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Oliver Samwer Europas Internet-Branche braucht mehr Börsengänge

Oliver Samwer macht seinem Ruf alle Ehre: „Wir sind sehr hungrig“, sagt der Chef der Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet auf dem DLD in München. Er will auch einen breit angelegten Markteintritt in den USA nicht ausschließen.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer hofft auf eine Signalwirkung des Börsengangs seiner Startup-Schmiede Rocket Internet für die europäische Online-Wirtschaft. „Das ist gut für Europa. Je mehr Unternehmen an die Börse gehen, umso mehr kann man diesen europäischen Traum haben“, sagte Samwer am Montag auf der Internet-Konferenz DLD in München. „Die wichtigste Erfahrung des Börsengangs war: Es ist machbar.“ Das sollte anderen Unternehmen Mut machen.

Rocket Internet hatte bei dem Börsengang in Frankfurt im Oktober über 1,4 Milliarden Euro eingenommen. Die Aktie war zunächst unter den Ausgabepreis gestürzt, erholte sich inzwischen aber. Der Marktwert des Unternehmens liegt über 6,5 Milliarden Euro. Rocket Internet entwickelt weltweit junge Unternehmen vor allem im Bereich des Online-Handels.

Das sind die Börsenkandidaten 2015
windeln.deDer Online-Händler windeln.de, der auf Baby- und Kindersachen spezialisiert ist, will offenbar noch im ersten Halbjahr 2015 an die Börse. Das berichten Insider. Die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die Bank of America Merrill Lynch seien beauftragt worden, der Firma beim Börsengang zu helfen.Das frische Kapital soll dem Unternehmen Spielraum für seine weitere Expansion verschaffen. Die Banken wollen sich nicht zu den Plänen äußern, zunächst hatte das Wirtschaftsmagazin "BILANZ" über die Börsenpläne berichtet. Windeln.de wurde 2010 gegründet und schrieb 2014 bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro einen kleinen Gewinn. Quelle: dpa
SunriseDer zweitgrößte Telekom-Anbieter der Schweiz, Sunrise, darf sich wohl über einen erfolgreichen Börsengang freuen. Die Nachfrage der Anleger war so hoch, dass das Volumen der Sunrise-Aktien sogar um 300 Millionen auf 2,3 Milliarden Franken erhöht werden konnte. Mit 68 Franken je Aktie landeten die Papiere in der Mitte der Preisspanne, kletterten aber schon am ersten Handelstag, dem 6. Februar, um über elf Prozent auf 78 Franken. Mit dem Erlös will das Schweizer Unternehmen zunächst vor allem Schulden zurückzahlen. Zudem fließt Kapital in die Kassen des Haupteigentümers, Finanzinvestor CVC. Insgesamt lieferte Sunrise damit den größten Schweizer IPO seit acht Jahren. Quelle: REUTERS
Ferratum OyiDer finnische Finanzdienstleister hat Anfang Februar den Schritt auf das Frankfurter Börsenparkett gewagt. Mit einem Kursgewinn von bis zu acht Prozent ist das Debüt gelungen. Hinter Tele Columbus feiert Ferratum bereits den zweiten Frankfurter IPO 2015. Das 2005 gegründete Unternehmen aus Helsinki vergibt Kleinkredite über 25 bis 2000 Euro, die per Handy oder Internet sofort abgeschlossen werden können. Von dem Börsengang-Volumen von brutto rund 110 Millionen Euro sollen rund 48 Millionen an Ferratum fließen. Das frische Geld will das Unternehmen in neue Produkte und die Expansion in weitere Länder stecken. Zudem soll sich Ferratum vom reinen Kreditanbieter nach und nach zu einer mobilen Bank entwickeln. Quelle: dpa
Tele ColumbusDer drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus startet seinen bereits im Herbst angekündigten Börsengang. Wie das Unternehmen mitteilte, werden 51 Millionen Aktien zu zehn Euro das Stück ausgegeben. Das gesamte Angebotsvolumen liege damit bei 510 Millionen Euro, davbon 333 bis 367 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Erster Handelstag soll der 23. Januar sein. Mit dem Geld will Tele Columbus seine Schuldenlast senken und in den Ausbau der eigenen Kabelnetze investieren. Zusätzlich zur Kapitalerhöhung werden auch Altgesellschafter Aktien verkaufen. Beteiligt an Tele Columbus sind unter anderem Londoner Finanzinvestoren. Kerngebiet des Kabelnetzbetreibers ist Ostdeutschland. Auch in einigen westdeutschen Gegenden besitzt der Anbieter Kabelnetze. Quelle: Screenshot
EtsyEtsy, eine Online-Handelsplattform für Handgemachtes, will laut einem Bericht des US-Magazins mashable noch im laufenden Quartal an die Börse. Das Ebay für Heimwerker will mit der IPO rund 300 Millionen Dollar einsammeln. Über das gut zehn Jahre alte Portal wurden vergangenes Jahr Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar gehandelt. Quelle: Screenshot
Scout24 Schon vergangenes Jahr liebäugelte die Scout24-Gruppe, zu der Immobilienscout24, AutoScout24, die Datingseite FriendScout24 und das Finanzvergleichs-Portal FinanceScout24 gehören, mit dem Börsengang. Nachdem jedoch die Papiere von Zalando und RocketInternet ins Rutschen geraten waren, wurde es still um die IPO-Pläne. Doch Anfang 2015 könnte ein Börsengang durchaus wieder ein Thema werden. Das Unternehmen ist derzeit mit gut zwei Milliarden Euro bewertet und gehört Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent) und der Deutschen Telekom (30 Prozent). Quelle: Screenshot
Axel Springer Digital ClassifiedsEbenfalls Anfang 2015 soll die Online-Anzeigenbörse Axel Springer Digital Classifieds aufs Parkett. Eigentümer sind Axel Springer SE (70 Prozent) und General Atlantic (30 Prozent), bewertet wird das Unternhmen derzeit mit rund drei Milliarden Euro. Wie groß das Volumen des Börsengangs sein soll, ist noch offen. Quelle: dapd

