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Ölaktien Die Rückkehr des schwarzen Goldes

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Der Tag der Wahrheit naht

In Reihen der Opec zeigt man sich entschlossen. Die beabsichtigten Produktionskürzungen werden den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht bringen, sagt Saudi-Arabiens Ölminister Khalid al-Falih. Der Ölminister Venezuelas, Eulogio Del Pino, geht fest davon aus, dass die Opec 700 000 Barrel pro Tag vom Markt nimmt. Hinzu kämen 500 000 Barrel von Nicht-Opec-Mitgliedern. Tag der Wahrheit ist der 30. November. Dann treffen sich die Opec-Minister in Wien.

Eine Schlüsselrolle spielt Saudi-Arabien. Das wichtigste Opec-Mitglied drehte den Ölhahn in den vergangenen Jahren bis zum Anschlag auf. Das Kalkül: Ein niedrigerer Ölpreis bremst die Lust, in anderen Regionen, etwa den USA, Öl aufwendig zu fördern. Dort trieben hohe Ölpreise und neue Fördertechnologien die Produktion bis Mitte 2015 auf 9,6 Millionen Barrel pro Tag. Gegenüber dem Amtsantritt Barack Obamas 2009 bedeutete das einen Anstieg um 92 Prozent.

Fördergesellschaften

Mit tiefen Taschen und den weltweit niedrigsten Produktionskosten hatten die Saudis einen längeren Atem als viele US-Schieferölproduzenten, denen mit Grenzkosten von etwa 70 Dollar pro Barrel die Puste ausging. Die US-Ölproduktion fiel vom Hoch um 1,2 Millionen Barrel zurück.

Doch auch wenn die Strategie der Saudis erfolgreich war – sie kam sie teuer zu stehen. Noch immer erwirtschaftet das Land etwa 80 Prozent seiner Einnahmen mit Öl. Für einen ausgeglichenen Haushalt wird ein Barrelpreis von mehr als 100 Dollar benötigt. Vor sechs Jahren reichten noch 70 Dollar. Der Ölpreisverfall sorgte 2015 für ein Budgetdefizit von 16,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Schon jetzt schrumpfen die saudischen Währungsreserven dramatisch, seit Mitte 2014 um ein Viertel auf zuletzt 553 Milliarden Dollar. Das sind Fakten, die tatsächlich für einen Strategiewechsel Saudi-Arabiens und der Opec insgesamt sprechen.

Ölservicegesellschaften

Ein stabiles Ölpreisniveau ist erreicht, wenn der Preis das Wachstum der Weltwirtschaft nicht hemmt und er zugleich hoch genug ist, dass die Ölindustrie wieder investiert. Letzteres passiert seit zwei Jahren kaum noch. Um nicht in die roten Zahlen zu geraten, haben Ölkonzerne ihre Ausgaben radikal zusammengestrichen. Multis wie ExxonMobil oder Royal Dutch Shell kürzten ihre Investitionsbudgets um 40 Prozent. Reine Förderer wie die unabhängige US-Gesellschaft Murphy Oil stutzten die Summe, die sie für Exploration und Produktion in die Hand nehmen, gar um mehr als 80 Prozent.

Nach Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) kürzte die weltweite Ölindustrie ihre jährlichen Kapitalausgaben 2015 um ein Viertel auf 583 Milliarden Dollar. Für 2016 rechnet die IEA mit einem weiteren Rückgang auf rund 450 Milliarden Dollar. Zwei Jahre in Serie mit immer weniger Investitionen hat es in der Ölindustrie seit 40 Jahren nicht gegeben. Die Folge: Es werden so wenig neue Ölvorkommen entdeckt wie zuletzt vor sieben Jahrzehnten. Deshalb können viele Unternehmen ihre Reserven nicht entsprechend auffüllen.

Die Riesen der Branche, die von der Erkundung über die Erschließung, Produktion, Raffination bis hin zur Tankstelle die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, halten sich noch in der Gewinnzone. Reine Förderer aber arbeiten bei Preisen von 50 Dollar und tiefer mit Verlust. Massiv verloren haben auch die Aktien von Servicegesellschaften, die Förderern Dienstleistungen von der Exploration bis zur Bohrung anbieten. Sie leiden besonders stark unter dem Investitionsstau, wären aber die größten Gewinner bei einer Trendwende.

Und die ist in Sicht. Das weltweite Überangebot könnte sich schneller abbauen als vielfach angenommen. Der weltweite Ölverbrauch nimmt noch unverändert zu – trotz erneuerbarer Energien, E-Autos und Klimaschutzversprechen. Ein effektiver Rückgang der Ölnachfrage gegenüber dem Vorjahr wäre ohnehin nur in einer schweren Rezession denkbar. Zwar steigt der zusätzliche Energieverbrauch längst nicht mehr so stark wie die weltweite Wirtschaftsleistung, aber noch reichen Effizienzgewinne nicht, um einen wachstumsbedingt höheren Ölverbrauch aufzufangen.

Einen steilen Anstieg von Ölpreis und den Kursen der Ölaktien bremsen könnten einzig die US-Schieferölförderer. Sie sind in der Lage, ihre Kapitalausgaben und Produktionsmengen rasch an Preisbewegungen anzupassen. Abzulesen ist das an der Anzahl der aktiven Bohrstellen in den USA. Seit Mai steigen sie wieder, von 408 auf 553. Im Jahr 2014 waren es allerdings schon einmal 1931. Da bleibt Luft nach oben.

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