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Mobilität Warum der Börsengang von Uber zu früh kommt

Uber hat im vergangenen Jahr keinen operativen Gewinn erwirtschaftet - stattdessen drei Milliarden Dollar Verlust. Quelle: AP

Damit das Geschäftsmodell von Uber Chancen hat, rentabel zu werden, braucht es autonom fahrende Autos in der Fläche. Das kann noch Jahrzehnte dauern. Der Hype um den Börsengang lässt nur kurzfristig Kursgewinne erwarten.

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Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Beim US-Fahrdienstleister Uber könnte der jetzt beantragte Börsengang in der Rückschau irgendwann um Jahre zu früh gekommen sein – zumindest aus Sicht der Anleger, die sich blind auf die Aktie stürzen. Ausgenommen davon ist vermutlich Softbank-Gründer und – Großaktionär Masayoshi Son. Der japanische Multimilliardär hält über seinen Vision Fund 16,3 Prozent an Uber. Sollte Uber nach dem Börsengang tatsächlich in die angepeilte Bewertungssphäre zwischen 90 und 120 Milliarden Dollar schweben, dann wäre dieser Anteil 15 bis 20 Milliarden Dollar wert – und Son hätte seinen 7,7 Milliarden Dollar schweren Wetteinsatz aus dem letzten Jahr mindestens verdoppelt.

Der Japaner setzt seine Milliarden darauf, dass Fahrtvermittlung per App und autonomes Fahren die Zukunft der Fortbewegung werden. Softbanks Vision Fund hat auch zehn Milliarden Dollar in das chinesische Uber-Pendant Didi gesteckt, drei Milliarden Dollar in den südostasiatischen Marktführer Grab und weitere 2,25 Milliarden Dollar in Cruise, die Sparte für Autonomes Fahren des US-Autobauers General Motors. Son wird getrieben von der Vision, zum Weltherrscher der Mobilität aufzusteigen – koste es, was es wolle. Mit einem Reinvermögen von geschätzt 13 Milliarden Dollar hat Son tiefe Taschen. Die aber haben normale Anleger nicht.

So groß der Hype um Uber, das Geschäftsmodell Plattform samt seinen Netzwerkeffekten auch ist – nicht immer muss daraus auch ein profitables Geschäft werden, wie Uber jetzt selbst zugibt. Zwar schwärmt das Start-up in seinem Börsenprospekt den Investoren von seinem Netzwerkeffekt vor – 150 Mal kommt das Wort „Netzwerk“ darin vor. „Profitabel“ dagegen steht im Börsenprospekt nur ein einziges Mal. In einem Satz, der Anlegern erklärt, dass das Start-up möglicherweise niemals Gewinne schreiben wird. „Wenn wir unsere Dienstleistungen in neue Städte bringen, werden wir dort weniger profitabel arbeiten als in unseren bisherigen Städten. Es könnte sein, dass unser Geschäft keine Gewinne abwerfen wird – in der nahen Zukunft oder jemals.“

Im vergangenen Jahr machte Uber laut Börsenprospekt gut elf Milliarden Dollar Umsatz – operativ blieb das Unternehmen aber auf drei Milliarden Dollar Verlust sitzen. Zu hoch seien die Kosten für die Entwicklung der Plattform-Technologie und die Provisionen für den Ausbau des Netzwerkes: „Wir erwarten, dass wir in naher Zukunft weiter Verluste machen, weil unsere Ausgaben erheblich steigen werden: für Werbung, Rabatte und Provisionen auf unserer Plattform, um die Zahl der Uber-Fahrer zu steigern, und neue Kunden sowie Restaurants und Lieferanten zu gewinnen.“

Das aber hieße nicht, dass die Provisionen für die Fahrer nicht doch irgendwann gekürzt werden und die Unzufriedenheit der Fahrer dann vermutlich zunehmen dürfte. Das Geschäftsmodell geriete ebenfalls ins Wanken, sollte Uber gezwungen sein, seine Fahrer als Angestellte zu behandeln und nicht mehr als unabhängige Vertragspartner. Das bedeutete die Zahlung von Mindestlöhnen und Überstundenzuschlägen, die Einhaltung von Ruhepausen, Sozialabgaben, Steuern – und bei Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften kämen Strafzahlungen und Prozesskosten obendrauf. Aus dem Prospekt geht hervor, dass bereits über 60.000 Fahrer beabsichtigen, Schiedsgerichtsklagen gegen Uber einzureichen.

Es könnte alles so einfach sein, wenn autonom fahrende Autos heute schon massentauglich wären und das Straßenbild beherrschten. Das ist aber nicht der Fall. Ubers Advanced Technologie Group hat bisher 250 autonom fahrende Autos produziert. Außerdem gibt es Wettbewerber, etwa Waymo von Alphabet, die möglicherweise an Uber vorbeiziehen werden.

Dank des Hypes konnte sich Uber über Finanzierungsrunden immer wieder frisches Geld beschaffen. Doch nur, damit die Lichter nicht ausgehen, schießt auch der größte Bewunderer irgendwann kein Geld mehr nach. Ob Anleger, die jetzt auf den Uber-Zug aufspringen, irgendwann die Früchte ihrer Risikobereitschaft ernten werden, ist also nicht sicher. Ende des 19. Jahrhunderts gingen in Amerika die meisten Eisenbahn- und Kanalgesellschaften pleite. Pionierarbeit hatten sie trotzdem geleistet, weil sich durch den Aufbau der Infrastruktur überall Industrien bilden konnten.

Pionierarbeit leisten gewiss auch Uber & Co in Sachen revolutionärer Mobilitätskonzepte. Aber für Anleger muss sich das jetzt noch nicht auszahlen.

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