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Neue Internet-Aktien Countdown für Börsenstart von Zalando und Rocket Internet

Alibabas fulminantes Börsendebüt hat den Weg für weitere Börsenneulinge bereitet - auch für deutsche Kandidaten wie Zalando und Rocket Internet. Für beide sind nun die Eckdaten auf dem Tisch.

Der Online-Modehändler Zalando strebt an die Frankfurter Börse. Am 1. Oktober sollen die Aktien erstmals an der Börse gehandelt werden. Quelle: REUTERS

Eine Zeit lang sah es ganz nach einem holprigen Start für den Mega-Börsengang des chinesischen Internetriesen Alibaba aus. Zweieinhalb Stunden mussten sich Händler und Gäste an der New York Stock Exchange gedulden, bis der erste Kurs für die Alibaba-Aktie über die Monitore flimmerte. Solange benötigten die Handelssysteme, bis sie den ersten Börsenkurs berechneten.

Dann aber große Erleichterung, ja sogar Euphorie: Alibaba erreichte bei der Erstnotiz einen Kurs von 92,70 Dollar – ein sattes Plus von 36 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 68 Dollar. Innerhalb einer halben Stunde liebäugelte der Kurs sogar mit der 100-Dollar-Marke.

Der Börsengang von Alibaba ist eine Erfolgsgeschichte. Das eingenommene Volumen ist mit 25 Milliarden Dollar das größte aller Zeiten – weltweit. Möglich wurde der Rekord durch die Mehrzuteilungsoption, den sogenannten Greenshoe. Diese Option wird genutzt, um weitere neue Aktien zuzuteilen, wenn die Nachfrage besonders groß ist.

Bei Alibaba war sie so groß, dass der Konzern erst die Preisspanne erhöhen konnte und nach dem Börsendebüt zusätzlich zu den fest geplanten 320 Millionen Aktien nochmals 48 Millionen Aktien auf den Markt warf. Dem Börsenkurs hat es offensichtlich nicht geschadet. Ebenso wenig wie die ungewöhnliche Erlaubnis für die Altaktionäre, schon direkt nach dem Börsenstart Aktien aus ihrem Altbestand verkaufen zu dürfen.

Was Sie über die Börsenkandidaten wissen sollten

Der Traumstart von Alibaba ist für andere Unternehmen, die den Sprung an die Börse wagen, ein gutes Omen. Denn offensichtlich gibt ein großes Interesse nach neuen Aktien: Der Markt ist aufnahmefähig, die Stimmung gegenüber Neuemissionen von Aktien positiv. Börsenumfeld und Alibabas Erfolg signalisieren den Unternehmen, dass die Zeit für einen Börsengang günstig ist – auch und vor allem für Internet-Unternehmen.

Zalando und Rocket Internet starten im Oktober

Die Pipeline der Börsenkandidaten ist auch hierzulande so voll wie seit vielen Jahren nicht, etliche Unternehmen planen den Börsengang. Kein Wunder, dass zwei weitere schillernde Internet-Firmen gleich nach dem Erfolg von Alibaba ihren eigenen Börsengang vorantreiben. Besonders zwei deutsche Unternehmen stehen jetzt im Fokus: Zalando und Rocket Internet. Beide haben in den vergangenen Tagen ihre Börsenpläne konkretisiert.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Zalando-Aktien werden bereits seit dem 18. September zur Zeichnung angeboten. Der Handelsstart an der Frankfurter Börse ist für den 1. Oktober geplant. Der Online-Modehändler hofft durch den Börsengang, bis zu 633 Millionen Euro einzunehmen. Damit läge die Börsenbewertung von Zalando am oberen Ende der Preisspanne bei bis zu 5,6 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Die Dax-Unternehmen Lanxess und K+S bewertet die Börse derzeit mit etwas mehr als vier Milliarden Euro. Im Vergleich zu Alibaba, der Aktien derzeit um 90 Dollar notieren, ist das geradezu bodenständig. Derzeit schreibt die Börse Alibaba einen Wert von mehr knapp 170 Milliarden Euro zu. Damit ist Alibaba das viertwertvollste Tech-Unternehmen nach Apple, Google und Microsoft – und noch vor Facebook.

Rocket Internet sammelt viel mehr Geld ein

Auch die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet hat nun wichtige Details zum Börsengang veröffentlicht. Und offenbar soll es nach dem Alibaba-Debüt jetzt schnell gehen . Denn der Handelsstart an der Frankfurter Börse ist für 9. Oktober geplant. Der Börsenprospekt, der mit den Details aufwartet, ist nun über die Internetseite zum Börsengang abrufbar.

