Nach Börsenunfall Zukunft von Knight Capital wohl gesichert

In weniger als einer Stunde wurde der US-Aktienbroker Knight Capital von seinem Handelsprogramm in tiefe Verluste gestürzt. Das Überleben der Firma scheint nun gesichert - die Besitzer zahlen aber einen hohen Preis.

Pleiten, Pech und Pannen am US-Aktienmarkt: Das Software-Problem im Handelssystem des US-Brokers Knight Capital ist das bislang letzte Desaster in einer langen Reihe. Quelle: REUTERS

Die Zukunft der Wall-Street-Firma Knight Capital, die von einem Softwarefehler an den Rand des Ruins gebracht wurde, ist laut US-Medienberichten gesichert. Eine Gruppe von Investoren stelle rund 400 Millionen Dollar bereit, berichteten unter anderem der Sender CNBC und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Die Rettung hat für Knight Capital demnach aber einen hohen Preis: Für das Geld gibt es Schuldpapiere, die später in Aktien umgewandelt werden können. Bei den Investoren würden danach 70 bis 75 Prozent der Anteile liegen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Demnach bekommen sie dann eine Aktie schon für 1,50 Dollar - an der Börse kostete sie am Freitag auch nach den Turbulenzen der vergangenen Tage noch 4,05 Dollar. Das Geld kommt den Berichten zufolge unter anderem von den Finanzinvestoren Blackstone und General Atlantic sowie dem Aktienhändler TD Ameritrade. Knight Capital hatte sich am Freitag mit einer Kreditlinie ins Wochenende gerettet. Am Markt wurde davon ausgegangen, dass die Firma einen Deal noch am Montag braucht.

Knight Capital hatte am vergangenen Mittwoch in nur einer Dreiviertelstunde einen riesigen Verlust von 440 Millionen Dollar angehäuft. Schuld war eine Software-Panne: Ein neues Handelsprogramm überflutete den Markt mit fehlerhaften Handelsaufträgen. Als Folge saß Knight Capital auf einem Berg zu teuer gekaufter Aktien. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ hatte Knight Capital Papiere im Wert von mindestens 4,5 Milliarden Dollar ungewollt gekauft. Goldman Sachs kaufte die Papiere mit einem Abschlag im Paket ab.

Kuriose Börsenpannen

Knight-Chef Thomas Joyce wollte der Zeitung zufolge die Börsenaufsicht SEC zunächst überreden, die Order einfach rückgängig zu machen. Doch SEC-Chefin Mary Shapiro lehnte unter Hinweis auf geltende Regeln ab. Am Wochenende nannte sie den Vorfall „inakzeptabel“ und ordnete an, dass die Arbeit an einem Überwachungssystem für Handelsprogramme beschleunigt wird.

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In der US-Presse machte das Wortspiel „Knightmare on Wall Street“ die Runde. Der Börsendienstleister Nanex stellte die Vermutung auf, Knight habe mit der neuen Handelssoftware versehentlich auch ein Testprogramm scharfgeschaltet, mit dem sie zuvor unter Laborbedingungen ausprobiert worden war. Jedenfalls passe der Ablauf zum Verhalten solcher Testinstallationen, hieß es in einer Analyse.

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