Die Idee von Samwer und seiner Brüder Marc und Alexander ist, den Gründungsprozess mit Hilfe einer einheitlichen Plattform aufs Fließband zu stellen. „Die Sache mit den verschienen Kulturen in einzelnen Ländern wird überbewertet: E-Commerce funktioniert überall“, sagte Samwer. Aktuell arbeiten rund 50 Firmen unter dem Rocket-Dach. Sie schreiben bisher quer durch die Bank Verluste.

Fragen zur künftigen Strategie wich Samwer unter Hinweis auf die Mitteilungspflichten bei einem börsennotierten Unternehmen aus. Einen groß angelegten Markteintritt in den USA schloss er allerdings nicht aus. „Wir greifen nicht an. Wir könnten freundlich Amerika betreten. Nichts ist unmöglich“, sagte er auf die Frage nach Plänen für einen Angriff auf die Konkurrenz in den USA. Bisher sind nur einige wenige Rocket-Startups in den USA aktiv.

Zugleich machte Samwer keinen Hehl daraus, dass er seine Startups dynamischer als die etablierten Internet-Konzerne aus den USA findet. „Bei Google haben Sie eine Cafeteria mit Gratis-Getränken und Sushi - bei uns können Sie Unternehmen aufbauen“, beschrieb er die Perspektive für Neueinsteiger. Im Silicon Valley wird Rocket Internet oft vorgeworfen, Geschäftsideen aus den USA zu kopieren. Samwer kontert, die Herausforderung sei vor allem die Umsetzung einer Idee.

