Ottes Orderbuch

Gegen Kursschwankungen sind Anleger nahezu machtlos

Max Otte Quelle: dpa Picture-Alliance
Max Otte Ökonom, Professor

Die Kursschwankungen an der Börse spiegeln die Nervosität wider. Das ist seit dem Frühjahr auch beim Dax zu beobachten. Mit Zertifikaten können sich Anleger angeblich dagegen schützen. Aber das ist nur Spekulation.

Kursschwankungen Quelle: dpa

Volatilität - das ist in der Finanzwelt der Fachterminus für Kursschwankungen. Immer wieder höre ich Anleger und Finanzexperten über Volatilität diskutieren und wie wichtig es doch sei sich vor ihr zu schützen. Viele Anleger scheinen bei diesem Begriff geradezu in Panik auszubrechen. Welch gefundenes Fressen für die kreative Produktmaschinerie der Finanzindustrie. Es gibt zig Produkte die uns in teuren Hochglanzbroschüren und ganzseitigen Anzeigen in namenhaften Tages- und Finanzzeitungen versprechen, uns vor dieser Gefahr bewahren zu können.

Zur Person

Haben Sie schon einmal von Volatilitätsindizes gehört? Ein solcher Index bildet per Definition die „implizite Volatilität“ eines bestimmten Aktienindizes ab. So gibt es zum Beispiel den Index VDAX-NEW. Dieser bildet die „implizite Volatilität“ des Dax ab. Das Wort „implizit“ bedeutet, dass es hier nicht um historische oder aktuelle Volatilität geht sondern um die künftig erwartete. Kurse sind unvorhersehbar. Mir ist daher schleierhaft, wie der Kauf von Erwartungshaltungen – denn nicht anderes kaufen Sie mit einem Zertifikat, das einen solchen Volatilitätsindex abbildet – vor tatsächlichen Kursschwankungen schützen soll.

Meine Antwort: Gar nicht. Ob sich Erwartungen erfüllen, werden Sie immer erst hinterher, sozusagen mit Blick in den Rückspiegel, wissen.

Mich kümmert Volatilität recht wenig und die künftig erwartete erst recht. Für mich haben derartige Strukturprodukte nichts mit Kapitalanlage oder „Investieren“ zu tun. Weil sie nichts als eine Scheinsicherheit vorgaukelt, die auch noch zu Lasten der Rendite geht – denn jede Versicherung kostet – halte ich sie für nichts anderes als bloße Spekulation.

Wenn ein Minus von fünf Prozent schon Freude macht

Natürlich gibt es Aktien, die von Haus aus stärker schwanken können als andere und dies auch tun. Anleger sollten daher grundsätzlich zwischen Zyklikern und Langfristaktien unterschieden. Mit Zyklikern meine ich Aktien von Unternehmen, deren Ergebnisse von je her stärker schwanken können, etwa weil die Branche stark konjunkturanfällig ist. Dies ist zum Beispiel bei Automobiltiteln, oder auch Stahlwerten wie Salzgitter und Voestalpine, bei vom Goldpreis abhängigen Minenbetreibern wie Barrick Gold oder generell bei Rohstoffwerten der Fall. Unternehmen wie Nestle oder Beiersdorf hingegen, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen, die täglich konsumiert werden - egal ob das Konjunkturbarometer gerade Boom oder Flaute anzeigt -, entwickeln sich deutlich stabiler. Solche Langfristinvestments weisen daher in der Regel auch einen stabileren Kursverlauf auf.

Als Anleger muss man sich der Tatsache, dass Aktienkurse schwanken können, stets bewusst sein. Das einzige, was Sie an Risikomanagement tun können, ist, sich vor dem Kauf einer Aktie genau mit dem Unternehmen, dessen Qualität und der Bewertung am Aktienmarkt auseinanderzusetzen.

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Lassen Sie sich bei der Auswahl Ihrer Investments nicht von Scheinsicherheiten ablenken und konzentrieren Sie sich auf das wirklich Wesentliche: Gut aufgestellte Unternehmen mit gesunder Bilanz, verständlichem Geschäftsmodell und einer Bewertung, die in einem attraktiven Verhältnis zum unternehmerischen Risiko stehen.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

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