Ottes Orderbuch

Wie Sie interessante Aktien aufspüren

Max Otte Quelle: dpa Picture-Alliance
Max Otte Ökonom, Professor

Die Auswahl der richtigen Aktie ist schwierig, aber fallende Kurse oder schwache Zahlen können Hinweise zum Einstieg sein. Warum es sich lohnt, da hinzusehen, wo alle anderen gerade wegsehen.

Aktienkurse Quelle: dpa

Es gibt abertausende von Aktien und mehr als 100 Börsenplätze auf dieser Welt. Selbst wenn Sie sich nur auf die größten Börsenplätze dieser Welt, wie New York Stock Exchange (NYSE), Nasdaq, London oder Tokio halten – ist die Auswahl an handelbaren Aktien schier endlos. Alleine die Deutsche Börse in Frankfurt listet nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Aktien. In diesem Aktiendschungel die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen wirkt häufig wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Mit dem richtigen Suchprozess muss das allerdings nicht so sein. Von vielen Marktteilnehmern wird die Suchstrategie häufig irrtümlich mit der Aktienentscheidung gleichgesetzt. Dabei steht die Suche der wichtige Schritt vor der Titelauswahl. Bei einem guten Suchprozess kommt es nicht zwingend auf eine hohe Komplexität an. Im Gegenteil, schon einfache Systematiken können die Suche nach potenziellen Aktienkandidaten erheblich erleichtern.

Zur Person

Wie bei der nachfolgenden Titelselektion sollten auch beim Suchprozess Emotionen möglichst keine Rolle spielen. Während die reine Kursentwicklung – schon gar nicht steigende Kurse – keinesfalls alleine eine Kaufentscheidung begründen sollte, kann das Filtern nach hohen Kursverfällen bei der Suchstrategie ein absolut legitimer und nützlicher Ansatz sein.

Filter analysieren

Sind auf diese Weise mögliche Kandidaten aufgespürt, gilt es im zweiten Schritt diese potenziellen Anlageideen sehr genau zu analysieren und den Grund für den Kursverfall unter die Lupe zu nehmen. Gewinnwarnungen führen oft zu kurzfristigen Überreaktionen am Markt. Doch nicht jedesmal, wenn das Management seine vorher gesteckten Ziele nicht ganz erfüllen kann steckt ein Unternehmen auch in einer ernsthaften und langfristigen Krise.

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Ein weiteres Beispiel: Am Ende des vergangenen Jahres verzeichnete die Stammaktie des weltweit größten unabhängigen Herstellers von Schmierstoffen – Fuchs Petrolub - einen Kursrutsch von 33 auf rund 25 Euro. Einziger Grund des herben Absturzes: die Gewinnprognose wurde wegen Währungsverlusten gesenkt. Die Wettbewerbssituation war unverändert und auch insgesamt stand das Unternehmen weiter sehr gut da. Wer zu diesem Zeitpunkt Kenntnisse über den fundamentalen Wert des familiengeführten Unternehmens hatte, konnte vom folgenden Kursanstieg profitieren.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Gegenwärtig kommt Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway etwas unter Druck. Aufgrund des schwächeren Quartalergebnisses resultierend aus den schwierigen Rahmenbedingungen des Versicherungsgeschäfts macht sich Enttäuschung im Markt breit. Jedoch konnte Buffett den Buchwert in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent pro Jahr steigern. Berkshire Hathaway verfügt über ein breites Portfolio nicht börsennotierter, attraktiver Unternehmen – deren immaterieller Wert wird in der Bilanz trotz Buchwertanstieg konservativ erfasst.

Lieber im Stillen suchen

Die börsennotierten Nicht-Finanzgesellschaften der Investmentholding haben im Durchschnitt operative Margen von rund 18 Prozent. Weil sich die Gewinne dieser Unternehmen solide entwickelt haben, ist ein Kurs-Buch-Verhältnis von 1,4 im Falle von Berkshire Hathaway nicht unattraktiv. Zudem hat Warren Buffett zugesichert, Aktienrückkaufe durchzuführen, falls der Kurs unter das 1,2-fache des Buchwertes sinken sollte. Eine Kursentwicklung ist nicht prognostizierbar, doch im Fall von Berkshire Hathaway ist Potenzial vorhanden.

Generell ist es eine bei Value Investoren nicht unübliche Vorgehensweise, dort genau hinzusehen, wo anderen wegsehen.

In Arbeit
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Je stärker in den Medien über ein Unternehmen, bzw. dessen Aktie oder eine bestimmte Branche berichtet wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass hier eine Übertreibung am Markt stattfindet. Wird am laufenden Band und auf allen Kanälen nur noch euphorisch von steigenden Aktienkursen eines Unternehmens berichtet, ist es für Einstiege meistens zu spät.

Anders herum kann es interessant sein, sich gerade die Unternehmen und Branchen bei der Suche nach unterbewerteten Aktien näher anzusehen, über die gerade entweder nur negativ oder gar nicht berichtet wird. Genau dies macht es für Value Investoren interessant, ein bestimmtes Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

Hinweis/Disclaimer:

Prof. Dr. Max Otte beziehungsweise Unternehmen, an denen Prof. Dr. Max Otte beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräußerung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

 

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