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Ölmarkt Energieagentur warnt vor Öl-Engpass

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Nachfrage-Zenit an Industrieländern überschritten

Dennoch steht die Warnung der IEA nicht im kompletten Widerspruch zur Prognose des Öl-Überschwangs. „Es ist eben alles eine Frage des Preises“, erklärt Welch von IHS Markit. Zieht er weiter stabil an, dürften sich die Unternehmen wieder trauen, mehr zu investieren.

Hinzu kommt eine Reihe von Ungewissheiten am heutigen Ölmarkt. Da wäre etwa Donald Trumps Plan, die Regulierungen der Energiebranche in den USA zu lockern, was die Produktion anheizen könnte. Andererseits sieht die IEA durchaus die Möglichkeit, dass die Atomsanktionen gegen den Iran wieder aufgenommen werden könnten.

Zwar zeigen westliche Unternehmen heute Interesse daran, in Ölfelder des Irans zu investieren. Doch aufgrund der ungeklärten politischen Situation halten sie sich mit finalen Investmententscheidungen noch zurück.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Die staatliche saudische Ölfirma Aramco Quelle: REUTERS
Russland: Rosneft Quelle: REUTERS
Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin Quelle: REUTERS
Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation Quelle: dpa
China: Sinopec Quelle: REUTERS
Venezuelas PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas Quelle: Reuters
Venezuela: PDVSA Quelle: REUTERS

Ohnehin zeigen die Industrieländer heute schon, wohin die Reise gehen kann: In der OECD, also der Gruppe der Industrieländer, sinkt die Ölnachfrage bis 2022 voraussichtlich um 1,2 Millionen Barrel auf dann 45,5 Millionen Barrel pro Tag. Bereits seit 2005 hat die Nachfrage der Industrieländer ihren Zenit überschritten und sinkt langsam. Sogar in den USA, wo die niedrigen Ölpreise der vergangenen Jahre den Kauf spritfressender Geländewagen befeuert hat, wird die Nachfrage laut IEA höchstwahrscheinlich sinken. Möglich machen das nicht zuletzt effizientere Motoren. Weltweit kommt mehr als die Hälfte der Ölnachfrage aus dem Transportsektor.

Dies könnte ein erstes Zeichen dafür sein, dass die Nachfrage langfristig sinken könnte. Manch große Ölreservoirs müssten gegebenenfalls gar nicht angezapft werden. Spencer Welch, Ölanalyst von IHS Markit sagt: „Genauso wie die Steinzeit nicht deshalb geendet hat, weil es keine Steine mehr gab, wird auch das Ölzeitalter nicht deshalb enden, weil es kein Öl mehr gibt. Das Ölzeitalter wird enden, weil die Menschen andere Rohstoffe nutzen werden.“

Bis es soweit ist, dürfte aber noch eine Weile vergehen. Das zeigt das Beispiel der Elektromobilität: Natürlich taucht der Hype um die neue Antriebstechnik auch im Bericht der IEA auf. Immerhin waren die Zuwachsraten zuletzt immens. Fuhren 2015 noch 1,3 Millionen Elektroautos auf den Straßen der Welt, sollen es 2022 schon 15 Millionen sein, schätzt die IEA.

Das klingt viel. Doch der Effekt auf den Ölverbrauch wird bei weitem nicht so groß sein wie der Einfluss spritsparender Technologien. „Der Anteil von Elektrofahrzeugen wird 2022 bei etwa 1,1 Prozent aller Fahrzeuge liegen. Die Hälfte davon werden wiederum Hybrid-Fahrzeuge sein, die ebenfalls Benzin verbrauchen“, heißt es im Bericht der IEA. Unter dem Strich ersetze dieser Zuwachs bis 2022 gerade einmal 200.000 Fass Öl.

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