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Mr. Market

Warum Deutschland eine schärfere Handelsüberwachung braucht

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Ermittlungen dauern oft lang

Wenn dieser Personenkreis im Vorfeld Kenntnis von massiv kursbewegenden Nachrichten bekommt, besteht die Versuchung, daraus einen schnellen Euro zu machen. Wer klug ist, tut das dann nicht selber, sondern steckt einem Kollegen den Verdacht – ganz nach dem Prinzip „eine Hand wäscht die andere“. Damit kann man zwar nicht unmittelbar profitieren, bekommt aber ein anderes Mal eine geldwerte Nachricht zugesteckt und ist vor einer strafbewehrten Entdeckung fast sicher.

Vielleicht bilde ich mir das ja alles nur ein, beweisen kann ich diese kommunikativen Mechanismen natürlich nicht. Aber es entspricht meiner Lebenserfahrung, dass dergleichen permanent zum Nachteil der normalen, ahnungslosen Anleger passiert. Denn wie der Volksmund sagt: „Gelegenheit macht Diebe“ und man muss schon einen sehr starken, moralischen Charakter haben, damit man nicht in Versuchung gerät, wenn man ohne große Entdeckungsgefahr, schnell einen Gewinn mit solchem Insiderwissen einstreichen kann.

Dann haben wir ja auch noch die Marktbewegungen, die mir tagtäglich auf meinen Schirmen begegnen. Und da kommt es im Laufe des Jahres immer mal wieder vor, dass es auf dem deutschen Markt komische Bewegungen gibt, die erst hinterher durch eine nachgeschobene Nachricht erklärt werden können. Was bleibt, ist dann oft das miese Gefühl, dass da mal wieder jemand mehr gewusst haben könnte.

Natürlich steckt nicht immer ein Insiderhandel dahinter, manchmal gibt es auch ganz profane Erklärungen. Aber ich bin sicher, dass da öfter Insideraktivitäten dahinter sind, als dann am Ende entdeckt werden.

Und damit kommen wir wieder zur Bafin, zur Handelsüberwachung und zum Fall Roth & Rau. Welchen erzieherischen Wert hat es denn noch, wenn dergleichen drei Jahre dauert, bis es mit Durchsuchungen ernst wird? Aus Sicht des Abschreckungseffektes auf Dritte dürfte das nach den Jahren kaum mehr jemanden interessieren – von den Direktbeteiligten mal abgesehen. Der Eindruck, der bei den meisten Marktteilnehmern vorherrschen dürfte, wird wohl sein, dass eine Entdeckungsgefahr für Sekundärinsider sehr, sehr gering ist, wenn man es nicht dumm anstellt.

Mehrere Faktoren scheinen bei der Problematik mitzuwirken. Erstens einmal ist es immens schwierig, die Manipulation konkret nachzuweisen. Selbst Staatsanwaltschaften, die wie in Frankfurt durchaus „börsennah“ sind, dürften dabei ihre Probleme haben und damit vergeht wertvolle Zeit. Zumal die Vorgänge als solche, ja auch sehr komplex und damit personalintensiv sind.

Zweitens sind in der Abteilung WA2 der Bafin, in der in diversen Referaten die Themen wie Insiderhandel oder Marktanalyse gebündelt sind, nach meinen Informationen vielleicht eine mittlere zweistellige Zahl an Mitarbeitern mit den obigen Themen befasst. Das hört sich ja auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht an. Berücksichtigt man dann aber die Komplexität der Themen und die Vielfalt der Transaktionen die in jeder Sekunde laufen, dürfte dieser Personalbestand schon bei wenigen konkreten Fällen an seine kapazitiven Grenzen stoßen.

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