Michael Mewes "Die Zinsen werden noch jahrelang niedrig bleiben"

Sind die Verwerfungen an den Zinsmärkten schon Vorboten der Zinswende? Definitiv nicht, meint Anleihenexperte Michael Mewes.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

WirtschaftsWoche: Herr Mewes, wir haben im Sommer heftige Verwerfungen an den Zinsmärkten erlebt, die Bundrendite stieg kräftig von 0,05 auf ein Prozent. Sind die Ausschläge schon die Vorboten einer großen Zinswende?

Michael Mewes: In Europa? Definitiv nein! Wir sehen zwar Ausschläge, aber das liegt daran, dass viele Spekulanten und keine langfristig orientierten Anleger auf diesen Niveaus im Markt sind. Zu den aktuellen Kursen kauft ja keine Versicherung eine Staatsanleihe. Der einzige echte Käufer ist die EZB. Weil die Spekulanten auf immer weiter fallende Zinsen gesetzt hatten und dann von der steigenden Inflation und besseren Wachstumsaussichten überrascht wurden, sehen wir diese heftigen Bewegungen. Aber die Zinsen werden hier noch jahrelang niedrig bleiben. Anders sieht das in den USA aus: Wir rechnen mit einer aggressiven Fed, die die Zinsen im September und Dezember um je ein Viertel-Prozent anheben und dann 2016 weitere Zinsschritte folgen lassen wird.

Zur Person

Was bedeutet das für den Wechselkurs Euro/ Dollar?

Die USA wachsen schneller als Europa, es wird in Zukunft auch ein größeres Zinsgefälle geben. Das lockt Gelder aus dem Ausland an, ergo wird der Dollar weiter aufwerten. Wir sehen den Euro noch in diesem Jahr bei Parität zum Dollar und nächstes Jahr nochmal ein Stück darunter.

Für europäische Anleger, die Dollar-Anleihen halten, ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Steigende Zinsen sorgen für eine Aufwertung des Dollar und damit für Währungsgewinne. Auf der anderen Seite ließe ein steigendes Zinsumfeld die Kurse der gekauften Anleihe bröckeln.

Richtig, aber es gibt Risikopuffer. Angenommen, Sie haben eine Unternehmensanleihe mit langer Laufzeit und 4,5 Prozent Rendite, die es in den USA ja durchaus noch gibt. Die wird möglicherweise nicht so stark reagieren, wenn die Zinsen auf US-Staatsanleihen im Zuge einer Leitzins-Erhöhung von 2,5 auf drei Prozent steigen. Einen solchen Risikopuffer haben Sie natürlich bei einer Apple-Anleihe nicht, weil die eine zu gute Bonität hat. Deswegen kaufen wir eher Hochzinsanleihen, die ein schlechteres Rating als BBB- haben.

Michael Mewes, Leiter des Anleiheteams bei JP Morgan, referiert über Chancen durch die Internationalisierung der Zinsanlagen.

Die Anleihen haben aber natürlich einiges Mehr an Risiko...

Klar, aber der Hochzinsmarkt hat sich gewandelt in den letzten Jahren. Im Winter 2008/2009 steckten viele Unternehmen in einer Finanzierungsklemme, weil kein Mensch mehr irgendwem Geld leihen wollte. Damals musste selbst ein „A“-Emittent Daimler acht Prozent Kupon bieten, um zweijährige Anleihen zu platzieren. Das ist natürlich kaum noch vorstellbar aus heutiger Sicht. Inzwischen können Unternehmen sich viel länger und günstiger refinanzieren, als das früher möglich gewesen war. Das Risiko in dem Markt ist ja im Wesentlichen, dass die Unternehmen die alten Kredite und Anleihen nicht durch neue ablösen können.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%