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Nachfrage sinkt deutlich Weg mit dem Gold

Ist der Goldrausch vorbei? Die Nachfrage nach Edelmetall bricht ein, vor allem in Asien. Weltweit fällt die Nachfrage nach Münzen und Barren um mehr als 50 Prozent. Eine Überraschung ist das nicht – es gibt gute Gründe.

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Ist der Goldrausch vorbei? Quelle: dpa

Düsseldorf Die weltweite Nachfrage nach Gold ist eingebrochen. In den vergangenen drei Monaten sank sie um 16 Prozent auf 964 Tonnen. Diese Zahl hat das World Gold Council am Donnerstag veröffentlicht. Sie bezieht sich auf alle gehandelten Produkte, von Schmuck bis hin zu Indexfonds im Vergleich zum Vorjahr (1148 Tonnen).

Noch deutlicher fiel der Rückgang aus, wenn man nur Goldbarren und -münzen betrachtet: Hier fielen die Investitionen sogar um 56 Prozent auf 275 Tonnen. Auch die Nachfrage nach Schmuck sank um 30 Prozent auf 510 Tonnen. Vor allem in China und Indien, den beiden größten Goldmärkten, wurde weniger Edelmetall gekauft.

Die Zahlen lassen zwei verschiedene Lesarten zu: Dass die Menschen weniger Gold kaufen, könnte ganz einfach daran liegen, dass sie weniger Angst haben. Gold dient als Versicherung gegen Krisen aller Art, es ist eine Art Krisenwährung. In der Finanzkrise seit 2008 fürchteten viele Anleger einen Zusammenbruch des Finanzsystems und damit der Papierwährungen wie Dollar oder Euro. Inzwischen scheint sich diese Angst gelegt zu haben. Die Welt existiert weiter – und weniger Menschen halten es für nötig, Goldbarren in ihrem Keller zu lagern. Das allein reicht aber nicht als Erklärung.

Erkenntnisse aus den Zahlen des World Gold Council

Es gibt noch eine andere Sichtweise auf die nackten Zahlen; es ist die Sicht derjenigen, die noch immer von Gold überzeugt sind. Sie sehen in den Zahlen eine Rückkehr zur Normalität, nach einer außerordentlich wilden Zeit. „Investoren konnten sich von den Extremen erholen, die wir im vergangenen Jahr beobachten mussten. Insgesamt stabilisiert sich der Goldmarkt nach den ungewöhnlichen Verhältnissen von 2013“, sagt etwa Marcus Grubb, Geschäftsführer der Abteilung Investitionsstrategie des World Gold Council in London. Das Council ist die Lobbyorganisation der weltweiten Goldindustrie, also durchaus angetan von dem Edelmetall.
Goldmarkt im Ausnahmezustand

Die Goldfreunde haben in diesem Punkt recht: In den vergangenen Jahren befand sich der Goldmarkt im Ausnahmezustand. Nachdem der Goldpreis zunächst über Jahre rasant gestiegen war, sackte er 2013 um fast 30 Prozent ab, vor allem weil sich Investoren aus den USA und Europa von ihren mit Gold unterlegten Exchange Traded Funds (ETFs) oder Zertifikaten trennten. Umgekehrt nutzten Chinesen und Inder die gefallenen Preise, um sich mit Münzen, Barren oder Goldschmuck einzudecken. Deshalb war die Nachfrage nach physischem Gold – trotz oder gerade wegen sinkender Preise – im vergangenen Jahr sehr hoch.

„Die Nachfrage war sowohl in China als auch in Indien auf einem Rekordhoch“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. So kauften beispielsweise die Inder die Goldläden leer, weil die Regierung die Importzölle für Gold erhöhen wollte und damit höhere Preise drohten. Dieser Faktor fiel in diesem Jahr weg. Hinzu kam, dass die schwächere Konjunktur sowie die schwächeren Währungen in den Schwellenländern die Nachfrage dämpften.

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Inzwischen hat sich der Goldpreis auf dem Weltmarkt stabilisiert. Im laufenden Jahr legte er für eine Feinunze sogar um neun Prozent auf 1.315 Dollar zu. Gleichzeitig ging die Nachfrage deutlich zurück. „Angesichts eines hervorragenden letzten Jahres, als wir rekordverdächtige Kundenankäufe und Investorenverkäufe beobachten konnten, weist die Nachfrage in diesem Quartal auf eine Rückkehr zu langfristigen Trends hin“, sagt Grubb.

Goldminen weiten Produktion aus

Nicht ganz unwichtig sind auch die Entwicklungen auf der Angebotsseite. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das Angebot um zehn Prozent auf 1.078 Tonnen. Es wurde also mehr Gold angeboten als gekauft, was vor allem daran lag, dass die Goldförderer die Produktion ausgeweitet haben. Zugleich haben sich die Goldproduzenten verstärkt gegen fallende Preise abgesichert – im Vorjahr waren unter dem Strich rund 15 Tonnen Gold gegen Verluste abgesichert, aktuell sind es rund 50 Tonnen. Das World Gold Council erwartet, dass die Produktion im Jahr 2014 ihren Höhepunkt erreichen wird und sich über die kommenden zwölf bis 18 Monate auf diesem Niveau halten wird.

„Ich stelle mir die Frage, warum der Goldpreis trotz der schwachen Nachfrage aus Asien, die im Vorjahr einzig und allein einen noch stärkeren Preisrückgang verhindern konnte, aktuell so hoch ist“, sagt Weinberg. Der Grund liege im veränderten Verhalten der Anleger im Westen: Sie hätten den Ausverkauf von ETFs gestoppt und träten an der Terminbörse in New York sogar als Käufer auf. Mit seiner Einschätzung, dass der Goldpreis im nächsten Jahr im Schnitt bei 1.400 Dollar liegen wird, zählt er zu den Optimisten. Viele Analysten erwarten einen Rückgang in Richtung 1.000 Dollar.

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