MyBucks Afrikanisches FinTech-Unternehmen sagt Börsengang ab

MyBucks hat seinen Börsengang in letzter Minute abgesagt. Der Rückzug von den Börsenplänen ist keine schlechte Nachricht für Anleger. Zu viele Fragezeichen stehen hinter der Wachstumsstrategie.

Börse Frankfurt Quelle: dpa

Die Erstnotiz auf dem Frankfurter Parkett war für diesen Freitag geplant, doch das afrikanische FinTech-Unternehmen MyBucks hat seinen Börsengang in letzter Minute abgesagt. Rund 38 Millionen Euro hätte die Smartphonebank mit Fokus auf kurzfristige Kleinkredite für finanzschwache Privatpersonen einsammeln wollen, doch das Interesse der Investoren war wohl nicht stark genug.

Das Unternehmen begründet die Absage des IPO mit einem schwachen Marktumfeld. Damit könnte der jüngste Börsenabsturz der US-Kreditplattform Lending Club gemeint sein, die so manchem Investor den Appetit auf FinTech-Aktien verdorben haben dürfte. Die Großwetterlage an der Frankfurter Börse hat sich allerdings zwischen Ankündigung des MyBucks-IPO und der Absage nicht tiefgreifend geändert.

Der Rückzug des Unternehmens von seinen Börsenplänen hat daher wohl auch mit den Fragezeichen zu tun, die hinter der Wachstumsstrategie von MyBucks stehen. Mit dem Geld der Anleger hätte das Unternehmen seine internationale Expansion vorantreiben wollen, doch in Europa herrscht bereits starke Konkurrenz im Mikrofinanzgeschäft.

Das sind die besten Fin-Tech-Start-ups
Das Münchener Start-up Gini wurde zum besten FinTech-Start-up 2015 gewählt. Quelle: Presse
Platz 2: WeltsparenDas 2012 gegründete Portal Weltsparen.de der Saving Global GmbH ist der erste Online-Marktplatz für europäische Festgelder. Bei ausgewählten Partnerbanken aus ganz Europa können Kunden online ihr Geld anlegen – mit deutlich attraktiveren Zinsen bis zu 2,5 Prozent. Auf dem Bild sind die Gründer Michael Stephan, Frank Freund und Tamaz Georgadze (von links) zu sehen. Quelle: Presse
Platz 3: Numbers 26Die moderne Banking-App von Maximilian Tayenthal (links im Bild) und Valentin Stalf soll das herkömmliche Girokonto ersetzen. Ihr Konto ist komplett kostenlos, kann per Smartphone und in Echtzeit bedient werden – und eine Mastercard gibt es noch dazu. Mit ihrem Angebot treten die beiden Unternehmer in direkte Konkurrenz zu den bestehenden Direktbanken – und werben mit der Einfachheit ihrer Produkte. Für den Firmennamen ist übrigens der berühmte bunte Zauberwürfel verantwortlich, der aus 26 einzelnen Würfeln besteht. „Das ist unsere Inspiration dafür, dass man auch das komplexe Bankensystem mit der richtigen Strategie einfach lösen kann“, erklären Tayenthal und Stalf ihre Firmenphilosophie. Quelle: Presse
Fairr.deDas Berliner Start-up Fairr.de gehört zu den übrigen Finalisten und hat sich auf Altersvorsorge spezialisiert. Fairr.de will sich in diesem Segment gegen die großen Banken behaupten. Die Kunden können online verschiedene Rentenprodukte abschließen – beispielsweise den „ fairriester“, einen Riester-Fondssparplan mit ETFs und Anlageklassenfonds. Die Besonderheit dabei: Das Start-up verzichtet auf Abschlussprovisionen und wirbt mit niedrigen laufenden Kosten. Quelle: Presse
ExporoDas Crowdfunding-Portal Exporo ist eine Plattform für Immobilien und Immobilienprojekte. Das Hamburger Start-up vermittelt dabei Kapital zwischen Projektentwicklern und Anlegern – und ist mit einem Kapitalvolumen von mehr als 10 Millionen Euro in diesem Segment deutschlandweit führend. Im Dezember 2014 startete Exporo sein erstes Projekt in der Hamburger Feldbrunnenstraße (Foto). Mehr als 440 private Geldgeber haben sich mit Summen ab 500 Euro beteiligt – so konnte diese Immobilien-Schwarmfinanzierung innerhalb von nur 14 Wochen realisiert werden. Quelle: Presse
FinoBei Fino Digital können Kunden innerhalb von acht Minuten ihr Konto wechseln – per Mausklick, ganz ohne Schreibaufwand. Seit Herbst 2015 ist das Portal von Fino-Gründer Florian Christ (Bild) im Netz zu finden – und rund 15 Banken kooperieren mittlerweile mit dem jungen Kasseler Unternehmer. Quelle: Presse
VaamoDie Vaamo Finanz AG bietet individuelle Online-Investment-Lösungen für Privatpersonen an. Dazu können Nutzer ein eigenes Vaamo-Konto eröffnen. Das Besondere dabei: Die persönlichen Sparziele der Kunden stehen im Vordergrund. Ein technisches Kontrollsystem hilft dabei, dass die Nutzer ihre Ziele auch tatsächlich erreichen. Bei Vaamo gibt es weder einen Mindestanlagebetrag noch eine Mindestlaufzeit; die Kunden zahlen einen Pauschalpreis. Das Frankfurter Start-up kooperiert zur Depotführung und Transaktionsabwicklung mit der FFB. Quelle: Presse

So hat sich hier bereits das finnische Unternehmen Ferratum ausgebreitet, das schon seit Februar 2015 erfolgreich an der Frankfurter Börse notiert. Die Finnen streichen mit ihren Mini-Kurzzeitkrediten für kurzfristig klamme Verbraucher mehr als zehn Prozent Zinsen ein und drücken sogar 99 Euro Gebühr für sofortige Kreditzusagen bei den Kunden durch.

Der Angreifer MyBucks hätte deutlich günstigere Konditionen bieten müssen, um Marktanteile zu gewinnen. Mit niedrigeren Zinsen und Gebühren dürfte es aber schwierig werden, die im Kleinkreditsegment üblichen hohen Ausfallraten von rund acht Prozent zu schultern.

Ein wirksamer Bonitätcheck der Kreditkandidaten ist überlebenswichtig für das riskante Verleihgeschäft. Doch ausgerechnet im MyBucks Kernmarkt Südafrika hat die Finanzaufsicht Zweifel am Bonitätsprüfungsverfahren von MyBucks und prüft das System daher auf Mängel. Es drohen Strafzahlungen und schlimmstenfalls Lizenzentzug.

Aus Sicht privater Anleger ist die Absage des IPO daher keine schlechte Nachricht. MyBucks will das Marktumfeld aber auch künftig auf Möglichkeiten eines Börsengangs bewerten. Wann der kommt und ob die Aktien dann auch wieder in Frankfurt angeboten werden, darauf legt sich das Unternehmen noch nicht fest. Wie auch immer, sollte das Management die Zeit nutzen, seine Wachstumsstrategie zu überarbeiten und offene Fragen mit den heimischen Finanzaufsehern zu lösen.

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