Diese Unternehmen machten nach der IPO dicht
HessKaum vier Monate nach dem Börsengang ist der Leuchtenhersteller Hess pleite. "Die Hess AG ist zahlungsunfähig", stellte der neue Alleinvorstand Till Becker fest und kündigte den Gang zum Insolvenzgericht an. Verhandlungen mit dem Großaktionär, der Familie Hess, über eine Kapitalspritze waren ebenso gescheitert wie Gespräche mit neuen Investoren. Diese fürchten die Risiken von Klagen verärgerter Aktionäre, die seit Oktober fast ihren ganzen Einsatz verloren haben. Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler waren vor drei Wochen unter dem Verdacht der Bilanzfälschung geschasst worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei dem Unternehmen aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs durch falsche Angaben im Börsenprospekt. "Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- beziehungsweise Fremdkapitalzufuhr durch Investoren", teilte der Hersteller von Straßenlaternen mit. Mit dem Insolvenzantrag rund vier Monate nach der IPO stellt Hess einen traurigen Rekord auf. So schnell gingen nicht einmal die Unternehmen vom Neuen Markt pleite. Quelle: dpa
GigabellAm 11. August 1999 ging der Internet- und Telefonanbieter Gigabell mit Sitz in Frankfurt an die Börse. Der Emissionspreis der Aktie lag bei 38 Euro, nur wenig später war das Papier - der Dotcom-Euphorie sei Dank - mehr als 130 Euro wert. Dann geriet das Unternehmen ins Trudeln. Am 15. September 2000 meldete Gigabell Insolvenz an. Damit begann das Ende des Nemax und der deutschen Dotcom-Blase. Quelle: dpa
Biodata Information TechnologyAuch das in der IT-Sicherheit tätige Unternehmen Biodata hielt nicht viel länger durch. Der Anbieter von Verschlüsselungssoftware und Netzwerkkomponenten ging im Jahr 2000 an die Börse. Die Aktie, ausgegeben zu 45 Euro, erreichte schon am ersten Tag astronomische Höhen von 300 Euro und mehr. Der Höchstkurs lag bei 439 Euro. Nur hatten diese Summe nichts mit dem tatsächlichen Wert des Unternehmens zu tun, Biodata schrieb laufend Verluste. Im November 2001 meldete das Unternehmen dann Insolvenz an. Quelle: dpa
Kabel New Media1993 gründete Peter Kabel das Unternehmen Kabel New Media, mit dem er 1999 auch an die Börse ging. Das Beratungsunternehmen erlitt ein ganz ähnliches Schicksal wie andere im Nemax gelisteten Firmen und hinkte mit den tatsächlichen Umsätzen den Entwicklungen an der Börse hinterher. Die Folge: Im Juli 2001 stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag, am ersten September 2001 wurde das Verfahren eröffnet. Gegen Geschäftsführer Kabel ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels, der Kursmanipulation und Insolvenzverschleppung. Im Juni 2007 stellt das Amtsgericht Hamburg das Verfahren gegen Peter Kabel wegen gegen eine Geldauflage von rund 14.000 Euro ein. Quelle: dpa
Brain InternationalDas Softwareunternehmen Brain International ging im Jahr 2000 im Segment "Neuer Markt" an die Börse. Nur zwei Jahre später, am 30.8.2002 eröffnete das Amtsgericht Freiburg das Insolvenzverfahren für die drei Gesellschaften Brain International AG, Breisach, Brain Automotive Solutions GmbH und Brain Industries Solutions GmbH.
Ceyoniq Die Bielefelder Softwarefirma Ceyoniq hielt nach dem Börsengang noch gut vier Jahre durch: 1998 wagte das Unternehmen den Schritt aufs Parkett, 2001 rutschte es in die Verlustzone. Rund 90 Millionen Euro Miese machten die Bielefelder, wiesen aber sämtliche Pleitegerüchte von sich. Auch die Aktie ging auf Talfahrt - bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Jahr 2002 hatte das Papier bereits 98 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die Vorstände der Ceyoniq AG kamen wegen Betrugsverdachts vorübergehend in Untersuchungshaft.
ComroadAuch Bodo Schnabel, Gründer der Comroad AG, beendete seine Karriere am neuen Markt in einer Zelle. Das Unternehmen, das Navigationsgeräte herstellte, startete am 26. November 1999 erfolgreich am Neuen Markt in Frankfurt und gehörte bald zu den Topwerten im Nemax. Anfang 2002 wurde dann bekannt, dass Comroad im großen Stil Scheingeschäfte getätigt hatte - und das bereits seit 1998. Rund 95 Prozent der Umsätze waren erfunden. Im April 2002 wurde Comroad wegen Bankrotts geschlossen, Vorstandsvorsitzender Schnabel landete in Untersuchungshaft. Quelle: dpa

Der 42-jährige Samwer machte bei seinem Auftritt insgesamt seinem Ruf eines aggressiven und ungeduldigen Managers alle Ehre. „Wir sind sehr hungrig“, beschrieb er Rocket Internet. „Es ist egal, wie gut jemand gestern war, wenn der Hospitant heute besser ist.“ Er selbst arbeite soviel wie nötig - und schlafe am liebsten in Flugzeugen, um Zeit zu sparen. Die Börsengänge von Rocket und des Modehändlers Zalando haben die Samwer-Brüder offiziell zu Milliardären gemacht.

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