Paulson-Hedgefonds zu riskant Börsenstar John Paulson fällt in Ungnade

Mit Ausbruch der Finanzkrise 2007 erlangte Hedgefonds-Manager John Paulson Weltruhm. Doch mittlerweile ist der Börsenguru entzaubert. Erste Großbanken warnen nun davor, Kundengelder bei ihm anzulegen.

Das verdienen die Hedgefonds-Stars
David TepperDavid Tepper gilt in der Hedgefonds-Branche nicht gerade als bescheiden. Bei einer Preisverleihung sagte der 56-Jährige einmal, er wolle als der beste Manager seiner Generation anerkannt werden. Im Ranking der reichsten institutionellen Investoren des Alpha-Magazins belegt Tepper bereits zum zweiten Mal in Folge die Top-Position. Im vergangenen Jahr verzeichneten die zwei wichtigsten Fonds seiner Investment-Gesellschaft, Appaloosa I und Palomino, geschätzte Gewinne von 42 Prozent. Seine Karriere startete Tepper mit Kauf und Verkauf von Junkbonds. In den vergangenen zwei Jahren wurde er vor allem mit Aktienwetten bekannt, die er auf Unternehmen und Branchen abschloss, die scheinbar aus der Mode gekommen waren, etwa Delta Airlines und United Continental Holdings. Gesellschaft: Appaloosa Management Verdienst 2013: 3,5 Milliarden Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot
Steven CohenFür Steven Cohen war 2013 juristisch gesehen kein gutes Jahr. Die US-Aufsichtsbehörden verurteilten seine Hedgefonds-Firma SAC Capital wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Das ist die höchste Strafe, die in den USA jemals verhängt wurde. Die US-Behörden hatten im Juli Anklage gegen den Fonds des Milliardär Cohen erhoben. Sie waren überzeugt, dass SAC bei Spekulationen verbotenerweise Tipps von Informanten aus Unternehmen genutzt hatte, mehr als ein Jahrzehnt lang. Für den rund 15 Milliarden schweren Fonds könnte die Klage das Aus bedeuten. Finanziell geht es Cohen aber wohl nach wie vor blendend. Mit 2,4 Milliarden Dollar Gewinn gehört er nach wie vor zu den Top-Verdienern der Wall Street. Gesellschaft: SAC Capital Advisors Verdienst 2013: 2,4 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS
John PaulsonJohn Paulson machte sich 2007 einen Namen, als er 3,7 Milliarden Dollar durch Wetten gegen den Subprime-Hypothekenmarkt verdiente. Doch in den Folgejahren ging es für den Manager steil nach unten. 2011 etwa büßten die von Paulson verwalteten Vermögenswerte rund die Hälfte ein. 2013 feierte der Manager sein Comeback mit Aktien, offenbar erfolgreich. Inzwischen fährt er seine Gewinne durch Investments in den Telekommunikationssektor und die Gesundheitsbranche. Gesellschaft: Paulson & Co. Verdienst 2013: 2,3 Milliarden Dollar Quelle: dpa
James SimonsJames Simons ist beim Reichenranking ein alter Hase. Der Manager hat es in den vergangenen 13 Jahren jedes Mal auf die Alpha-Liste geschafft und das, obwohl er lange keinen Hedgefonds mehr verwaltet. Der 75-Jährige ist eigentlich Mathematikprofessor. Die Vorliebe für Zahlen spiegelt sich auch in der Mitarbeiterpolitik von Renaissance Technologies wieder: Simons stellt besonders gerne Physiker, Statistiker und Astronomen ein. Gesellschaft: Renaissance Technologies Verdienst 2013: 2,2 Milliarden Dollar Quelle: AP
Kenneth GriffinDer 45-jährige Griffin stand im vergangenen Jahr auf der Gewinnerseite, wenn auch nicht so stark wie in den Jahren davor. Obwohl seine Hedgefonds-Firma Citadel nur einer mäßige Performance am US-Aktienmarkt aufweisen konnte, brachten die wichtigsten Fonds mit 19,25 Prozent ordentlich Rendite. 2012 waren es noch 25 Prozent. Von sich reden machte der Manager durch seine 150 Millionen Dollar schwere Spende an die Uni Harvard. Das Geld soll finanziell schwachen Studenten zugute kommen. Gesellschaft: Citadel Verdienst 2013: 950 Millionen Dollar Quelle: REUTERS
Israel (Izzy) Englander Mehr als 21 Milliarden Dollar verwaltet die von Israel Englander 1990 gegründete Hedgefonds-Gesellschaft Millennium Management. Gewinn 2013: 13,07 Prozent laut Forbes. Das Besondere am Management Stil Israels: Er teilt die Kosten und Gewinne mit seinen Investoren, anstatt eine fixe Verwaltungsgebühr zu verlangen. Das bedeutet auch, dass der Manager nur dann bezahlt wird, wenn er Gewinne einfährt. Gesellschaft: Millennium Management Verdienst 2013: 850 Millionen Dollar Quelle: mpl.com Quelle: Screenshot
Leon CoopermanDie Fonds von Leon Coopermans Omega Advisors verzeichneten 2013 ein besonders starkes Jahr. Die Gewinne der Hedgefonds-Gesellschaft betrugen 30 Prozent und stiegen damit im Vergleich zu 2012 (25 Prozent). Gesellschaft: Omega Investors Verdienst 2013: 825 Millionen Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot

