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Ottes Orderbuch

Langfristiges Anlegen erfordert viel Disziplin

Max Otte Quelle: dpa Picture-Alliance
Max Otte Ökonom, Professor

Langfristiger Erfolg an der Börse ist mehr als der Kauf von unterbewerteten Aktien und steigenden Kursen. Wie Sie frei von Stimmungsmache rationale Anlageentscheidungen treffen.

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Trader Quelle: dpa

„Value Investing is simple but not easy“ – diesen Satz hat Investmentlegende Warren Buffett einmal über die Kunst des Investierens gesagt. Er mein damit: Die Grundprinzipien des Value Investing sind zwar einfach zu verstehen – die meisten davon beruhen auf dem gesunden Menschenverstand – aber in der Praxis schwer umzusetzen.

Und tatsächlich. Für einen langfristigen Erfolg an den Börsen gehört mehr dazu, als nur unterbewerte Aktien kaufen und dann entspannt zu warten, bis die Kurse steigen. Neben Geduld sind noch weitere Disziplinen notwendig.

So sparen die Deutschen
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56 Prozent aller alleinstehenden Deutschen sparen regelmäßig Quelle: dpa
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Bei den Bundesländern ist Bayern das Land der Sparer Quelle: dpa

Die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Investieren ist die Frage nach der richtigen Vermögensaufteilung. Wer sich der Frage, wie viel Kapital wann in welche Vermögensklasse investiert werden sollte, ernsthaft stellt, dem wird schnell bewusst, dass dies mitunter nicht einfach zu beantworten ist. Dabei bildet Vermögensaufteilung das Rückgrat einer jeden Investmentstrategie und damit die erste entscheidende Disziplin für einen erfolgreichen Value Investing Prozess. Hier spielen vor allem auch persönliche Aspekte wie die eigene Finanzsituation oder die eigene Anlegerpersönlichkeit eine tragende Rolle. Gleichzeitig ist es wichtig, sich nur auf Anlageklassen zu konzentrieren, deren Struktur man selbst versteht und nachvollziehbar findet.

Zur Person

Privatanleger sollten keine Strukturprodukte kaufen

Für mich sind das nach wie vor die klassischen Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Immobilien, Termingelder, Edelmetalle. Eine Streuung auf diese Vermögensformen ist völlig ausreichend und schon komplex genug, wenn es um den optimalen Anlagemix geht. Von komplexen und in der Kostenstruktur häufig intransparente Strukturprodukten sollten vor allem Privatanleger die Finger lassen.

Treffen Sie Ihre Entscheidungen zudem möglichst frei von Emotionen. Von Natur aus ist unser Handeln stark von unserer Stimmung und unseren Gefühlen geprägt. So ist auch die „Börsenstimmung“ tagtäglich von den Launen, Ängsten und Hoffnungen und kursierenden Gerüchten seitens der Marktteilnehmer beeinflusst. Wer langfristig erfolgreich investieren will, sollte sich von einer solchen „Stimmungsmache“ jedoch frei machen und Anlageentscheidungen auf einer rationalen Basis und der Fundamentalanalyse des jeweiligen Unternehmens treffen.

Nicht vom Markt beeinflussen lassen

Dies ist oft leichter gesagt als getan. Oft haben wir Angst, „etwas an der Börse verpasst zu haben“. Oder wir fühlen uns dem schieren Drang ausgesetzt „doch etwas unternehmen zu müssen“, sollte sich der Kurs eines eingegangenen Investment lange nicht vom Fleck bewegen oder gar zwischenzeitlich in die falsche Richtung bewegen. Erfolgreiche Value Investoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich von der aktuellen Marktstimmung nicht in ihren Entscheidungen beeinflussen lassen. Sie treffen zu einem bestimmten Moment alleine auf Basis der Bewertung eine Kaufentscheidung, wenn für sie der Sicherheitsabschlag („Margin of Safety“) ausreichend genug ist. Dazu gehört selbstverständlich, dass ein Investor seine ursprüngliche Investmentthese immer wieder überprüft.

Value Investoren nehmen Risiken bewusst in Kauf

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Auch Value Investoren sind nicht unfehlbar. Auch die besten Anleger treffen ab und an Investmententscheidungen, die sie später, wenn sich ihre ursprüngliche These zum Beispiel aufgrund neuer Informationen oder einer veränderten Unternehmensentwicklung, nicht mehr als haltbar erweist, revidieren. Anders als die meisten Marktakteure interessieren sich Value Investoren aber nur bedingt für die täglichen Kurse. In dem Bewusstsein, dass Kurse nicht vorhersehbar sind und Markttiming schlichtweg unmöglich ist, begehen sie auch nicht den Fehler, ständig einen Blick in den Rückspiegel zu werfen.

Bei Kauf ist ihnen bewusst, dass der Kurs gegebenenfalls auch nach dem Kauf noch weiter sinken kann, bis der Markt das Potential der Aktie erkennt. Auch verkaufen sie bei Erreichen des Inneren Wertes oder einem angemessen Aufschlag darüber in dem Bewusstsein, dass die Aktie womöglich auch danach noch weiter steigen kann. Dieses „Risiko“ nehmen sie bewusst in Kauf, in dem Wissen dass nur eine disziplinierte Kauf- und Verkaufsstrategie langfristig für Erfolg an den Börsen verantwortlich ist und man nur so von emotionalen Fehlentscheidungen bewahrt werden kann.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

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