Ottes Orderbuch

Private Equity - Höhere Renditen Fehlanzeige

Max Otte Quelle: dpa Picture-Alliance
Max Otte Ökonom, Professor

Immer wieder ist von der "Wunderwaffe Private Equity“ als Alternative zu Aktieninvestments zu hören. Doch die Wunderwaffe hat auch Nachteile.

Die größten Finanzinvestoren
FinanzinvestorenDer Topf- und Besteckhersteller WMF gehört seit Mitte 2012 dem Finanzinvestor KKR. Der amerikanische Eigner war einst Pionier der Idee des Private-Equity-Investors. Die Idee: Firmen mit Wachstum- oder schlummernden Einsparpotenzialen aufkaufen, auf Rendite trimmen und mit Gewinn weiterverkaufen. In der Finanzkrise gerieten die als „Heuschrecken“ verschrieenen Investoren unter die Räder, da sie viele Zukäufe mit Kredit finanziert haben. Unsere Übersicht zeigt, wer bei Investoren am meisten Geld eingesammelt hat, um als Firmenjäger durch die Welt zu ziehen. Quelle: dpa
Platz 10 mit 10,8 Milliarden Euro Volumen:CVC Capital Partners ist eines der führenden internationalen Private-Equity-Unternehmen. Es wurde 1981 gegründet und ist heute mit 19 Niederlassungen und über 130 Investment Professionals in Europa, Asien und den USA präsent. Im Juli 2008 wurde der CVC European Equity Partners V Fonds geschlossen, der auf Platz 9 im Ranking landet. Zu den größten Beteiligungen des Unternehmens gehörte 2005 der Kauf von 86 Prozent der Anteile am Unternehmen SLEC Holdings, der Unternehmensgruppe, die die Formel 1 betreibt. Ein Jahr später erwarb CVC die übrigen 14 Prozent. In Deutschland ist CVC an Unternehmen wie Elster Group, Ista, Flint, Evonik Industries AG (25,01 Prozent seit 2008) und der Metzeler Automotive Profile Systems beteiligt. Quelle: PR
Platz 9 mit 14,7 Milliarden US-Dollar:Nicht ganz so erfolgreich wie der Vorgänger-Fonds, aber immerhin Platz 9 im Ranking. Im Dezember 2008 wurde der Apollo Investment Fund VII mit einem Volumen von 14,6 Milliarden US-Dollar geschlossen. Obwohl die Kapital-Sammelaktion mehr als 16 Monate dauerte, wurde das 15-Milliarden-Dollar-Ziel knapp verfehlt. Quelle: dpa
Platz 8 mit 15,4 Milliarden US-DollarSeit der Gründung der Texas Pacific Group 1992 hat das Unternehmen mehr als 57,5 Milliarden Dollar mit 18 verschiedenen Fonds eingesammelt. Im Ranking sind gleich zwei TPG-Fonds vertreten: Platz 7 belegt der im Jahr 2006 mit einem Volumen von 15,4 Milliarden US-Dollar geschlossene Texas Pacific Group Partners V. Trotz der beeindruckenden Größe der Fonds haben sie nicht immer eine positive Performance hingelegt. So verstieg sich der Fonds in einem Engagement in den Finanzdienstleister Washington Mutual, der 2008 teilweise kollabierte. Gemeinsam mit dem Folgefonds TPG Partners VI verlor TPG Partners V insgesamt 1,35 Milliarden Dollar. Ein bekanntes Investment von TPG in Deutschland: der Armaturenhersteller Grohe. Quelle: REUTERS
Platz 7 mit 16, 2 Milliarden US-Dollar:Mit rund 16 Milliarden Dollar ist Blackstone's Capital Partners VI der siebtgrößte Fonds, der jemals von Finanzinvestoren initiiert wurde. Ursprünglich wollte Blackstone (im Bild Verwaltungsratschef Stephen Schwarzman) das Geld für den neuen Fonds bereits bis Mitte 2010 eingesammelt haben. Das Interesse der Investoren an Private-Equity-Fonds hat nach der US-Hypothekenkrise jedoch nachgelassen, sodass sich der Abschluss der Kapital-Sammelaktion auf Anfang 2012 verschob. Einen Teil des Geldes hat Blackstone in Emdeon, einen drei Milliarden US-Dollar teuren IT-Dienstleister der Gesundheitsbranche investiert. Zu den Großanlegern des BCP VI gehören unter anderem einige große Pensionsfonds. Beispielsweise sind Gelder für die Altersversorgung der kalifornischen Staatsdiener in den Fonds geflossen. Quelle: REUTERS
Platz 6 mit 17,6 Milliarden US-DollarMit diesem Fonds tätigten Henry Kravis (Mitte) und seine Partner einen der größten fremdkapitalgestützten Käufe der Geschichte. Der Kohlberg Kravis Roberts – KKR Fund 2006 war einer der ersten großen Buyout-Fonds der New Yorker Gesellschaft und gemeinsam mit der Texas Pacific Group (heute TPG) akquirierte KKR darüber TXU, Texas größtes Energieunternehmen. Der Deal erwies sich rückblickend als fatal, das Unternehmen stand 2012 vor dem Bankrott. Der KKR Fonds 2006 investiert typischerweise in Konsumprodukte, auch Supermarkt-Portfolios, außerdem im Versicherungswesen, im Kommunikations- und Unterhaltungsbereich wie auch elektronischen Medien und in der Gesundheitsversorgung. 