John Paulson hatte die Krise kommen sehen und auf den Zusammenbruch des US-Häusermarktes gewettet. Das machte ihn zum Milliardär und seinen Hedgefonds zu einem der größten der Welt. 2007 verdiente Paulson noch 3,5 Milliarden Dollar, 2010 sogar fünf Milliarden Dollar. In Spitzenzeiten verwaltete Paulson in seinen Fonds 38 Milliarden Dollar.

Aber die glückliche Hand hat den Hedgefondsmanager verlassen, mit seinen Prognosefähigkeiten ging es bergab. 2011 verhob sich Paulson mit Wetten gegen den Euro und Bundesanleihen, seine immensen Investments in börsengehandelte Goldfonds musste er erfolglos runterfahren. 2012 verlief für seinen Fonds glanzlos, Anleger trennten sich scharenweise von Fondsanteilen. 2013 verdiente Paulson mit Aktien wieder ganz gut, 2,3 Milliarden Dollar soll ihm das eingebracht haben. Dann aber war erneut die Luft raus. 2014 verlor sein Flaggschiff-Fonds 19 Prozent an Wert. Im ersten Halbjahr 2015 liegt die Rendite Medienberichten zufolge bei mageren zwei Prozent. Das Volumen der Paulson-Fonds ist mittlerweile auf 19,3 Milliarden Dollar geschrumpft.

Banken rücken von Paulson ab

Die Erfolgsserie scheint zu Ende zu gehen. Immer mehr institutionelle Investoren gehen nun auf Distanz zum einstigen Börsenguru Paulson. Die Bank of America (BofA) hat deshalb nun ihre Finanzberater angewiesen, alle Kundengelder aus Paulsons Advantage Fonds abzuziehen und dort nicht mehr zu investieren.

Nach Gewinnserie: Zurückhaltung an der Börse

Wegen zahlreicher Wetten auf illiquide Investments sei die Geldanlage bei Paulson zu risikoreich geworden, hieß es zur Begründung in einem Brief des Bank-Managements an die Mitarbeiter. So sei Paulson etwa mit 23 Prozent am Hotelbetreiber Extended Stay America und mit 25 Prozent an der OneWest Bank beteiligt – Klumpenrisiken, die sich ohne massive Verluste kaum auflösen lassen.

Mit der Anweisung an die Mitarbeiter zieht BofA allein bei dem Advantage Fonds von Paulson 81 Millionen Dollar ab, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte. Dieser Fonds verwaltet 2,5 Milliarden Dollar.

Immerhin gestattet die BofA ihren Beratern, den Paulson Merger Arbitrage Fonds den Kunden als Alternative anzubieten. Dessen Wert ist im laufenden Jahr immerhin um 20 Prozent gestiegen. Paulsons Credit-strategy-Fonds mit einem Volumen von 4,3 Milliarden Dollar liegt hingegen mit einem Plus von 0,4 Prozent im laufenden Jahr ebenfalls am Boden, während Wettbewerber üppige Renditen einstreichen.

Das Image des Börsenstars Paulson hat so nachhaltig gelitten. Der Hedgefonds-Investor hat unter anderem darauf gesetzt, dass Puerto Rico seine Schuldenkrise überwinden wird. Das hoch verschuldete US-Territorium konnte aber Anfang des Monats eine fällige Anleihezahlung nicht begleichen, die Ratingagenturen werten das als Staatspleite. Paulson & Co. hat auch auf Griechenland sowie auf Fusionen in der Pharmabranche gewettet. Beides hat sich bislang nicht ausgezahlt, im Gegenteil sind griechische Aktien nach Wiedereröffnung der Börse in Athen nochmal massiv abgestraft worden.

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Inzwischen ist auch die Schweizer Großbank UBS von Paulson abgerückt. Einen Feeder-Fonds, über den Anleger in Paulson’s Hedgefonds investieren konnten und der ein Volumen von 50 Millionen Dollar hatte, wurde komplett geschlossen.

Erst vor wenigen Wochen hat sich der Milliardär Insidern zufolge bei dem Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta eingekauft. Fusionsfantasien mit dem Saatgut-Riesen Monsanto wurden jedoch am Mittwoch von beiden Konzernen dementiert. Hier droht Paulson der nächste Rückschlag.

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