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Nestlé, Coca Cola & Co. Nahrungsmittel-Aktien: Krisenfest, aber umstritten

Nestlé & Coca Cola: Nahrungsmittelaktien als Kriseninvestment Quelle: imago images

Die Aktienkurse der großen Nahrungsmittelhersteller schwanken 2018 bislang ungewohnt stark. Schuld daran sind veränderte Vorlieben von Verbrauchern und Investoren. Über ein Kriseninvestment im Wandel.

Großanleger mögen derzeit wieder Aktien, mit denen sie bislang stets gut durch Crashzeiten gekommen waren: Nahrungshersteller wie Nestlé, Danone, Kellogg, Mondelez, Kraft Heinz oder Getränkeriesen wie Coca-Cola oder Anheuser Busch Inbev (Becks, Diebels, Spaten) standen stets oben auf der Kaufliste der Anleger, wenn es an der Börse ruppiger wurde. Gegessen und getrunken wird immer, lautet das Motto der Anleger.

Börsenkrisen der Jahre 2000 und 2008 hatten Nahrungsmittelriesen vergleichsweise gut überstanden, weil ihr hoher Cash-Flow auch in konjunkturell schwierigen Zeiten nicht litt und die Dividende üppig blieb. Auch das wachsende Geschäft in Schwellenländern machte die Unternehmen interessant. All diese Punkte sprechen auch weiterhin für die Papiere, wenn die Anleger viel Geduld haben. Einen schnellen Kursgewinn aber dürfen sie nicht mehr erwarten. Schon Anfang des Jahres funktionierte das einfache Motte nicht mehr. Als die Börsenkurse fielen, gingen auch Kurse mancher Food-Aktien heftig runter. Inzwischen sind sie zwar wieder auf dem Januarkurs angekommen, aber der Gegenwind wird stärker.

Anleihen bevorzugt

Die Nestlé-Aktie ist zwar in den vergangenen 20 Jahren stärker gestiegen als der MSCI Welt-Aktienindex. Doch seit 2015 ist der Kurs von einem der wertvollsten Konzerne Europas ungewohnt volatil. Dass er in Boomzeiten dem weltweiten Aktienmarkt hinterherhinkt, ist keine Überraschung. Das war immer so, dafür waren Verluste in Crashphasen geringer.

Aber die Schwankungen sind jetzt höher. Wurden die Aktien gerne als Anleihenersatz gesehen, weil sie eine stetige Dividende mit einem ruhigen Kursverlauf kombinierten, sind sie inzwischen unberechenbarer geworden. Was Anleger an der Dividende verdienen, geben sie bei Kursverlusten wieder ab. Zudem sind in den USA die Zinsen bis an die Drei-Prozent-Marke gestiegen, die Dividendenrendite ist nicht mehr so attraktiv. US-Anleihen werden für Amerikaner wieder interessanter als Aktien. Heimische Fondsmanager haben auch von der Coca-Cola-Aktie auf die Anleihen des Getränkekonzerns umgesattelt, weil sie schwankungsärmere Anlagen suchten. Vielleicht auch deshalb sind Nahrungs- und Getränkeaktien so niedrig bewertet, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Philip Terwey ist Fondsmanager des DWS Concept GS&P Food-Aktienfonds (früher OP Food). Der Fonds investiert in Aktien von Lebensmittelriesen, aber auch häufig in Spezialisten aus Bereichen wie Fischfang und neuen Ernährungstrends. Da mit dem von den USA angezettelten Handelskrieg auch Wirtschaftswachstum infrage gestellt werde, rückten solide Branchen wie Nahrungsmittel wieder in den Focus der Anleger, glaubt er. Anleger gingen eher von einem Konjunkturherbst aus, deshalb seien die Kurse im Lebensmittelbereich in den vergangenen Wochen vielfach wieder gestiegen.

Mächtige Einkäufer

Zu Jahresbeginn setzte Edeka dem Schweizer Nahrungsmittelmulti-Nestlé zu und sortierte Nestlé-Produkte aus den Regalen. Erst im Mai endete der Boykott, weil sich die Kontrahenten im Streit um Einkaufspreise für die bekanntesten Nestlé-Marken geeinigt hatten, etwa für Nescafé, Maggi, Thomy, Wagner Pizza, Vittel und die Eishersteller Häagen-Dazs, Mövenpick und Schöller. Aber die Episode zeigt, dass Supermarktriesen ihre Macht gegenüber den Nahrungsmultis inzwischen auch nutzen. Das fällt ihnen leichter, weil sie die Markenprodukte durch inzwischen auch edlere und teure Eigenmarken ersetzen können. Das Ergebnis von Nestlè hat das kaum belastet – die Schweizer meldeten ebenso wie Coca-Cola gute Zahlen –, aber notieren noch immer knapp unter ihren jeweiligen Allzeithochs.  

Aktivistische Investoren

Dass die Nestlé-Aktie volatil ist, verwundert nicht. Die Schweizer bekommen derzeit ordentlich Druck von US-Investoren, die einen drastischen Konzernumbau fordern. Der ist zwar schon eingeläutet, aber dessen Erfolg wird erst in vielen Jahren sichtbar. US-Hedgefondsmanager Dan Loeb fordert, Nestlé aufzuspalten in die Bereiche Getränke, Gesundheit und Lebensmittel, einige Unternehmensteile sollen verkauft werden. Der 23 Prozent-Anteil von Nestlé an L’Oreal soll auch verschwinden. „Das L’Oréal-Investment war für Nestlé lukrativ und neben gemeinsamer Forschung vor allem als reines Finanzinvestment geplant. Ein jetziger Verkauf wäre sicherlich interessant“, meint Terwey. Die Aktie des Kosmetikriesen steht nah an ihrem Allzeithoch von 2018. Ob die unter Druck erzielten Veränderungen von aktivistischen Aktionären, die auch andere Nahrungsmittelunternehmen ins Visier genommen haben, auf Dauer erfolgreich sind, ist nicht sicher.

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