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Ölfonds Norwegens Staatsfonds bereitet sich auf Handelsstreit vor

Yngve Slyngstad verwaltet den größten Staatsfonds der Welt. Jetzt will er herausfinden, welcher Schaden seinem Portfolio bei einem globalen Handelskrieg droht.

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Der Chef des Staatsfonds macht sich Sorgen über die Rolle Chinas in dieser neuen Weltordnung. Quelle: Reuters

Oslo Über eine Billion Dollar verwaltet Yngve Slyngstad. Der 55-Jährige ist der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Staatfonds, dem größten Staatsfonds der Welt. Als solcher ist er für Investments in mehr als 70 Ländern und 9000 Unternehmen auf der ganzen Welt verantwortlich. Mit einem Engagement in diesem Umfang analysiert er die Signale aus den USA und China genauer als die meisten anderen.

Aktuell überprüft Slyngstad, wie viel Schaden ein umfassender globaler Handelskrieg seinem Portfolio zufügen könnte. „Es ist durchaus möglich, dass es Brüche im Handel geben wird“, sagte Slyngstad in einem Interview mit Bloomberg TV in New York.

Norwegens Staatsfonds investiert die Öl-Erlöse des Landes im Ausland. Auf diese Weise besitzt er rund 1,4 Prozent der globalen Aktien. Weil er sich bei den Investitionen eng an die Aktienindizes hält, ist es gleichzeitig schwierig, sich den Störungen der Weltwirtschaft zu entziehen.

Vor allem die Rolle Chinas der Weltordnung bereitet Slyngstad Sorgen. Zudem hinterfragt er die Zukunft der globalen Lieferketten, die die Produktion bestimmen und auf die sich Unternehmen wie Apple verlassen, um iPhones in China herzustellen. „Die interessante Frage ist langfristig, ob die globalen Lieferketten neu konfiguriert werden“, sagte Slyngstad. „Ob das tatsächlich zu zwei regionalen Lieferketten führt: eine die auf die USA ausgerichtet ist, und eine für China. Oder werden wir noch, wie heute, eine globalisierte Lieferkette haben.“

Der Fonds hat in den letzten Jahren versucht, seine Investments auf der ganzen Welt gleichmäßiger zu verteilen. Er beteiligt sich dafür auf Märkten von Schwellenländern und stößt sogar in Frontier-Märkte vor. Den globalen Handelsstreit bekam er dadurch deutlich zu spüren, wie die Ergebnisberichte für das erste und zweite Quartal zeigen: Zuletzt verlor der Fonds mit Schwellenländeraktien 5,7 Prozent, mit chinesischen Aktien vier Prozent.

Der Fonds hat wenig Möglichkeiten, sich vor einem Handelskrieg zu verstecken,. Trotzdem bleibt er seinem Ziel treu, die Investments auf eine breitere Basis zu stellen. „Wir investieren einfach gleichgroße Anteile auf der ganzen Welt“, sagte Slyngstad.

Der Anlagehorizont des Fonds ist sehr langfristig und basiert auf der Erwartung, dass ethische Entscheidungen hier und jetzt wirtschaftlich sinnvoll sind. Mit Blick auf mehrere Generationen erwartet der Fonds, dass Aufmerksamkeit für den Schutz der Meere und des Klimas finanzielle Vorteile bieten. Der Fonds hat bereits Kohle-Investments ausgeschlossen und vorgeschlagen, all seine Öl- und Gasaktien abzustoßen, um die Gesamtabhängigkeit Norwegens vom Ölsektor zu reduzieren. Dies wird derzeit von der norwegischen Regierung geprüft.

Laut Slyngstad besteht für den Fonds kein Konflikt zwischen der Rettung der Umwelt und der Jagd nach guten Erträgen. Es gibt nur ein langfristiges Ziel: „Das ist der Versuch, Geld zu verdienen. Wir denken nur sehr langfristig darüber nach“, sagte er. „Deshalb betrachten wir das Gesamtrisikobild.“

Der Brexit beunruhigt Slyngstad übrigens weniger als der Handelsstreit. Er investiert weiterhin in Großbritannien und London, wo er in großem Umfang Immobilien besitzt, darunter einen erheblichen Teil der Regent Street – eine der Haupteinkaufsstraßen in der Hauptstadt.

„Unser Vertrauen in London ist stark“, sagte Slyngstad. „Nicht in erster Linie als Finanzzentrum, sondern als eine Welthauptstadt. Es gibt dort viele Aktivitäten, die für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind. Daher werden wir langfristige Investoren in London und Großbritannien im Allgemeinen sein.“

Was den Rest seiner Expansion in globale Städte auf der ganzen Welt betrifft, so hat sich diese in den letzten Jahren etwas verlangsamt. Der Fonds verfügt über ein Immobilienportfolio im Volumen von 26 Milliarden Dollar, das er auf rund sieben Prozent seines Anlagevolumens aufstocken will. „Wir haben die derzeitigen Preise nicht wirklich attraktiv gefunden, deshalb haben wir in den letzten Jahren nicht so viel investiert“, sagt Slyngstad.

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