2012 hinkte der einst so furios gestartete Fonds bezüglich der internen Ertragsrate dem Branchenschnitt hinterher, ein neu aufgelegter KKR Fonds in diesem Jahr bekam außerdem nur knapp die Hälfte des Investitionskapitals des 2006er Fonds zusammen. Beobachter schätzten, dass die Lust der Anleger auf Megadeals jenseits der zehn Milliarden Dollar-Grenze in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Insgesamt konnte KKR in den vergangenen zehn Jahren 51,9 Milliarden Dollar für das Private Equity Geschäft einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 5: 11,2 Milliarden Euro Auch hier lässt sich Geld verdienen: Gesundheitsversorgung gehört zu den fünf Kerninvestmentbereichen der Londoner Kapitalbeteiligungsgesellschaft Apax. Die Firma führt mit dem 2007 in die Investitionsphase gestarteten Apax Europe VII Fund den größten Investmentfonds Europas – und den viertgrößten der Welt. Das Private Equity Portfolio von Apax beinhaltet den Schuh- und Accessoire-Hersteller Cole Haan, die nordamerikanische Versicherungsgruppe HUB International und die General Healthcare Group Großbritanniens größten Krankenhausbetreiber. Bis 2005 gehörte der in den 80ern als kleines Venture Capital gestarteten Kapitalbeteiligungsgesellschaft übrigens auch die Fastfood-Kette Nordsee. Das Unternehmen hatte sie 1997 von Unilever erworben und verkaufte sie dann an den Besitzer der Bäckereikette Kamps. Während Apax mit dem stärksten Fonds-Schluss im Krisenjahr 2008 aufwarten konnte, hatte die Gesellschaft in den vergangenen Jahren auch viele Probleme. Apax Europe VII wies laut dem Washington State Investment Board Ende 2012 nur knapp 2,8 Prozent Ertragsrate auf, zudem herrschte eine hohe Personalfluktuation: Knapp die Hälfte der Händler in verantwortlichen Positionen hatten laut Reuters das Unternehmen zwischen 2007 und 2012 verlassen. 2013 hingegen lag die Ertragsrate bei 4,3 Prozent. Quelle: dpa
Platz 4 mit 18,4 Milliarden Dollar Volumen:Das Portfolio des erst Anfang Januar geschlossenen Investment Fonds VIII von Apollo Global Management soll 25 Firmen in den „Kernbereichen“ von Apollo umfassen. Dazu gehören laut Apollo Chemikalien, Vertrieb und Transport, Finanzdienstleistungen, produzierendes Gewerbe, Medien, Freizeit, natürliche Ressourcen, Verpackungen und Kommunikation – also so ziemlich alles. Leon Black, CEO bei Apollo sagte zum Start der Investitionsperiode „Wir sind sehr dankbar für die überwältigende Unterstützung für Fonds Nummer 8, die sich in signifikanten Anlagen relevanter internationaler Investoren zeigt, deren Kreis sich sowohl aus dem Lager langjähriger Partner als auch aus vielen neuen Investoren zusammensetzt.“ Mit 18,4 Milliarden Dollar Volumen, das sich aus 17,5 Milliarden Dollar Investorenkapital und knapp 900 Millionen Dollar aus Management- und Partnerkreisen von Apollo zusammensetzt, ist Apollo Fonds VIII der größte Fonds, der seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 gestartet wurde. Quelle: REUTERS
Platz 3 mit 18,9 Milliarden Dollar Volumen:Er ist einer der Mitbegründer der TPG Investment-Group: David Bonderman, hier bei einer Pressekonferenz 2005. Der erfolgreichste TPG-Fonds ist der 2008 geschlossene TPG Partners VI, der 18,9 Milliarden US-Dollar Volumen hat. Er ist auf Nordamerika und Asien spezialisiert und investiert vor allem in Firmen im Technologie- und Telekommunikationsfirmen. In dem Fonds sind besonders viele institutionelle Anleger involviert, so hat der New York State Common Retirement Fund 300 Million Dollar angelegt, das California Public Employees’ Retirement System ging sogar mit einer Milliarde Dollar ins Rennen. Das Pennsylvania State Employees’ Retirement System gab etwa 400 Million Dollar hinein. Mit 2,5 Milliarden Dollar ist die chinesische Behörde zur Aufsicht des Devisenhandels und des Handels auf internationalen Märkten, die State Administration of Foreign Exchange. Quelle: REUTERS
Platz 2 mit 20,3 Milliarden US-Dollar:Goldman Sachs Merchant Banking Division ist nur einer der Private Equity Arme von Goldman Sachs, neben Goldman Sachs & Partners, and Goldman Sachs AIMS Private Equity. Doch von den 54.4 Milliarden US-Dollar, die die Gesellschaft im zurückliegenden Jahrzehnt eingesammelt hat, geht der größte Batzen auf die Merchant Banking Division zurück: 53,2 Milliarden. Der größte Fonds ist mit 20,3 Milliarden US-Dollar Volumen der GS Capitals Partners VI Fonds der Division. Er umfasst eine Reihe von Transaktionen, zum einen fremkapitalfinanzierte Akquisitionen, Rekapitalisierungen und Wachstumsinvestments in bestehende Firmen. Quelle: REUTERS
Platz 1 mit 21,7 Milliarden US-Dollar:Aus den größten Erfolgsjahren der Finanzinvestoren-Branche rührt auch der größte Fonds. Von Januar 2005 bis Mitte 2006 sammelte Blackstone Geld dafür ein. Quelle: Preqin Quelle: AP

