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Mr. Market

Warum Deutschland eine schärfere Handelsüberwachung braucht

Immer wieder beobachten Anleger seltsame Kursbewegungen, von denen nur ein Bruchteil erklärbar ist. Viele Fälle von Insiderhandel werden schlicht nicht entdeckt, meint unser Kolumnist.

Frankfurter Börse Quelle: dpa

Es ist nun drei Jahre her, als mir als aufmerksamer Marktbeobachter im Vorfeld der Übernahme von Roth & Rau merkwürdige Kursbewegungen auffielen, die für mich erst hinterher durch Nachrichten erklärbar wurden. Damals hatte ich aufgrund der Kursbewegungen sofort den subjektiven Eindruck, dass hier Insider am Werk sein mussten, konnte das als Außenstehender aber weder belegen noch überprüfen. Kurze Zeit danach, gingen dann Meldungen durch die Presse, nach denen die Bafin bei Roth & Rau den Verdacht auf Insiderhandel prüfte.

Es steht mir nicht zu, in diesem offenen Verfahren Schlussfolgerungen über Schuld oder Unschuld zu ziehen und ich will das auch nicht tun. Aber zumindest kann man festhalten, dass meine Beobachtungen von 2011 dann ja nicht komplett unsinnig gewesen sein können.

Unabhängig davon, was bei Roth & Rau nun konkret herauskommt, ist der Vorgang für mich aber vor allem beredtes Zeugnis einer für mich unbefriedigenden, weil unterbesetzten Handelsüberwachung in Deutschland. Und darüber will ich heute schreiben.

Ich bin aufgrund meiner persönlichen Eindrücke über die Kommunikation im „Biotop Frankfurt“ sowie aufgrund meiner täglichen, aktiven Marktbeobachtung fest davon überzeugt, dass Insiderhandel im weiteren Sinne in Deutschland nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Zum Nachteil aller normalen Anleger. Und die wenigen Fälle, die aufgedeckt werden, stellen eher die Spitze des Eisberges dar.

Die besten Insider-Käufer und -Verkäufer
Bernd Schlobohm: Chef und Mitbegründer der QSC AG, Köln Quelle: handelsblatt.com
Platz 2: Dieter Zetsche Unternehmen: Daimler Index: Dax Kaufbetrag in Euro: 1.145.760 Euro Datum: 17.7.2013 Gewinn nach Kauf: 234.966 Quelle: AP
Platz 3: Oliver Heine Unternehmen: Axel Springer Index: MDax Kaufbetrag in Euro: 485.670 Euro (die größte der drei Transaktionen, die Heine im Juli tätigte) Datum: 3.7.2013 Gewinn nach Kauf: 218.816 Euro Quelle: dpa
Ranking nach Insiderkäufen und prozentualem GewinnPlatz 1: Kai Bentz Unternehmen: Lasermaschinenhersteller LPKF Index: TecDax Kaufbetrag in Euro: 9200 Euro Datum: 17.4.2013 Veränderung nach Kauf: +110,54 Prozent Quelle: dpa
Platz 2: Gerd Eickers & Bernd Schlobohm Unternehmen: QSC Index: TecDax Kaufbetrag in Euro: je 3.543.750 Euro Datum: 30.1.2013 Veränderung nach Kauf: +103,00 Prozent Bild: QSC AG Quelle: Presse
Platz 3: Olaf Koch Unternehmen: Metro Index: MDax Kaufbetrag in Euro: 222.870 Euro Datum: 21.3.2013 Veränderung nach Kauf: +62,72 Prozent Quelle: dpa
Ranking nach Insiderverkäufen und absolutem Verlust, der durch den Verkauf vermieden wurdePlatz 1: Andreas Prüfer & Rainer Binder (im Bild) Unternehmen: Delticom Index: SDax Verkaufserlös in Euro: 12.672.120 Euro & 7.327.880 Euro Datum: 17.9.2013 Vermiedener Verlust: -3.200.626 Euro & -1.850.819 Quelle: Delticom

Dabei geht es eher nicht um die klassischen Primär-Insider im Sinne des Gesetzes wie Vorstände und deren Angehörige. Dieser Personenkreis ist klar zu umfassen und dürfte sich in der Regel strikt an die Gesetze halten, weil auch einfach die Entdeckungsgefahr viel zu groß ist. Nein, es geht um den weiten und unscharfen Kreis der „Sekundärinsider“, also Personen im weiteren Umfeld, die aber von größeren Deals und Entscheidungen Kenntnis erlangen und sei es auch nur in Bruchstücken.

Zu diesem Personenkreis gehören potentiell Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Investmentbanker, Analysten, Aufsichtsbehörden, das Middlemanagement... Wobei Personen dieses Kreises auch Primärinsider im Sinne des „Tätigkeitsinsiders“ sein können, wenn sie direkt am Vorgang mitwirken. Aber selbst Mitbewerber und große Lieferanten können zu faktischen Sekundärinsidern werden, denn wenn man gute Kontakte in ein Unternehmen hat, kann man schnell mal „was läuten“ hören.

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