Pantaflix Wenn Schweighöfer draufsteht, lässt sich alles verkaufen

Matthias Schweighöfer auf der Pantaflix-Party während der 68. Berlinale Quelle: STARPRESS/ AEDT

Pantaflix, die Filmfirma von Schauspieler Matthias Schweighöfer, wird an der Börse gefeiert. Warum die Story zweifelhaft ist.

Selbst das Leben als Filmstar hält manche Enttäuschung parat. Marc Benjamin ist einer der Hauptdarsteller im Kinofilm „Vielmachglas“. Mit Trubel bei der Premiere am Montag in Köln musste er rechnen. Die Kameras, das Kreischen, so sollte es sein. Umso bitterer die Frage der jungen Frau, die vor dem Kino ein Selfie mit ihm knipst: „Wo ist denn der Matthias?“, will sie wissen und klingt enttäuscht. Benjamin sagt knapp: „Ihm geht es nicht gut.“

Matthias Schweighöfer war der Premiere seines Films wegen einer Grippe ferngeblieben. Das schmerzte Fans wie Veranstalter. Die auf zwei Kinos verteilte „Weltpremiere“ wurde mangels Zuschauerinteresse in einem Saal zusammengefasst. Mit Schweighöfer wäre das vielleicht nicht passiert. Der ist einer der beliebtesten deutschen Schauspieler und Garant dafür, dass Kinosäle voll werden. Mehr als zwei Millionen Besucher wollten seichte Komödien wie „Der Schlussmacher“ sehen. Der Film „Hot Dog“ landete am Premierenwochenende im Januar trotz schlechter Kritiken an der Spitze der Kinocharts. Wenn Schweighöfer draufsteht, lässt sich alles verkaufen.

Das gilt offenbar auch für sein Unternehmen: Schweighöfers Firma Pantaflix, die unter anderem Filme und Serien mit ihm in der Hauptrolle produziert und einen Videoverleih im Netz anbietet. Ihr Aktienkurs hat sich zwischen Januar 2016 und Januar 2018 auf über 200 Euro fast vervierfacht. Mehr als 200 Millionen Euro ist das Unternehmen an der Börse wert, obwohl es bisher Verlust machte. Vorstandschef Dan Maag nennt Pantaflix eine „Rakete“, die zu einem „der führenden und finanzstärksten Medienunternehmen Europas“ heranwachsen solle. Die Analysten sind genauso begeistert. Sie stützen ihre Erwartungen vor allem auf den Videoverleih im Netz.

Die Meldungen des Unternehmens erwecken den Eindruck, als schließe Maag hierfür regelmäßig lukrative Deals ab. Doch auf die Ankündigungen folgten bisher nur selten auch nachprüfbare Tatsachen. Als Pantaflix 2015 an die Börse ging, hieß das Unternehmen noch Pantaleon und sollte in erster Linie Filme produzieren. Komödien wie „Die letzte Sau“ über den Kampf des schwäbischen Schweinebauers Huber gegen die Pleite. Am Ende des ersten Geschäftsjahres kam eine Onlinevideothek hinzu. Anders als beim US-Konkurrenten Netflix müssen Nutzer kein Abo abschließen, sondern leihen einzelne Filme. Größter Aktionär ist mit heute gut 60 Prozent eine Gesellschaft namens BlackMars Capital. Jeweils ein Drittel der Anteile dieser Firma halten Schweighöfer, Vorstandschef Maag und der Geschäftsmann Marco Beckmann.

Filmproduzent Maag behauptet, er habe mit Pantaflix eine Plattform etabliert, die gerade das globale Geschäft mit Filmen auf Abruf auf den Kopf stelle. Wie viele Nutzer jemals ein Video über Pantaflix ausgeliehen haben, will das Unternehmen jedoch nicht verraten. Wettbewerber veröffentlichten diese Zahlen auch nicht, sagt ein Sprecher. Das ist aber womöglich nicht der einzige Grund für die Zurückhaltung.

Ein renommierter Datendienst, der nicht genannt werden will, befragt Filmfans dazu, welche Videoportale sie angesteuert und welche Filme sie gesehen haben. So entstehen Statistiken über die Kunden von globalen Plattformen wie Netflix und Amazon Prime, aber auch kleinen Anbietern. Zu Pantaflix hat der Dienst jedoch keine Daten im Angebot. Bei den täglichen Umfragen kommen nicht genügend Nutzer zusammen.

Es ist unklar, warum potenzielle Kunden die Seite überhaupt ansteuern sollten. Viele Filme, die woanders Blockbuster sind, gibt es dort nicht. Auch andersherum fällt der Test nicht vorteilhafter für Schweighöfers Firma aus: 17 von 20 der bei Pantaflix am häufigsten ausgeliehenen Filme auf Deutsch gab es auch bei der Konkurrenz – meist sogar deutlich billiger.

Unter den Lieblingsfilmen der Pantaflix-Kunden finden sich zudem viele alte Filme wie „Pretty Woman“ von 1990 oder „Der Club der toten Dichter“ von 1989. Den Daten der Researchagentur Goldmedia zufolge sind jedoch kaum Filmfans bereit, für solch olle Kamellen zu zahlen.

Den Eigentümlichkeiten zum Trotz schätzt ein Analyst der Privatbank Metzler das Potenzial von Pantaflix als „massiv“ ein. Als Grund für die Euphorie nennt er unter anderem einen Deal mit dem Filmgiganten Disney. Nach eigenen Angaben darf Pantaflix seinen Kunden Blockbuster wie „Star Wars“ und „Fluch der Karibik“ anbieten. Die Filme seien künftig im Schnitt 3,5 bis 6,0 Monate nach Kinoauswertung verfügbar, so ein Sprecher. Das Unternehmen habe dadurch die Chance, ein globales Powerhouse zu werden, urteilt der Analyst von Metzler.

Jedoch ist bislang nicht ersichtlich, dass Pantaflix tatsächlich alle aktuellen Disney-Filme zeigen darf. Viele Kinofilme des Konzerns, die 2015 bis 2017 im Kino waren und längst anderswo im Netz verfügbar sind, gibt es bei Pantaflix nicht. Nur Filme, die älter sind, scheinen auf Deutsch lückenlos ausleihbar. Dazu zählen Klassiker wie der Zeichentrickfilm „Ratatouille“. Das Unternehmen räumt ein: „Zum Teil sind Disney-Filme aus den vergangenen beiden Jahren zeitweise auf Pantaflix nicht verfügbar.“ Dies sei durchaus üblich, wenn die Filme nur zum Verleih und nicht zum Verkauf angeboten würden.

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