Nach dem Börsengewitter Dax berappelt sich und China senkt Leitzinsen

Den Börsianern steckt noch der Schock vom Montag in den Knochen, als die Kurse weltweit einbrachen. Doch zumindest in Europa hat sich die Lage wieder etwas entspannt. Allerdings weiß keiner, wohin die Reise geht.

Börse in Frankfurt Quelle: dpa

Die chinesische Zentralbank hat im Kampf gegen fallende Aktienkurse und eine Abschwächung der Konjunktur die Zinsen gesenkt. Der Leitzins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent herabgesetzt, teilte die Zentralbank am Dienstag überraschend in Peking mit. Die chinesischen Börsen waren bereits geschlossen, doch der deutsche Leitindex Dax kletterte nach der Ankündigung wieder über die Marke von 10.000 Punkten. Zuletzt stieg der Dax um 4,28 Prozent auf 10 061,53 Punkte.

Um zu verhindern, dass sich das Wachstum weiter abbremst, hatte Chinas Zentralbank im laufenden Jahr bereits mehrfach den Geldhahn weiter aufgedreht. Der Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken wurde am Dienstag ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent gesenkt.

Der deutsche Aktienmarkt hatte nach dem Kurseinbruch zu Wochenbeginn am Dienstag einen Erholungsversuch gestartet. Der Dax stieg am Vormittag um 2,46 Prozent auf 9885,33 Punkte. Der Index der mittelgroßen Werte MDax rückte um 2,50 Prozent auf 19.084,61 Punkte vor und der TecDax gewann 3,28 Prozent auf 1626,33 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um zweieinhalb Prozent nach oben.

Tags zuvor war der Dax im Sog globaler Konjunktursorgen und des fortgesetzten Kurseinbruchs an den Börsen Asiens erstmals seit Januar unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Seit Mitte August hatte der Dax zeitweise mit knapp 20 Prozent im Minus gelegen.

Nicht wenige Börsianer hatten die Verluste aber zumindest kurzfristig als übertrieben eingestuft. Die Analysten der schweizerischen Bank Credit Suisse schrieben in einer Studie, dass die Investoren mittlerweile zu pessimistisch auf die Weltwirtschaft blickten.

In dieses Bild passte der am Vormittag präsentierte Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, der besser ausfiel als erwartet. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn erklärte, Deutschland bleibe ein Fels in der weltwirtschaftlichen Brandung. Am Nachmittag stehen in den USA noch Daten zum Verbrauchervertrauen sowie vom Immobilienmarkt auf der Agenda.

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Marktanalyst Michael Hewson vom Wertpapierhändler CMC Markets UK gab aber zu bedenken, dass sich die negative Grundstimmung am Aktienmarkt in den kommenden Tagen ändern müsse. Sonst drohten weitere Verluste.

Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar hält vorerst nur eine sogenannte Bärenmarkt-Rally für möglich. Das ist eine zwischenzeitliche Kurserholung in einem Abwärtstrend. Die aktuelle Marktphase sei extrem und nur mit wenigen aus der Vergangenheit vergleichbar, schrieb Wenner in seinem Morgenkommentar. Eines hätten diese Phasen aber gemeinsam gehabt: Es sei anschließend weiter abwärts gegangen.

Im Dax erholten sich die Aktien des Dünger- und Salzproduzenten K+S mit einem Plus von 5 Prozent am deutlichsten. Einem Händler zufolge sorgte ein Medienbericht über ein höheres Übernahmeangebot des US-Agrarkonzerns Monsanto für den schweizerischen Konkurrenten Syngenta für gute Stimmung. Der Schritt wecke Fantasie, dass der Düngerkonzern Potash seine Offerte für K+S nachbessern könnte.

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