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Mr. Market

Warum Deutschland eine schärfere Handelsüberwachung braucht

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Problem ist der fehlende Fahndungsdruck

Drittens hat die Bafin bei Straftaten im Insiderhandel wenig direkte Durchgriffsrechte und muss dabei mit den Staatsanwaltschaften zusammen arbeiten, so ist es bei uns in Deutschland rechtlich organisiert. Auch wenn die Zusammenarbeit im konkreten Fall vielleicht gut ist, wirklich beschleunigt werden Reaktionen der Aufsicht dadurch wohl nicht.

In meinen Augen ist der Fokus auf eine Verurteilung von wenigen Einzelfällen daher nicht ausreichend, um den Insiderhandel angemessen anzugehen. Es braucht nach meiner Ansicht einfach mehr gefühlten „Fahndungsdruck“ bei den Beteiligten, damit schon der Versuch aus Angst vor Entdeckung unterlassen wird und komplexe Ermittlungen gar nicht erst nötig werden. Und das geht wohl nur mit einer deutlich stärker besetzten Marktüberwachung, die selber aktiv merkwürdigen Marktbewegungen nachgeht. Schaut man in die USA auf die SEC, sehen wir dort große Abteilungen mit Durchgriffsrechten, die bei den Akteuren der Wall Street durchaus gefürchtet sind. Die Bafin hätte vermutlich nichts gegen eine derartige Aufwertung, hier wäre die Politik in Berlin gefragt.

Dem Unwesen der Sekundärinsider, kommt man nach meiner Ansicht auf jeden Fall nicht mit Formularen, Melderegeln, Insiderverzeichnissen und auch nicht mit einer präziseren Gesetzesauslegung dieser Personengruppe bei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sekundärinsider nach dem Gesetz nur eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat wie die Primärinsider begehen. Mir ist bisher keine große Zahl an Bußgeldern im Bereich Sekundärinsider bekannt. Dabei dürften gerade die Sekundärinsider, das wirkliche, mengenmäßige Problem an den deutschen Märkten darstellen.

Wir haben hier also nach meinem Eindruck ein Gesetz, dass nicht wirklich in Breite durchgesetzt werden kann. Das ist gelinde gesagt unbefriedigend. Die Kommunikation, die in den Frankfurter Gassen und Bars ganz selbstverständlich stattfindet, legt man einfach nicht mit formalen Definitionen und Abgrenzungen lahm, sondern nur mit der nackten Angst vor der Entdeckung.

Und daran mangelt es nach meinem Eindruck in Deutschland etwas. Warum eigentlich?

In Arbeit
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Insiderhandel schadet allen anderen Marktteilnehmern massiv und zerstört das für alle gleiche Spielfeld, das für einen funktionierenden Markt so bedeutend ist. Es gibt für mich keinen Grund, warum man dort den „Fahndungsdruck“ nicht so erhöhen sollte, das er wirklich abschreckend wirkt.

Woran fehlt es also? An politischem Willen? An mangelndem Verständnis für die Problematik? Oder glaube ich ein Problem zu sehen, das gar nicht da ist?

Geldmangel für diese Stellen dürfte es bei rationaler Betrachtung eigentlich nicht sein. Denn wie bei der Steuerfahndung bin ich sicher, dass diese Mitarbeiter ihre Gehälter um ein Vielfaches durch die Bußgelder der ertappten Insider wieder einspielen würden. Und als netten Nebeneffekt, bekommen die Bürger einen sauberen Handelsplatz.

Wäre doch nett, oder?

Michael Schulte alias Mr. Market schreibt für WirtschaftsWoche Online in unregelmäßiger Reihenfolge über Marktmechanismen. Wer mehr von ihm lesen will, kann dies in seinem Blog Mr-Market.de tun.

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