Anders als bei Aktien, die an Börsen frei handelbar sind, versteht man unter „Private Equity“ die Beteiligung an privaten Firmen, die keine Aktien ausgegeben haben und entsprechend auch nicht an Börsen handelbar sind. Nicht selten stellt der Kapitalgeber sein Kapital dabei jungen und innovativen Startups zur Verfügung. Das Risiko ist hier zwar oft hoch, der Kapitalgeber verspricht sich aber als Entschädigung enorme Wachstumsraten. Im Fachjargon heißt dieses Risiko- oder Wagniskapital auch „Venture Capital“. Letzteres hat mit wertorientiertem Investieren rein gar nichts zu tun.

Und selbst wenn es bei Private Equity nicht um ein solches Risikoinvestment geht, so hat auch dies mit langfristigem und nachhaltigem Investieren nichts gemein. Im Gegenteil, eine neue Studie von Roman Kräusel, Professor an der Luxembourg School of Finance, räumt endgültig auf mit dem Mythos um Privat Equity und enthüllt, dass die angebliche „Wunderwaffe Private Equity“ in Wahrheit gar keine höheren Renditen als der Aktienmarkt erzielt hat. Auch die Aktien börsennotierter Private-Equity-Gesellschaften wie KKR, Carlyle oder Blackstone haben sich bislang nicht als rentabel für Anleger erwiesen. Sie blieben allesamt haushoch hinter der Entwicklung des S&P 500 zurück.

