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Mister Dausend Bernd Förtsch - Investor mit mysteriösem Geldkreislauf

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Erstaunlicher Gleichklang

Mitte 2012 hatte der Fonds 68 Prozent seiner knapp 21 Millionen Euro in Flatex-Aktien gesteckt – und auch ansonsten denselben Geschmack wie Förtsch. So griffen Pearlfisher-Fonds nicht nur bei diversen Angermayer-Aktien zu, sondern kauften sich auch bei Solarhybrid, Magforce, Nanostart, ITN Nanovation und JK Wohnbau ein. So viel Gleichklang ist erstaunlich. Ob Förtsch Anteile an dem Fonds hält, wollte er der WirtschaftsWoche nicht sagen.

Die Perlenfischer erhielten auch kürzlich wieder eine milde Gabe von Förtschs Online-Broker Flatex. Der bot seinen Aktionären im Sommer 2012 an, eigene Aktien zurückzukaufen, für 6,25 Euro je Stück. Just im zweiten Halbjahr 2012 erleichterte sich ein Pearlfisher-Fonds dann um 40 Prozent seiner Flatex-Aktien, rund 904.000 Stück. Ob er davon bei Flatex etwas ablud, ist nicht bekannt. Der Fondsverwalter, die Internationale Fonds Service AG, will sich hierzu nicht äußern und verweist auf den seinerzeitigen Fondsmanager, die Johannes Führ Vermögensverwaltungs AG. Die wiederum verweist auf die Führ Capital AG, die auch nichts sagen will. Flatex schweigt ebenfalls.

Falls der Fonds zum Zuge kam, ist er seine Aktien vorteilhaft losgeworden. Mittlerweile liegt der Flatex-Kurs bei 4,30 Euro.

Ganz offiziell, wenn auch noch unbemerkt von der Öffentlichkeit, will Förtsch nun ins richtige Bank-Business einsteigen. Ende vergangenen Jahres hatte Flatex schon die Koch Bank gekauft. Deren Kunden stammen teils aus Förtschs Reich: Koch betreut die Unternehmen Altira, Heliad und Magforce an der Börse.

Guru wird Banker

Doch bei Dienstleistungen soll es nicht bleiben. Ein Unternehmen der Flatex Holding will künftig Einlagen von Kunden verwalten dürfen. Die dafür nötige Lizenz hat das Flatex-Unternehmen nach Informationen der WirtschaftsWoche bei der Finanzaufsicht BaFin beantragt. Weder Flatex noch die BaFin wollen dies kommentieren.

Die Behörde muss prüfen, ob die Vorstände geeignet sind, eine Bank zu leiten, oder auch, wie die wesentlichen Eigner ihr Geld verdient haben. Die liechtensteinische LGT Bank etwa schaffte die Prüfung nicht. Scheitern dürfte eine Lizenzvergabe, wenn ein wichtiger Anteilseigner wegen Wirtschaftsdelikten wie etwa Marktmanipulation vorbestraft ist. Ein Ermittlungsverfahren wie das gegen Förtsch ist kein Problem. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ebenfalls zum Stolperstein werden könnte es, wenn Flatex mit einer eigenen Bank gegen den Kooperationsvertrag mit ihrem bisherigen Bankpartner – der in Willich bei Düsseldorf sitzenden biw – verstoßen und die Bank klagen würde. Diese „Spekulation“ weist Flatex „ausdrücklich“ von sich. Flatex habe sich stets vertragstreu verhalten „und wird dies auch zukünftig tun“.

„Das Risiko, dass Förtsch mit seinem Projekt auf die Nase fällt, ist enorm“, sagt ein Weggefährte. Die Lizenz eröffnet aber auch neue Geschäfte: Das Geld der Kunden, das die Flatex dann verwalten dürfte, kann, wie bei jeder Bank, investiert werden. So gäbe es neues Potenzial, um Kapitalerhöhungen zu zeichnen oder Kredite an Förtsch-Gesellschaften auszureichen.

Nur stellt sich dann nicht mehr die Frage, ob ein Flatex-Vorstand das mitmacht. Bei einem Einlagenkreditinstitut schauen auch die BaFin und der Prüfungsverband deutscher Banken auf die Geschäfte.

Sollte die BaFin Förtsch tatsächlich die Lizenz geben, wäre das Prinzip: „Eine Hand wäscht die andere, und beide Hände gehören mir“ deutlich schwieriger durchzuziehen. Aber Förtsch hätte dann den Aufstieg endgültig geschafft: Vom Neuen Markt in die Beletage der Wirtschaft.

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