Überraschend: Das geplante Platzierungsvolumen fällt mit knapp 1,5 Milliarden Euro fast doppelt so hoch aus wie erwartet. Die Internet-Rakete der Samwer-Brüder könnte so einen Börsenwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro erreichen. Bisher war eine Bewertung von rund fünf Milliarden Euro erwartet worden. Die Zielvorgabe wurde erhöht nachdem Investoren wie Baillie Gifford & Co. und JP Morgan sich verpflichteten, Aktien im Wert von insgesamt 582,5 Mio. Euro zu erwerben.

Rocket Internet reitet die Alibaba-Welle

Die Zeichnungsfrist läuft bereits. Bereits eine Stunde nach deren Beginn soll die Nachfrage das Angebot an Aktien übertroffen haben. Anleger können die Aktien von Rocket Internet noch bis zum 7. Oktober innerhalb einer Preisspanne von 35,50 Euro bis 42,50 Euro zeichnen. Sollte die Aktie mehrfach überzeichnet sein, ist mit einer Zuteilung am oberen Ende der Preisspanne zu rechnen.

Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen in die Entwicklung neuer und bestehender Internet-Firmen unter dem Rocket-Dach fließen. „Wir sind überzeugt, dass Rocket eine einmalige Chance hat, am Wachstum des Internethandels in Schwellenländern teilzuhaben“, erklärte Vorstandschef Oliver Samwer. Der Börsengang sei ein „bedeutender Meilenstein“ für das Unternehmen.

Rocket Internet war 2007 von den Samwer-Brüdern gegründet worden und bringt hauptsächlich Internet-Startups mit Schwerpunkt auf den Online-Handel auf den Weg - und das geradezu am Fließband. Derzeit vereint das Unternehmen über 50 Firmen in verschiedenen Weltregionen unter seinem Dach. Auch an Zalando halten die Samwer-Brüder von rund 16 Prozent. Damit profitieren sie von zwei Börsengängen in nur zehn Tagen, wenn es glatt läuft.

Neue Börsenkandidaten in Sicht

Mit dem Schuhhersteller Jimmy Choo will ein weiteres prominentes Unternehmen noch im kommenden Monat seine Aktien an die Londoner Börse bringen. Die Kult-Modemarke, die durch Prinzessin Diana und die Fernsehserie „Sex And The City“ berühmt wurde, soll eine Börsenbewertung um die 700 Millionen Euro anstreben.

Es steht ein ereignisreicher Herbst an der Börse bevor. Ob aber alle Börsenneulinge mit ihren Aktien so fulminant starten wie Alibaba, ist noch offen. Für Privatanleger ist daher oft die richtige Strategie, die erste Handelswoche einer neuen Aktien abzuwarten, bis sich im Handel ein stabiles Preisniveau gefunden hat, um dann gegebenenfalls Kursrücksetzer für Käufe zu nutzen.

Ohnehin wird es bei hoher Nachfrage für Privatanleger zur reinen Glückssache, ob sie Aktien zugeteilt bekommen. Denn insbesondere die institutionellen Investoren wie Fonds oder Pensionskassen werden bevorzugt bedient. Meist erhalten sie bei der Zuteilung 90 Prozent oder mehr der angebotenen Aktien, nur der kleine Rest wird an Privatanleger verteilt – oftmals per Losverfahren.

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Damit ein Börsenstart gelingt und der Kurs bei der Erstnotiz deutlich über dem Ausgabepreis steht, muss die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches übersteigen. Als ausreichend bezeichnen Börsenexperten eine drei- oder vierfache Überzeichnung. Alibaba-Aktien sollen sogar zehnfach überzeichnet gewesen sein. Jetzt dürfen Anleger gespannt sein, wie die Zeichnungsphase bei Zalando, Rocket Internet und anderen verläuft.

Bei Zalando zumindest hat ein Unternehmenssprecher der "Berliner Zeitung" verraten, dass sich die Anfragen von Privatanlegern in den vergangenen Tagen gehäuft hätten. Man überlege sogar, die Tranche für Privatanleger zu vergrößern, um dem gerecht zu werden. Hört sich gut an, könnte aber auch das Gegenteil bedeuten: Dass die Profi-Investoren noch zögerlich sind. Angesichts der Eile, mit der sich Investoren derzeit auf neue Aktien aus der Internet-Branche stürzen, ist das jedoch eher unwahrscheinlich.

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