Mobilfunkaktie Was Nokia Apple voraus hat

Jeder will Apple- Aktien, niemand Nokia. Warum das mal anders war, was die Finnen versäumt haben und was Anleger tun sollten.

Smartphone von Nokia Quelle: REUTERS

Hätte der Kurs von Nokia in den vergangenen zwölf Jahren so stark zugelegt, wie derjenige von Apple, würde die Aktie des finnischen Handyherstellers bei 1100 Euro notieren. Doch liegt der Kurs derzeit bei nicht einmal drei Euro.

Dabei ähneln sich die Geschichten der beiden. Ihre Historien sind nur zeitlich verschoben – Gleiches gilt für die Entwicklung ihrer Börsenkurse. Daraus lassen sich für Anleger einige wichtige Ansätze für Investitionen ziehen.

In nur wenigen Branchen, der Bekleidungsmode etwa, ist der Markt so kurzatmig, der Verbraucher so sprunghaft, wie in der Konsumtechnik. Wollte eben noch jeder ein Klapphandy haben, ist es morgen schon out. Hatte vorgestern noch jeder Abteilungsleiter einen Palm als Statussymbol, war es gestern der Blackberry, buhlt er heute um ein iPhone. Diese Zyklen vorauszusehen ist die Aufgabe der Unternehmenschefs; Anleger setzen bei Investitionen in Konsumtechnik vor allem auf das gute Näschen des Managements. Dies ist riskant, weil die Unternehmen von nur einem oder ein paar Produkten abhängig sind, die bei Nichtgefallen kaum noch gekauft werden. In anderen Branchen wie etwa der Automobilbranche ist das anders. Selbst Flops wie zum Beispiel die drittletzte E-Klasse von Mercedes lassen deren Absatz nicht ins Bodenlose fallen; Daimler wankt deswegen nicht.

Die zehn Erfolgsgeheimnisse des IT-Konzerns
Wie macht Apple das nur? Aktuell ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Börsenwert liegt bei mehr als 580 Milliarden Dollar. Und Apple  hat Barreserven in Höhe von  216 Milliarden  Dollar. Zehn Gründe warum das Unternehmen so viel besser ist als jeder Konkurrent. Quelle: REUTERS
1. Der NetzwerkeffektDie IT-Welt funktioniert nach anderen Regeln als der Rest der Wirtschaft. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Netzwerkeffekt. Beispiel Microsoft: In der Ära des PCs hatte der Konzern ein Quasi-Monopol im Bereich der Desktop-Betriebssysteme und der Office-Software. Der Grund: Sobald MS-DOS und später Windows gegenüber damals konkurrierenden Systemen wie CP/M nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, entwickelten Softwareentwickler vornehmlich für das Microsoft-System, um möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen. Andererseits wurde die Microsoft-Plattform mit der verfügbaren Software auch für die Kunden immer attraktiver. Die große Verbreitung von Office in der PC-Ära machte auch diese Software zum Quasi-Standard: Wer die Dokumente von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern lesen und bearbeiten wollte, musste zur Microsoft-Software greifen. Quelle: dpa
1. Der NetzwerkeffektIm mobilen Markt hat Apple die Nase vorn. Zwar werden in absoluten Zahlen im Smartphone-Markt mehr Geräte mit Android-System verkauft – doch Android-Nutzer zeigen im Schnitt deutlich weniger Bereitschaft, Geld für Apps auszugeben. Quelle: AP
2. Zulieferer in vielen LändernApples Zulieferer beschäftigen mehr als 1,6 Millionen Menschen in 20 Ländern. Apple steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in der Kritik. Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das vornehmlich in China produzieren lässt, wurde zum Symbol für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Jetzt ist es Apple durch Kontrollen bei Zulieferern gelungen, Verstöße gegen Arbeitszeit-Beschränkungen zu reduzieren. Die Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche sei im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden, erklärte der Konzern in seinem jährlichen Bericht zur Lage bei den Zulieferern. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Wert von 92 Prozent angegeben. Die durchschnittliche Arbeitszeit für fest angestellte Mitarbeiter bei Zulieferern lag jetzt bei 55 Stunden pro Woche. Quelle: dpa
3. MargeDie Marge pro verkauftem Gerät ist traditionell besonders hoch bei Softwareherstellern: Nachdem ein Software-Produkt entwickelt ist, sind die Kosten pro verkauftem Medium sehr gering, der Verkaufspreis hoch. Apple verkauft zwar auch Software, verdient sein Geld aber hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware. Der Konzern erreicht allerdings auch bei der Hardware Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Analysten schätzen die Marge pro verkauftem Gerät zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders groß ist die Marge beim iPhone – und davon hat Apple wiederum besonders viele Geräte verkauft: im Jahr 2015 mehr als 231 Millionen Stück. Quelle: REUTERS
4. Konzentration auf das WesentlicheAuch bei den Produktkategorien herrscht Übersichtlichkeit. Das aktuelle iPhone SE gibt es jeweils mit unterschiedlicher Speicherausstattung – auf verwirrende Produktbezeichnungen mit langen Zahlenreihen und verschiedenen Ausstattungen verzichtet der Konzern komplett. Mit der Konzentration auf das Wesentliche hat Apple auch beim Produktdesign Trends gesetzt: Überflüssiges wird weggelassen. Das macht die Produkte elegant und benutzerfreundlich. Damit liegt Apple ganz auf der Linie des heimlichen Vorbilds, dem deutschen Braun-Designer Dieter Rams. Quelle: dpa
Apple-Museum Quelle: dpa

Totgesagte leben länger

Zudem kommt bei den Techniktiteln der berühmte Herdentrieb ins Spiel. Wird ein Unternehmen wie Apple totgesagt, wie in den Jahren 1997 oder 2002, verkaufen Anleger die Aktie, was das Zeug hält; ist es gerade hip, kennt der Kurs nach oben kein Halten.

Im Sommer 2002 etwa, als mal wieder das Ende von Apple herbeigeunkt wurde, hatten die Kalifornier acht Dollar Cash je Aktie in der Kasse. Anlass genug, das Papier „spekulativ eingestellten Anlegern“ zu empfehlen (WirtschaftsWoche 35/2002). Kursplus: 7562 Prozent. Der Börsenwert legte von 5,7 auf 564 Milliarden Dollar zu.

Anders bei Nokia. Als Apple um die Jahrtausendwende darbte, waren die Finnen mit bis zu 300 Milliarden Euro Börsenwert eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Doch nach zehn Jahren an der Handyspitze verpasste Nokia einen einzigen Trend: den zum Smartphone mit Berührungsoberfläche. 2006, zu Beginn der Smartphone-Ära, hatte Nokia mit seinem Betriebssystem Symbian noch einen Marktanteil von 73 Prozent; mit dem neuen Windows-Betriebssystem, das Symbian ablöst, liegt man heute bei nicht mal mehr zwei Prozent. Konsequenz: Die Aktie liegt auf einem 15-Jahres-Tief, wie einst Apple.

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Ist Nokia damit tot?

10,1 Milliarden Euro kostet der Konzern aktuell. Dafür bekommen Investoren gerade mal 2,5 Prozent von Apple. Zieht man die aktuelle Cash-Position aus der Bilanz ab, kostet Nokia keine fünf Milliarden Euro. Der Markenwert liegt laut Interbrand bei derzeit 25,1 Milliarden Dollar. Damit ist klar, welche Investition unter historischen Chance- und Risikoaspekten heute aussichtsreicher ist: Nokia.

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