleine Schritte: Im MDax stieg die Dividendensumme von knapp 2,9 Milliarden Euro auf mehr als 3,5 Milliarden Euro – ein Plus von 23,6 Prozent. Noch rasanter nahmen die Ausschüttungen im SDax zu: von 567 auf 827 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von 45,7 Prozent.

Jenseits des Blue-Chip-Index Dax finden sich echte Dividendenperlen. Gemessen an den hohen Ausschüttungen und gepaart mit guter Kursentwicklung sind die Aktien aus der zweiten Reihe erste Wahl. Götz Albert, Partner und leitender Portfoliomanager beim Investmentfondsanbieter Lupus Alpha, betrachtet das als teilweise systembedingt: „Viele der Unternehmen besetzen lukrative Nischenmärkte, in denen die Wachstumschancen jedoch begrenzt sind oder deren Wachstum keinen großen Kapitaleinsatz fordert. Somit bleibt ein großer Teil des Gewinns für Ausschüttungen.“

Chartgalerie Dividenperlen

Zwar fließen seitens der Dax-Konzerne deutlich höhere Summen an die Aktionäre, bei MDax und SDax ist die Dividendenentwicklung jedoch überproportional gut. Das sollte eigentlich mehr Anleger in Aktien aus diesen Indizes locken. Selbst im Dax stammt ein Drittel der langfristigen Performance für Anleger aus den Dividendenzahlungen. Da sich die Dividenden in den Indizes MDax und SDax dynamischer entwickeln, muss der Effekt auf die Anlageperformance entsprechend größer sein.

Dass der Fokus in der Regel auf den schwergewichtigen Dax-Aktien ruht, wird den kleinen und mittleren Werte nicht gerecht. Zumal im MDax durchaus auch Schwergewichte notieren, wie etwa der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der Axel Springer Verlag, der Rückversicherer Hannover Rück oder der Bekleidungshersteller Hugo Boss. „Viele Investoren müssen zwangsweise in Large Caps, also die schwergewichtigen Aktien wie im Dax, investieren“, sagt Fondsmanager Albert. „Small und Mid Caps, also etwa die Aktien aus MDax und SDax, müssen die Investoren erst einmal für sich gewinnen. Das versuchen sie auch über hohe und vor allem regelmäßige Dividendenzahlungen.“

Qualitätsmerkmal Dividendenkontinuität

Hemden des Modeherstellers Gerry Weber Quelle: dpa

Wenn es um die Kontinuität der Dividendenausschüttungen geht, hängen MDax- und SDax-Unternehmen das Premium-Segment der Frankfurter Börse ab. Das ergab auch die Untersuchung der FOM Hochschule von 582 an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen. Danach gibt es unter diesen Unternehmen gerade mal 14 Aktiengesellschaften, die ihre Dividende in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr erhöht haben, gerade mal zwei Dax-Unternehmen, namentlich Fresenius SE und das Schwesterunternehmen Fresenius Medical Care. Aus dem MDax sind hingegen die Musterschüler Bilfinger Berger, Fielmann, Fuchs Petrolub (Vorzüge) und Gerry Weber dabei; aus dem SDax tun sich zudem Amadeus Fire, Delticom und Schaltbau hervor. Von den 48 Unternehmen, die laut Studie in den fünf Jahren seit 2008 ihre Dividende zumindest nie gesenkt haben, stammen zehn aus dem Dax, zehn aus dem MDax und neun aus dem SDax. Auch das hat seine Gründe in der Unternehmensstrukur. „Bei den kleinen und mittleren Werten genießt die Dividendenzahlung meist einen hohen Stellenwert“, so Albert. „Das liegt zum einen am Eigeninteresse der Mehrheitseigner, die oftmals aus Gründerfamilien und Management bestehen und regelmäßige Ausschüttungen wünschen.“ Die Fähigkeit, kontinuierlich Dividenden zu zahlen, ist zudem ein enorm wichtiges Qualitätsmerkmal für Privat- wie Profiinvestoren. Schließlich haben viele dieser Unternehmen – den drei Krisen während der vergangenen zehn Jahre zum Trotz – immer ihre Dividende gezahlt.

Börse



Vieles spricht also für Aktieninvestments in SDax und MDax. Kritiker werden einwenden, dass die kleineren Werte riskanter sind, da in der Regel die Handelsumsätze geringer und die Kursschwankungen damit höher sind. Aber diese alte Börsenweisheit stimmt längst nicht mehr. „Alle denken, das Risiko von MDax- oder SDax-Aktien sei höher als bei Dax-Werten. Aber das ist nicht so“, sagt Lupus-Alpha-Manager Albert. Gemessen an den Kursschwankungen der Indizes der vergangenen zehn Jahre waren die Kurse in MDax und SDax ingesamt stabiler als im Premium-Segment – das Risiko ist somit geringer. „Das liegt zum großen Teil daran, dass es für kleine und mittelgroße Aktien keinen liquiden Derivatemarkt gibt. Die heute übliche Absicherung der Positionen über Derivate sorgt im Dax hingegen für zunehmende Kursschwankungen.“ So betrachtet, ist das Fehlen eines funktionierenden Marktes bei den Nebenwerten ausnahmsweise mal ein Vorteil für Privatanleger.

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