Früher hieß „Private Equity“ eigentlich „Leveraged Buyout“. Dieser Begriff hat den eigentlichen Vorgang – die Übernahme von Firmen mittels sehr viel Fremdkapital, die anschließend gnadenlos ausgeschlachtet wurden, so dass das Geld schnell an den vermeintlichen „Investor“ (Geldgeber) zurückfloss – nicht nur viel trefflicher beschrieben, er machte Firmen wie KKR und Blackstone bekannt und deren Firmengründer zu regelrechten Legenden.

Neuer Name, neuer Boom

Weil die Branche aber nach dem Ende der Achtzigerjahre in eine Flaute geriet und „Leveraged Buyout“ auch nicht gut klingt, benannte man sich in „Private Equity“ um. Mit der Geldschwemme der späten Neunziger und vor allem der 2000-er Jahre wurde Private Equity dann erneut populär. Family Offices und große, institutionelle Anleger zahlten den Private-Equity-Firmen saftige Gebühren, um ihre Gelder für Zeiträume von zehn Jahren in die vermutlichen Wunderfonds zu stecken.

Es ist ein Geschäft der Reichen und der professionellen Geldverwalter: Private-Equity-Gesellschaften müssen weniger streng bilanzieren als börsennotierte Gesellschaften. Sie nutzen das Kapital der Anleger, um dann die übernommenen Unternehmen noch mit Schulden zuzuknallen. Eigentlich eine ziemlich sichere Sache. Weil so viel Geld im Umlauf ist, haben aber die Gesellschaften in den letzten Jahren immer höhere Preise bezahlt - Preise, die wir als Value Investoren nicht zahlen würden.

Zur Person

Die angeblichen Überrenditen, die sogenannte Private Equity Fonds versprachen, flossen ausschließlich in die Taschen der Initiatoren und in die unzähliger Finanzbürokraten. Der Anleger blieb jedoch auf der Strecke. Vor allem Privatanleger wurden mächtig zur Kasse gebeten und sorgten nur noch mehr für einen Geldsegen bei den Emittenten dieser Produkte. Da man als (Privat-)Anleger häufig gar keinen direkten Zugang zu den Privat Equity Fonds selbst erhielt -  das war oftmals nur Institutionellen ab einem Investitionsvolumen von zehn oder 20 Millionen möglich – wurden für Privatanleger noch extra Dachfonds aufgelegt. Damit auch der Kleininvestor von der Wunderwaffe des Private Equity „profitieren konnte“ wurde ihm dank Dachfondsstruktur neben den sowieso schon hohen Private Equity Gebühren auch noch zusätzlich Dachfondsgebühren und hohe Vermittlungsprovisionen aufgebrummt.

In Arbeit
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Warum wurde dennoch so viel in Private Equity investiert? Dies ist ein klar angebotsgetriebener Markt. Es ist billiges Geld vorhanden, es gibt große Vermögen und viele findige Banker oder Finanzmanager, die Produkte für ihre Kunden brauchen. Weil Geld bei Private Equity zehn Jahre lang fest angelegt ist, merken die Investoren auch die Schwankungen an der Börse nicht. Eigentlich ein Unding: jede Bank muss die Schwankungen ihrer Wertpapierbestände bilanzieren, die Private-Equity-Gesellschaften aber nicht. So ist Private Equity sehr bequem für die Finanzbürokraten in Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices. Ja, wir leben in einer Gesellschaft, in der sich das Geld um sich selber dreht.

Glücklicherweise ermöglicht dies für uns normal gebliebenen Investoren immer wieder Chancen, weil Private-Equity-Gesellschaften eben selten oder gar nicht an gut geführte börsennotierte Gesellschaften herangehen. Wir als Privatanleger müssen im Gegensatz zu den Finanzbürokraten in den Family Offices, Private Equity-Gesellschaften und Pensionskassen unsere Risiken selbst tragen. Wenn wir aber klug investieren und die Schwankungen aushalten, können wir durchaus besser sein als die Finanzbürokraten.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

 

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