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Öl-Multis Für Öl-Aktien hat sich das Blatt gewendet

Trotz Erhöhung der Öl-Fördermenge sind die Aussichten für die Ölkonzerne gut. Quelle: imago

Der Markt hat die Erhöhung der Ölförderung durch die Opec gut weggesteckt. Bleibt das so, ist das traditionell gut für die Aktien der großen Ölproduzenten. Warum die Öl-Multis jetzt Renditechancen bieten.

Totgesagte leben länger! Das klingt zwar abgedroschen, trifft aber im Falle des Energie-Sektors den Nagel auf den Kopf. Denn der Ölpreis feiert gerade ein Comeback und Öl-Aktien melden sich mit steigenden Kursen zurück. Dabei hatten viele Anleger das schwarze Gold ebenso wie die Aktien der Branchenvertreter in den vergangenen Jahren bereits abgeschrieben. Verantwortlich dafür waren phasenweise stark gefallene Ölpreise und im Gefolge gesunkene Gewinne. Außerdem befürchteten die Marktteilnehmer wegen der Schieferöl-Schwemme und der wachsenden Bedeutung von regenerativen Energien ein anhaltendes Überangebot. Darüber hinaus drückte die dem Öl zu Recht zugewiesene Rolle als Umweltverschmutzer die Branchenvertreter auch noch in die Schmuddel-Ecke. Da eine wachsende Zahl an Investoren auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage achtet, war und ist das ein bedeutender Nachtteil.

Gründe, die gegen ein Investment in Öl-Aktien sprachen, gab es somit ebenso zuhauf wie Anlässe, um sich Sorgen über die weiteren Aussichten der Branchenvertreter zu machen. Zuletzt war es das Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) am 22. Juni, das für Nervosität sorgte. Denn es gab Skeptiker, die bei einer Angebotsausweitung der Opec deutlichen Druck auf die Ölpreise befürchteten. Bis jetzt hat der Ölmarkt den Beschluss aber gut verkraftet, die Förderung bis Ende 2018 um bis zu eine Million Barrel pro Tag zu erhöhen. Vielmehr reichte es Ende Juni beim Ölpreis der Sorte Brent mit rund 78 Dollar je Barrel wie bereits angedeutet sogar zu einem neuen Mehrjahreshoch.

Gelassen fiel die Reaktion deshalb aus, weil die im Vorfeld des Treffens erwartete Fördererhöhung letztlich unterboten wurde. Zudem zeichnet sich ab, dass die Schiefergasschwemme in den USA aufgrund von Beschränkungen bei der Infrastruktur langsam an ihre Grenzen stößt. Damit könnte am Ölmarkt bis auf weiteres ein leichtes Angebotsdefizit bestehen bleiben, wie etwa Analyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg prognostiziert. Zumal dafür auch die abseits vom Schieferöl-Bereich gesunkenen Investitionen in neue Ölförderprojekte sprechen (die Jahre 2015 und 2016 brachten die stärksten Einbrüche seit 20 Jahren).

Spitzenquartett der Öl-Industrie für Anleger

Öl-Aktien am Ende eines Konjunkturzyklus traditionell gefragt

Sollte die Entscheidung der Opec dazu beitragen, die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau einzufrieren, dann dürften damit Weltwirtschaft, Öl-Förderländer und Öl produzierende Unternehmen gut leben können. Für die Aktionäre könnte sich das sogar als ein Segen erweisen. Zumindest sprechen dafür zwei Überlegungen. Erstens hat die Historie gezeigt, dass die Branche zu Verschwendungs- und Großmannssucht neigt, wenn die Preise zu stark steigen. Denn das führt zu Lohndruck, Dummheiten an der Übernahmefront und letztlich unwirtschaftlichen Kapazitätserweiterungen. Zweitens nutzten die großen Ölkonzerne den Ölpreisverfall der Vorjahre, um sich einer Fitness-Kur zu unterziehen. Dadurch können die führenden Öl-Konzerne inzwischen selbst mit einem Ölpreis von rund 50 Dollar pro Barrel noch über die Runden kommen.

Dazu passt, dass die Aktienkurse der großen Öl-Konzerne in einem gemäßigten, aber auskömmlichen Preisumfeld laut Goldman Sachs erfahrungsgemäß gut laufen. Als Beleg für diese These verweist die US-Investmentbank auf die Zeit von 1987 bis 2002. Damals notierte der Ölpreis unter dem Strich seitwärts, die großen Öl-Produzenten verbuchten gemessen an der Summe aus Kursgewinnen und Dividenden verglichen mit dem Gesamtmarkt dennoch eine Überrendite von sechs Prozent pro Jahr. Geprägt war die damalige Zeit dabei von Backwardation (Terminkurs der Öl-Futures notiert unter dem Kassapreis), Kostendeflation und Konsolidierung. Das ist scheinbar ein Umfeld, das die Öl-Förderkonzerne zu solidem Wirtschaften zwingt. Zudem stellen gemäßigte Ölpreise höhere Eintrittsbarrieren für neue Konkurrenten dar.

Auch eine von Morgan Stanley auf Basis historischer Daten gemachte Beobachtung stärkt gegenüber Öl-Aktien optimistisch eingestellten Anlegern den Rücken. Denn demnach war es seit den 1970er-Jahren über 32 Konjunkturphasen hinweg betrachtet so, dass die globalen Öl- und Gas-Aktien am Ende eines Aufschwungs und dann auch in konjunkturellen Abschwung-Phasen am besten abgeschnitten haben. Konkret erzielten Öl- und Gasaktien in den zwölf Monaten nach dem Höchststand des vom Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board ermittelten Konjunktur-Frühindikators LEI eine bessere Wertentwicklung als der Gesamtmarkt - von im Schnitt 22 Prozent. In den vergangenen drei Zyklen betrug dieser Vorsprung sogar durchschnittlich 47 Prozent.

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