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Mittelstandsanleihen - alles andere als risikolos

Max Otte Quelle: dpa Picture-Alliance
Max Otte Ökonom, Professor

Für viele Privatanleger klingen Mittelstandanleihen nach einer sicheren, bezahlbaren und zugleich einträglichen Investition. Dabei platzt jede fünfte dieser Geldanlagen. Worauf Anleger achten sollten.

Illustration Aktienkurs Quelle: Fotolia

„Mittelstandsanleihe“ – dieses Wort klingt gut und suggeriert sicher nach wie vor bei vielen Privatanlegern Sicherheit und Solidität. Schließlich ist der Mittelstand – und damit mittelständische Unternehmen – nach wie vor eine wichtige Säule unserer deutschen Wirtschaft. Mit dieser Säule haben sogenannte „Mittelstandsanleihen“ jedoch nicht das Geringste zu tun. Diese Anleihen werden meistens nämlich entweder von kleinen neuen Unternehmen mit noch unerprobten und riskanten Geschäftsmodellen – und damit eben alles andere als etablierte Mittelständler – herausgegeben oder von mittelständischen Unternehmen, die tief in der Krise stecken.

Die Emissionsvolumina bewegen sich oft im Bereich von 30 bis maximal wenige hundert Millionen Euro. Und anders als bei Anleihen von Großunternehmen sind Mittelstandsanleihen oftmals schon ab einer Stückelung von vielleicht 1.000 Euro zu haben. Dies macht sie quasi für jeden, und damit gerade für den kleinen mittelständischen Anleger, so „erschwinglich“.

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Doch genau darin liegt die Gefahr. Welche Risiken diese Anleihen bergen zeigt nicht zuletzt eine Statistik vom vergangenen Jahr über bisherige Totalausfälle solcher Anleihen, bedingt durch Insolvenzanträge der schon bei Produktemission angeschlagenen Emittenten. Nicht nur der Konkurs der „Traumschiff“-MS Deutschland Beteiligungs GmbH ließ den Traum vieler Privatanleger wie eine Seifenblase zerplatzen. Von rund einhundert am Anleihenmarkt vertretenen mittelständischen Unternehmen, waren mit Stand November 2014 schon mehr als 20 zahlungsunfähig und in einem entsprechenden Insolvenzverfahren.

Zwar ist die Neuemission von Mittelstandsanleihen seit Bekanntwerden dieser Pleitewelle deutlich zurückgegangen, aber nach wie vor werden neue herausgegeben, und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis „Gras über die Sache gewachsen ist“ und hier ein neuer Boom auf Kosten der Kleinanleger entstehen kann. So hat zum Beispiel die zur Katjes-Gruppe gehörende Beteiligungsgesellschaft Katjes International & Co KG im Mai dieses Jahres über eine neue Anleihe 60 Millionen Euro eingesammelt. Begründet wird diese Kapitalmaßnahme vom Unternehmen selbst mit der Absicht, hierüber die Wachstums- und Expansionsstrategie der Unternehmensmarken auszubauen.

