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Mega-Anleihe Amazon leiht sich 16 Milliarden Dollar

Es geht Schlag auf Schlag. Nach AT & T und BAT hat der Online-Händler Amazon die dritte Riesen-Anleihe innerhalb von drei Wochen begeben. Und wieder greifen Anleger zu, da dieser Bond als besonders attraktiv gilt.

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Für 13,7 Milliarden Dollar will Amazon die Bio-Supermarktkette Whole Foods übernehmen. Finanziert ist der Deal bereits. Quelle: Imago

Frankfurt Jeff Bezos hat große Ziele. Im Juni hat der Chef von Amazon angekündigt die Bio-Supermarktkette Whole Foods zu übernehmen. Damit will er die Spielregeln im Lebensmitteleinzelhandel neu formulieren. Die Innovationskraft des Online-Riesen soll durch die Vertriebsstärke von Whole Foods mit seinen 460 Geschäften in den USA verstärkt werden. Dafür bietet Bezos 13,7 Milliarden Dollar. Der Deal ist zwar noch nicht abgeschlossen – die Refinanzierung aber schon. 16 Milliarden Dollar hat Amazon am späten Dienstag am Anleihemarkt eingesammelt.

Damit liegt Amazon am Anleihemarkt voll im Trend der Mega-Anleihen, der sich in den vergangenen Wochen verstärkt hat. Investoren mögen die Dollar-Anleihen von US-Unternehmen, weil diese deutlich mehr Rendite bringen als Firmenbonds in Euro. Das liegt am niedrigeren Zinsniveau im Euro-Raum und daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auch Unternehmensanleihen in Euro kauft. Damit macht sie hierzulande den Investoren als Nachfrager Konkurrenz. US-Unternehmen nutzen die Gunst der Stunde, um sich mit Geld vollzusaugen.

Die Anleihe von Amazon ist die viertgrößte in diesem Jahr. Im Januar hatte sich Microsoft 17 Milliarden Dollar geliehen. Ende Juli kam der Telekomriese AT&T mit einem Bond über 22,5 Milliarden Dollar, am 9. August sammelte der Tabakkonzern BAT 17,25 Milliarden Dollar ein.

Dabei halten Analysten die Anleihe von Amazon für besonders attraktiv. Der weltgrößte Online-Händler teilte seinen Bond auf sieben verschiedene Laufzeiten auf. Bei der Platzierung lagen die Kurse etwas unter dem Rückzahlungskurs von 100 Prozent, so dass die Renditen noch etwas höher als die Zinsscheine sind. Die Rendite der in drei Jahren und damit am kürzesten laufenden Amazon-Anleihe lag bei 1,9 Prozent, die der zehnjährigen Tranche bei 3,2 und die der 40jährigen bei 4,3 Prozent.

Die zum Beispiel zehnjährigen Tranchen aus den Mega-Bonds von AT&T und BAT rentieren aktuell zwar mit knapp vier und 3,5 Prozent höher als die vergleichbare Anleihe von Amazon. Dafür ist die Bonität des Onlinegiganten etwas besser. Die Ratingagentur Moody’s zum Beispiel bewertet Amazon mit der Bonitätsnote „Baa1“. Das entspricht einer ordentlichen Kreditwürdigkeit und ist das achtbeste Rating auf der Bewertungsskala von Moody’s.


Positive Aussichten für das Rating

AT&T hat zwar dasselbe Rating von Moody’s wie Amazon, aber Moody’s prüft – wie auch die anderen beiden Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch – eine Herabsetzung des Ratings. Grund dafür ist, dass AT&T den Medienkonzern Time Warner übernahmen will. Der Tabakkonzern BAT hat mit „Baa2“ eine um eine Stufe schlechteres Rating als Amazon. Hier haben die Ratingagenturen die Bonitätsnoten bereits heruntergesetzt, weil BAT den Konkurrenten Reynolds Tobacco kauft.

Amazons geplanter Kauf von Whole Foods gefährdet das Rating dagegen nicht. Im Gegenteil: Moody’s hat den Ausblick für das Rating nach der angekündigten Übernahme auf positiv heraufgesetzt, eine Heraufstufung ist somit wahrscheinlicher als eine Herabstufung. Analyst Charlie O’Shea begründet das damit, dass Amazon seine Präsenz abseits des Online-Marktes verstärkt, wovon der Konzern profitieren sollte.

Ob die Anleihe aber auch für hiesige Privatanleger geeignet, lässt sich bezweifeln. Privatanleger halten Anleihen meist bis zur Fälligkeit und gut drei Prozent Rendite sind für zum Beispiel eine Sicht von zehn Jahren historisch gesehen nicht viel. So ist die US-Notenbank mitten in ihrem Zinserhöhungszyklus. Steigende Leitzinsen wirken sich in der Regel auch auf die Kapitalmarktzinsen, sprich die Anleiherenditen aus. Dazu kommt, dass die tatsächliche Rendite für Euro-Anleger schwer zu kalkulieren ist. Wenn der Dollar zum Euro steigt, zehren die Wechselkursveränderungen an der Rendite.

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