Neuer Comeback-Versuch Richard Fuld will Chinas Firmen an die Börse bringen

Er gilt als das Paradebeispiel für eine vollkommen falsch eingeschätzte Situation: Richard Fuld, Ex-Chef der US-Bank Lehman-Brothers, die 2008 Pleite ging. Jetzt will er chinesische Firmen auf den Börsengang vorbereiten.

Richard

"Das Schlimmste ist überstanden", sagte Richard "Dick" Fuld im Juni 2008 über die Finanzkrise. Drei Monate später ging sein Arbeitgeber, die 158 Jahre alte US-Investmentbank Lehman Brothers, pleite. Fuld führte das Unternehmen 14 Jahre lang mit eiserner Hand, galt als extrem eitel und ehrgeizig. Weil er seine Mitarbeiter so gern und häufig anbrüllte, bekam er - außer dem Titel "Schlimmster CEO aller Zeiten" auch noch den Spitznamen Gorilla.

Damit schien er allerdings keine Probleme zu haben, so soll er sich sogar ein ausgestopftes Exemplar in sein Büro gestellt haben. In einem internen Firmenvideo drohte er Widersachern an, ihnen das Herz bei lebendigem Leib herauszureißen und es zu verschlingen.

Richard Fulds Vita

Fuld hat mehrfach versucht, wieder Fuß zu fassen: 2009 gründete er das Beratungsunternehmen "Matrix Advisors" - und scheiterte. 2010 sagte er vor einem Untersuchungsausschuss in Washington aus, dass "Lehman in die Insolvenz gezwungen" worden sei. Die Regierung habe eine "mit Fehlern behaftete Entscheidung" getroffen, Lehman nicht zu unterstützen. Er sei nicht "daran gescheitert, verantwortungsvoll zu handeln oder Lösungen für die Krise zu suchen." Er gab sich überzeugt: Hätte die Regierung Lehman Brothers erlaubt, sich in eine Holding zu verwandeln, so wie es Goldman Sachs und Morgan Stanley getan haben, wäre alles anders gekommen. "Lehmans Untergang wurde von unkontrollierbaren Kräften im Markt ausgelöst und von falschen Gerüchten, dass Lehman nicht ausreichend Kapital habe, um seine Investments zu stützen", erklärte er.

Der Manager, den niemand will

Auch von Bilanztricks, mit denen die Pleitebank ihre Lage verschleiert hatte, wollte er nichts gewusst haben: "Ich habe überhaupt keine Erinnerung daran, in meiner Zeit als Lehman-Chef etwas über Repo-105-Transaktionen gehört zu haben", sagte er. Die Berichte der Sonderermittler stellten die Fakten falsch da, so Fuld.

Im selben Jahr, in dem er diese Aussage machte, versuchte er, als Investmentbanker bei einem New Yorker Broker unterzukommen - und bekam keine Lizenz von den Aufsichtsbehörden. Vielen gilt er als einer der Schuldigen an der Finanzkrise - so einer Person gibt niemand mehr Kredit. Gut zwei Jahre lang arbeitete er letztlich für den Broker "Legend Securities", doch seine Geschäftsabschlüsse ließen zu wünschen übrig.

Jetzt will es der mittlerweile 68-jährige Investmentbanker noch einmal wissen - und zwar auf einem Markt, auf dem sein Gesicht nicht untrennbar mit der Finanzkrise verbunden ist. Über seine neugegründete Firma Thor Partners will er nun gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen Kaida Venture Capital chinesische Firmen fit für den Börsengang machen - und zwar auf dem US-Markt.

In Arbeit
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Das berichtet die englischsprachigen Tageszeitung "China Daily". "Wir werden gemeinsam neue Standards, Regeln und Kanäle für chinesische Firmen schaffen, die ein Listing in den USA anstreben", kündigte Fulds neuer Geschäftspartner Wang Yulong an.

Bislang ist gerade die Zielgruppe der kleinen Unternehmen häufig in Skandale verstrickt - zumindest an der Frankfurter Börse. Doch Fuld zeigt sich optimistisch: "Du kannst im Bett liegen bleiben und den Mond anheulen", so Fuld in einem Interview mit dem chinesischen Magazin "Century Weekly". Er habe dagegen beschlossen, sich wieder aufzurappeln. Außerdem hält er seine Zeit für ein Comeback für reif: "Wenn du lange genug am Ufer des Flusses sitzt, wirst du die Körper deiner Feinde vorbeifließen sehen."

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