Die spektakulärsten Pleiten 2014
Stadtwerke GeraWas bislang in Deutschland als undenkbar galt, ist im Sommer 2014 erstmals eingetreten: In Gera, der mit 95.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Thüringens, haben die Stadtwerke Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter Michael Jaffé aus München, der schon das Insolvenzverfahren von Kirch-Media betreut hat, setzt seither auf eine Sanierung der Stadtwerke, in deren Sogwelle auch der Verkehrsbetrieb und die Flugbetriebsgesellschaft Insolvenz anmelden mussten. Busse und Bahnen fuhren zwar unverändert weiter, aber Jaffé arbeitete Sparkonzepte aus, um den Zuschussbedarf für den Betrieb zu senken. Außerdem lotet er den Einstieg privatwirtschaftlicher Investoren aus und plant den Verkauf von Anteilen an einer Wohnungsbaugesellschaft. Die Folgen der Pleite reichen indes weit über die Grenzen von Gera hinaus. Auch in andere Kommunen ist die Schuldenlast drückend, gelten Insolvenzen städtischer Tochtergesellschaften nach Gera-Exempel nicht mehr als ausgeschlossen. Damit könnten zugleich aber auch Fragen nach der Absicherung und Eigenkapitalunterlegung von Bankkrediten an öffentliche Unternehmen auf die Agenda rücken. Quelle: dpa
Burger King GmbHNach monatelangen Querelen reichte im Dezember der größte Betreiber von Burger King Restaurants in Deutschland einen Insolvenzantrag ein. 89 Schnellrestaurants mit 3000 Mitarbeitern sind betroffen. Sie hatten schon im November schließen müssen,  nachdem die Burger-King-Zentrale dem Franchisenehmer Yi-Ko nach Schlagzeilen um Hygienemängel und schlechte Arbeitsbedingungen fristlos gekündigt hatte. Der vorläufige Insolvenzverwalter Marc Odebrecht erreichte eine schnelle Einigung mit Burger King und die Wiedereröffnung der Restaurants. Die insolvente Gesellschaft soll nun verkauft werden.   Quelle: dpa
ProkonDie Insolvenz des Windkraftunternehmens Prokon war nicht nur ein Schock für die Beschäftigten. Betroffen waren auch rund 74.000 Anleger, die insgesamt 1,4 Milliarden Euro in das Unternehmen investiert hatten. Sie werden nach Angaben von Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin wohl rund die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals verlieren. Penzlin will Prokon über ein Insolvenzplanverfahren sanieren und sondiert derzeit die Möglichkeit, den Konzern als Genossenschaft weiter zu führen. Quelle: dpa
WeltbildEine Debatte um erotische und esoterische Literatur stürzte das Verlagshaus Weltbild ab 2011 in eine tiefe Krise. Weltbild geriet ins Abseits, dann drehte die Kirche den Geldhahn zu. Anfang 2014 musste der defizitäre Verlag Insolvenz anmelden. Für die Beschäftigten begann ein Jahr der Ungewissheit: Ein interessierter Käufer sprang kurz vor einem Vertragsabschluss wieder ab. Doch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz konnte einen neuen Kaufkandidaten aus dem Hut zaubern: Im Sommer übernahm die Düsseldorfer Droege Group den Verlag und kündigte weiteren Jobabbau an. Knapp ein Drittel der einst mehr als 3500 Stellen war zu diesem Zeitpunkt bereits weggefallen. Quelle: dpa
MS DeutschlandDie finanzielle Havarie der als ZDF-„Traumschiff“ bekannten MS Deutschland wurde im Oktober offenkundig. Die Geschäftsführung der MS-Deutschland-Beteiligungsgesellschaft stellte beim Amtsgericht Eutin Insolvenzantrag. Auf dem Schiff lasten Schulden von rund 56 Millionen Euro, davon sind 50 Millionen Anleiheschulden und drei Millionen Euro Zinsen. Wie viel die Anleger davon wiedersehen werden, hängt vom Verkaufserlös des Schiffes ab, den der Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber erzielen kann. Quelle: dpa
MifaMifa, der größte deutsche Fahrradhersteller meldete Ende September Insolvenz an. Zuvor war eine Vereinbarung mit der indischen Hero Cycles gescheitert. Hero sollte eigentlich mit mindestens 15 Millionen Euro bei dem Unternehmen einsteigen. Zuletzt machte Mifa 13,2 Millionen Euro Verlust. Zudem kamen Fehler in der Bilanzierung ans Licht. So wurde Investoren 2012 und 2013 ein profitables Geschäft vorgegaukelt, das es so nie gegeben hat. Die Insolvenz trifft auch Mifa-Großaktionär Carsten Maschmeyer. Statt ihm steuert nun Insolvenzverwalter Lucas Flöther das Unternehmen. Quelle: dpa
StrenesseDer Nördlinger Modehersteller Strenesse stellte im April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Grund für den Schritt waren drückende Altlasten, die die Sanierung des Unternehmens behinderten wie der Strenesse-Vorstand erklärte. Seither mühen sich Sanierungsexperte Michael Pluta und der Sachwalter Jörg Nerlich um die Rettung des Modeunternehmens. Von der Insolvenz sind mehr als 350 Beschäftigte betroffen. Quelle: dpa

Das klingt gut. Von den 60 Millionen Euro neuer Gelder flossen jedoch 45 Millionen in die frühzeitige Rückzahlung der in 2011 herausgegebenen und von den Konditionen her fürs Unternehmen teureren Anleihen.

 Es gibt tatsächlich auch Emittenten von Mittelstandsanleihen, denen damit der Turnaround gelingt. Für den Getränkehersteller Berentzen sieht es derzeit nicht schlecht aus. Die bislang vorgelegten Quartalszahlen lassen jedenfalls hoffen. Während das Absatzvolumen im Segment „Alkoholfreie Getränke“ zwar hinter den Vorjahresergebnissen zurückliegt, konnten die Ergebnisse in den Segmenten „Spirituosen und Frischsaftsysteme“ erfreulich zulegen. Noch ist es aber ein steiniger Weg.

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Insgesamt sollten Anleger äußerste Vorsicht bei Mittelstandsanleihen walten lassen und sich nicht von Hochglanzprospekten und um mehre Prozentpunkte höhere Zinsen als bei herkömmlichen Anleihen blenden lassen. Die Risiken sind erheblich. Dazu stehen die paar mehr Prozentpunkte versprochene Rendite in keinem adäquaten Verhältnis. Schon alleine die Bonität der meisten Papiere liegt zwischen B und CCC. Das heißt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten über 20 Prozent liegen. Damit handelt es sich um riskante Zocks, die nicht in die Hände von Privatanlegern gehören. Dann doch lieber Aktien solider Unternehmen, die über starke Marken verfügen und zuverlässig Dividenden von drei, vier und mehr Prozent abwerfen.

 

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

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