WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Metall Metallproduktion vor der Schmelze

Spekulanten haben den Preisanstieg bei Metallen angefacht, bei Kupfer & Co. ruhen bange Blicke auf Chinas Nachfrage. Warum Industriemetalle und Bergbauaktien noch zu riskant sind.

Aktienzahlen führender Bergabukonzerne Quelle: Bloomberg

Aktuell laufen Rohstoffe parallel mit Aktien. Ein Prozent Anstieg beim US-Aktienindex S&P 500 wird von 0,7 Prozent Anstieg des CRB-Rohstoffindex begleitet – und umgekehrt. Zwischen 1999 und 2008 lag der Wert nie über 0,3. Zeitweise fielen Rohstoffe, wenn Aktien stiegen. Heute werden auch Rohstoffe von der globalen Liquidität getrieben. So läuft der CRB-Rohstoffindex seit 2009 nahezu deckungsgleich mit der aggregierten Geldmenge M2 der USA, der Euro-Zone, Japans und Chinas.

Hinzu kommt, dass Investoren Rohstoffe als Absicherung gegen einen schwachen Dollar einsetzen. Dollar-Schwäche signalisiert Liquiditätszufuhr ins internationale Finanzsystem, ein starker Dollar Liquiditätsentzug. Steigende Liquidität sorgt für steigende Rohstoffpreise, diese aber schüren Inflationsängste, welche Anleger noch weiter in Rohstoffe treibt, weil man sich dort gegen Inflation absichern will. Der Trend dreht, wenn dem Finanzsystem Liquiditätsentzug droht – wie derzeit mit dem bevorstehenden Ende der US-Staatsanleihekäufe (QE2), der Zinserhöhung der EZB und der forcierten Bremspolitik in China. Gerade für Kupfer, Nickel, Aluminium und Zink ist Chinas Nachfrage die entscheidende Stellgröße.

Giganten bevorzugen

„Chinesen sind gute Spekulanten“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Als nach 2008 die Preise ins Bodenlose fielen, deckte China sich zu Tiefstpreisen mit Industriemetallen ein. China ist zugleich aber auch der größte Metallproduzent und kann durch Verkauf von Reserven Preise bremsen. Aktuell will die Regierung vor allem die Inflation bekämpfen, Peking versucht, den Boom zu drosseln. Ausgerechnet in diesem unübersichtlichen Spannungsfeld mit Bergbauaktien oder Zertifikaten auf Industriemetalle durch den Sommer zu gehen ist riskant.

Die Zurückhaltung wäre erst zu überdenken, wenn absehbar wird, dass die US-Notenbank die dritte quantitative Lockerungsrunde vorbereitet oder chinesische Rohstoffhändler wieder auf Einkaufstour gehen. Bis das passiert, könnte es mit den Metallpreisen und den Kursen der Minenaktien durchaus eine Etage tiefer gehen. Erst danach dürfte der Einstieg in große, breit diversifizierte Minenwerte wie Rio Tinto, Xstrata oder BHP Billiton wieder lohnen. Warum die Großen? „Rohstoffunternehmen müssen ständig Ressourcen erneuern, neue Vorkommen erschließen und erkunden – ein sehr kapitalintensives Geschäft“, sagt Alfred Roelli, Anlagestratege von Pictet. Die Giganten haben die tieferen Taschen, die besseren Geologen und das solidere Management.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%