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Ölmarkt Energieagentur warnt vor Öl-Engpass

Glaubt man dem BP-Chefökonomen, besitzt die Welt doppelt so viel Öl wie sie bis 2050 braucht. Trotzdem warnt die Internationale Energieagentur nun vor einem möglichen Angebotsengpass. Wie das zusammenpasst.

Die Internationale Energieagentur mahnt: Es muss in neue Ölfelder investiert werden. Quelle: dpa

Die Zahlen sind so immens, dass man sie sich eigentlich gar nicht vorstellen kann: 2,6 Billionen Barrel Öl schlummern unter der Erdoberfläche. Das ist genug, um den Öldurst der Welt bis 2050 zweimal zu stillen, erklärt der Chefökonom des britischen Ölkonzerns BP, Spencer Dale. Grundsätzlich ist genug Öl für alle da. Umso verwunderlicher wirkt es, dass die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem heute veröffentlichten Bericht „Oil 2017“ in den nächsten fünf Jahren vor einem drohenden Angebotsengpass warnt. So grotesk das auch wirkt: Es passt zusammen.

Ja, theoretisch reichen die Reserven, um die Welt zu fluten. Ob das passiert, hängt letztlich aber an den Unternehmen. Denn sie entscheiden, wie viel sie in neue Projekte investieren. Genau hier liegt das Problem: In den vergangenen beiden Jahren brachen die Investitionen drastisch ein, von knapp 800 auf nur noch rund 450 Milliarden Dollar pro Jahr. Für Ölimporteure kann das teuer werden.

Der Chef der IEA, Fatih Birol, zeigt sich beunruhigt: „Wir können in unmittelbarer Zukunft noch keinen Gipfel der Nachfrage erkennen. Sofern die Investitionen nicht anziehen, droht eine neue Ära schwankender Preise.“ Die IEA wurde in den 1970er-Jahren gegründet, als die Ölpreise drastisch stiegen. Die Agentur sollte als Vertreter der Industrieländer und ölimportierenden Staaten gewissermaßen als Gegenstück zum Ölkartell Opec agieren. Jährlich gibt die IEA neben dem „World Energy Outlook“ auch einen Ölausblick heraus.

Bis 2022 werde die weltweite Nachfrage nach Öl auf 103 Millionen Barrel pro Tag steigen, 7,3 Millionen mehr als heute. Vor allem in Asien, nicht zuletzt aus Indien, erwarten die Experten eine steigende Nachfrage. Doch die mögliche Förderkapazität droht zugleich nur um 5,6 Millionen Barrel zu wachsen. Schon in drei Jahren könnte dem Ölanalysten Spencer Welch von IHS Markit zufolge ein Engpass am Markt eintreten. „Aufgrund der Einschnitte bei den Investitionen besteht das ernstzunehmende Risiko einer Angebotsknappheit“, sagt Welch. Ein Grund dafür ist der niedrige Ölpreis. Der hat sich zuletzt zwar bei 55 Dollar stabilisiert. Doch um gleich eine Reihe neuer Investitionen anzuschieben, müsse er noch bis auf 80 Dollar klettern, glaubt Welch. Müssen wir trotz prall gefüllter Ölreserven nun doch drastische Preissteigerungen fürchten? Per Magnus Nysveen, Seniorpartner beim Beratungsunternehmen Rystad Energies, beschwichtigt. Zwar sieht auch er die ausbleibenden Investitionen mit Sorge. Dennoch glaubt Nysveen: „Preise jenseits von 150 oder gar 200 Dollar gehören der Vergangenheit an.“

Was Sie über den Ölpreis wissen müssen

Dies ist nicht zuletzt den amerikanischen Schieferöl-Unternehmen zu verdanken. Wie die jüngsten Monate zeigen, reagieren sie prompt auf steigende Preise. Dank stabiler Preise über 50 Dollar fördern die USA derzeit erstmals seit April 2016 wieder neun Millionen Barrel Öl pro Tag, mehr als die Hälfte davon stammt aus Schieferölquellen. Auch die Internationale Energieagentur erkennt darin einen mittelfristig anhaltenden Trend. In den nächsten fünf Jahren könnten zwischen 1,4 und drei Millionen Barrel Schieferöl aus den USA hinzukommen.

Damit gehören die USA neben Brasilien (1,1 Millionen Barrel) und Kanada (0,8 Millionen Barrel) zu den Ländern, die das Angebot maßgeblich ausweiten werden. Die 13 Mitglieder des Ölkartells Opec werden ihre Förderkapazität laut IEA-Prognose um knapp zwei Millionen Barrel ausweiten, allen voran der Irak.

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