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Ölpreis„80 Dollar plus x sind das Ziel“

Rohstoffanalyst Eugen Weinberg sieht neben möglichen Sanktionen gegen den Iran nach einem Ende des Atom-Deals weitere Gründe für einen steigenden Ölpreis. Worauf Anleger jetzt wetten können.Martin Gerth 08.05.2018 - 16:21 Uhr

Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoff-Researchs der Commerzbank, im Interview mit WirtschaftsWoche.

Foto: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Herr Weinberg, heute entscheidet US-Präsident Donald Trump darüber, ob den Atom-Deal mit dem Iran aufkündigt und die Sanktionen wieder in Kraft setzt. Inzwischen produziert der Iran wieder so viel Öl wie vor den Sanktionen. Wie wird sich der Ölpreis entwickeln?
Das hängt zum einen davon ab, wie die Sanktionen ausgestaltet sind, also wie stark die Ölexporte aus dem Iran eingeschränkt werden. Zum anderen hängt es davon ab, wie viele der wichtigen Abnehmer iranischen Öls, also die EU, China, Indien, Korea, die Türkei und Japan, sich an den Sanktionen beteiligen. Die USA selbst beziehen kein Öl aus dem Iran. Je mehr Staaten sich bei den Sanktionen frei- und unfreiwillig beteiligen, desto größer ist der Preiseffekt. Momentan treibt vor allem die Unsicherheit über Trumps unberechenbare Politik den Ölpreis nach oben.

Könnte Saudi-Arabien die Lücke im Ölangebot füllen, die durch die möglichen Iran-Sanktionen entstehen?
Derzeit ist zweifelhaft, ob die Saudis das überhaupt füllen wollen. Sie haben auf kurze Sicht ein großes Interesse an einem steigenden Ölpreis, weil sie den Ölkonzern Saudi Aramco nur dann erfolgreich an die Börse bringen können, wenn das Barrel 80 Dollar oder mehr kostet. Zudem will Saudi-Arabiens Kronprinz, der neue starke Mann, dem Staat zusätzliche Einnahmen verschaffen. Inoffiziell sind 80 Dollar plus x pro Barrel Öl das Ziel der Saudis. Ablesbar ist an den aktuellen Produktionskürzungen. Saudi-Arabien gibt kurzfristigen Preissteigerungen den Vorrang vor einem langfristig stabilen Markt.

Es gibt Gerüchte, Saudi-Arabien wolle die weltweiten Ölvorräte auf den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre senken.
Dieses Ziel hat die OPEC bereits erreicht, wenn man die OECD-Lagerbestände betrachtet. Wieviel Rohöl in China gelagert wird, ist dagegen unklar. Überhaupt ist dieses Maß der Verfügbarkeit ziemlich willkürlich und wenig aussagekräftig, insbesondere wegen der extrem hohen Bestände zu Beginn der Periode. Wir sind überzeugt, dass die große Bedeutung, die die OPEC diesem Faktor beimisst, lediglich Mittel zum Zweck ist, weil sie dadurch den Markt von einer massiven Einengung des Angebots überzeugen möchte.

Könnten erneute US-Sanktionen den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran verschärfen und damit den Ölmarkt unter Druck setzen?
Durch die Kriege in Syrien und dem Jemen sowie dem Handelskrieg mit Katar und wenig diplomatischen Äußerungen von den beiden Seiten ist der Konflikt schon scharf. An einer weiteren Eskalation dürfte Saudi-Arabien kein Interesse haben. Der junge saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird als künftiger König die Geschicke im Nahen Osten noch über mehrere Jahrzehnte prägen. Deshalb wünscht er sich sicherlich langfristig Frieden und Stabilität, weil nur so ausländische Investoren kommen und die Geschäfte gedeihen.

Was spricht kurzfristig zusätzlich für einen steigenden Ölpreis?
Die Produktion in Venezuela ist auf dem niedrigsten Stand seit 1950. Sollte sich die politische Lage in dem Land mit den weltweit größten Ölreserven nicht ändern und sich die Wirtschaftskrise dort weiter vertiefen, könnte dies in den kommenden Monaten einen höheren Ölpreis stützen.

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