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Nach Turbulenzen an Wall Street „Crash-Modus“: Dax verliert nach großem Kursrutsch weiter

Dax verliert weiter Quelle: REUTERS

Die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Konjunktur hat Anleger am Donnerstag in die Flucht getrieben.

Die Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einer globalen Konjunkturabschwächung und Marktturbulenzen haben auch am Donnerstag die Aktienmärkte in die Knie gezwungen. Die US-Zinsen dürften wie vom IWF erwartet weiter steigen, während sich im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit vorerst keine Entspannung andeute, sagte ein Händler. Für Verunsicherung sorge zudem die heftige Kritik von US-Präsident Donald Trump an der US-Notenbank (Fed). „Da hilft es nur wenig, dass seine Berater die Aussagen einzufangen versuchen“, sagte ein Händler.

Der Dax fiel um 1,5 Prozent auf 11.539 Zähler und schloss damit so niedrig wie seit Februar vorigen Jahres nicht mehr. An der Wall Street herrschte ebenfalls Nervosität. Nach starken Schwankungen überwogen zum europäischen Handelsschluss die Verkäufe. Der Dow Jones notierte rund ein Prozent schwächer, nachdem er schon am Mittwoch drei Prozent verloren hatte.

Gesucht war die Anti-Krisenwährung Gold: Die Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um zwei Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1219,75 Dollar.

Einbußen an den Aktienmärkten

Auslöser der jüngsten Kursverluste sind neben den Warnungen des IWF die anziehenden US-Zinsen. „Dem Markt und US-Präsident Donald Trump ist die US-Notenbank Fed zu schnell unterwegs mit ihren Zinsanhebungen“, fasste Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets zusammen. Trump hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung gesagt: „Ich denke, die Fed ist verrückt geworden.“ Später fügte er noch hinzu, er werde Fed-Chef Jerome Powell zwar nicht feuern, sei aber enttäuscht.

Für die Anleger gilt die Unabhängigkeit einer Notenbank als wesentliches Merkmal einer funktionierenden Geld- und Wirtschaftspolitik. Für einen Staatspräsidenten sei es äußert ungewöhnlich, die Zentralbank so offen zu kritisieren, erläuterte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Das verunsichere Anleger.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow bekräftigte, die Fed sei unabhängig, was Trump respektiere. Der Präsident diktiere den Währungshütern nicht ihre Entscheidungen. Die Fed hat im laufenden Jahr den Leitzins schon drei Mal angehoben. Bis Ende 2019 hat sie vier weitere Schritte nach oben signalisiert. Der Preisdruck in den USA ließ im September aber überraschend etwas nach. Zwar drückte dies die Rendite der marktführenden zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 3,16 von 3,23 am Mittwoch. Doch am Aktienmarkt beruhigte dies die Anleger nur zeitweise.

IWF-Chefin Christine Lagarde äußerte die Befürchtung, dass es neben einem Handels- auch einen Währungskrieg geben könnte. Trump hat China unfairen Handel auch unter Einsatz von Währungsmanipulation vorgeworfen. Am Donnerstag legte er nochmals nach. Er könne im Zollstreit mit der Volksrepublik noch „viel mehr machen“, sagte Trump dem Sender Fox News. Die Chinesen hätten zu lange zu gut gelebt.

Die Kursverluste zogen sich im Dax durch alle Sektoren. Schlusslicht waren Merck mit einem Abschlag von vier Prozent, gefolgt von Thyssenkrupp, Allianz und Münchener Rück mit Abschlägen von je etwa drei Prozent.

Gegen den Trend setzten sich Bayer mit einem Plus von drei Prozent an die Dax-Spitze. Der Prozess um 250 Millionen Dollar schwere Strafen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat soll neu aufgerollt werden.

Die im SDax und TecDax gelisteten Papiere von Dialog Semiconductor schossen um 26,7 Prozent in die Höhe. Der Chip-Designer schloss eine 600 Millionen Dollar schwere Lizenzvereinbarung mit Apple.

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